Warum ich ein Buch schreibe

Ich wurde angefragt, ein Buch zu schreiben. Da ich gerne schreibe und schon länger auf dem Herzen habe, ein Buch zu veröffentlichen, habe ich zugesagt. Allerdings habe ich mir das Thema meines ersten Buches anders vorgestellt: Es wird darum gehen, wie wir mit Krankheit positiv umgehen können – mit Beispielen meiner aktuellen Situation.

Seit nun über drei Jahren leide ich unter Schmerzen und Schwäche. In dieser Zeit hatte ich einige Erkenntnisse, die sicher auch anderen Menschen in ähnlichen Situationen helfen würden.

Darum werde ich einerseits meine persönliche Geschichte erzählen und gleichzeitig die Leser ermutigen, Gott zu suchen und die Hoffnung auch in Zeiten von Krankheit nicht aufzugeben.

Denn ich habe beobachtet, dass viele Menschen nicht nur körperlich unter ihrer Krankheit leiden. Gerade auch Christen, die ja eigentlich gesund sein sollten, weil sie ja eine Verbindung zum ultimativen Heiler haben, leiden teilweise noch stärker unter ihrer Krankheit.

Photo by Yannick Pulver on Unsplash

Daher ist es normal, dass kranke Menschen sich Fragen stellen wie: „Hat Gott mich vergessen?“, „Habe ich etwas falsch gemacht?“, „Ist meine Krankheit eine Strafe?“, „Was muss ich tun, um geheilt zu werden?“ „Heilt Gott heute überhaupt noch?“. Wenn Heilung ein frommer Wunsch bleibt, können uns solche Fragen fertig machen und darum werde ich genau darauf eingehen.

Es gibt viele Bücher zum Thema „Heilung“. Aber ich habe keines gefunden, das sich mit ausbleibender Heilung bei (chronischer) Krankheit auseinandersetzt. Ich werde den Blick auf Gott richten, damit die Leser Gott auch in der Krankheit erleben (im „dunklen Tal“). Halt so, wie es David beschreibt:

Auch wenn es durch dunkle Täler geht, fürchte ich kein Unglück, denn du, HERR, bist bei mir.

Psalm 23,4 Hoffnung für alle Bibel

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God bless you,

Samuel Gobat (1799 – 1879)

„Ich habe mein ganzes Leben an meinem Geistesauge vorüberziehen lassen und ich finde darin nichts als eine ganze Kette von Barmherzigkeiten meines Gottes.“

Samuel Gobat

Samuel Gobat ist im Berner Jura aufgewachsen. Bis heute weist ein nach ihm benannter Platz in seinem Geburtsort Crémines darauf hin, dass hier der spätere „,Bischof von Jerusalem“ aufgewachsen ist. Gobat wirkte nach der Ausbildung im Missionsseminar der Basler Mission vorerst in Paris und London, um dann im Dienste der Londoner Church Mission Society als Missionar in Ägypten zu wirken.

Samuel Gobat

Nach drei Jahren in Kairo wirkte er als Missionar im damaligen Abessinien, dem heutigen Äthiopien. Noch heute spricht man angesichts Gobats opferbereitem Dienst inmitten widrigster Umstände in christlichen Kreisen Äthiopiens mit Hochachtung vom „Vater unseres Volkes“. Samuel Gobat arbeitete eng mit der Pilgermission St. Chrischona zusammen, die ihm Absolventen sandte, die er in seinen Dienst aktiv miteinbezog und so gewissermassen „On the Job-Training“ durchführte. Bei seinem Weggang von Abessinien legte er die angefangene Arbeit in die Hände der Pilgerrmission St. Chrischona.

Nach seiner Zeit in Abessinien nahm Samuel Gobat 1846 eine Berufung der anglikanischen Kirche zum Leiter des Evangelischen Bistums Jerusalem an, das einige Jahre zuvor auf Anregung des preussischen Königs Friedrich Wilhelm IV ins Leben gerufen worden war. Als Bischof der Anglikaner, aber in gleicher Weise auch der Lutheraner und Reformierten, gründete er christliche Gemeinden und nahm sich der sozialen Nöte Palästinas an. Unter dem Dach des „,Jerusalemvereins“ gründete er in Jerusalem, Bethlehem, Nazareth, Jaffa und Nablus Waisen- und Krankenhäuser sowie mehr als ein Dutzend Schulen. Gobat war ein begnadeter Brückenbauer. Bei seinem 25. Amtsjubiläum bekundeten selbst Muslime ihre Hochachtung gegenüber dessen väterlicher Hilfsbereitschaft gegenüber Armen und Bedürftigen. Gobat entwickelte eine besondere Evangelisationsmethode. Er bildete Geschichtenerzähler aus und entsandte diese bis in die entlegensten Gebiete. Ihre Arbeit bestand darin, die biblischen Geschichten in arabischer Sprache vorzulesen. Um die gläubiggewordenen Araber im Glauben zu vertiefen, setzte er arabische Pfarrer ein.

Der vor allem in jüngeren Jahren oft kränkliche Gobat hatte in seiner Ehefrau Marie Zeller, der Tochter des Beuggener Christian Heinrich Zeller, eine starke Partnerin gefunden, die auch in den schwierigsten Zeiten ihre Hoffnung nie aufgab. Ihr Gebet war: „O Herr, lass mich sein eine Mutter in Israel, eine Priesterin in diesem Hause und in meiner Familie!“ Ihre gemeinsame Tochter Dora wurde später die Ehefrau des Chrischona-Direktors Carl Heinrich Rappard und „Mutter von St. Chrischona“.

Samuel Gobat war ein sprachbegabter und weltgewandter Akademiker. Von 1839 – 1842 wirkte er auf der Insel Malta als Supervisor einer Bibelübersetzung ins Arabische. Gobat war aber auch ein Mann des Volkes, der wie ein Hirte für die Seinen sorgte und sich für sie in Liebe aufopferte. Das trug ihm die Gunst der einfachen wie gebildeten Menschen ein. Und er war ein Beter und liebte Gott und sein Wort über alles. Von ihrem Vater berichtete Dora Rappard-Gobat, dass er oft auf den Knien liegend Teile der Bibel durchgebetet habe. „Ich habe nie wieder jemanden gesehen, der die Bibel so Gut kannte wie er.“ Gobats letzte Worte: „Christus ist mein Leben: Ich gehe heim in Vaters Haus“

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter Nüesch, Kontaktiere den Autor per e-mail: hpnuesch7@gmail.com Nüesch

Dwight L. Moody (1837-1899)

Dwight L. Moody

„Wenn Verlorene gerettet werden sollen, muss man sie in ihren Winkeln suchen, wo sie sich versteckt halten vor dem Licht Jesu.“

Dwight L. Moody

Dwight L. Moody war unzweifelhaft der gesegnetste Evangelist in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Darauf hatte lange nichts hingedeutet. Seine Eltern waren arm, seine Schulbildung mangelhaft. Seine Manieren rüpelhaft. Aber er hatte eine grosse Gabe: Er war leidenschaftlich und konnte andere mit seiner Leidenschaft anstecken.

Bald war er der beste Schuhverkäufer Bostons. Da kommt eines Tages sein Sonntagsschullehrer in sein Schuhgeschäft, legte ihm die Hand auf die Schulter und fragte ihn mitten bei der Arbeit, ob er nicht mit Jesus ernst machen wolle. Moody sprach ein lautes Ja für Jesus aus. Mit 18 Jahren zog Moody nach Boston, um auch dort Schuhe zu verkaufen. Daneben versuchte er es als Helfer in der Sonntagsschule. Die Leitung hatte wegen seiner ungestümen, ungeschliffenen Art Bedenken. Als er dann aber am Sonntag mit 18 barfüssigen und zerlumpten Jungen aufkreuzte, die er von der Strasse aufgelesen hatte, änderten sie ihre Meinung. Moody hatte ein Pony gemietet und durchzog mit diesem die Strassen, um sich die Kinder zusammenzuholen. Bald war der Mann mit dem Pony der populärste Mann weit und breit. Der Dienst Moodys wuchs und wuchs, sodass er sich entschloss, seine Arbeit als Schuhverkäufer aufzugeben und sich ganz der Verkündigung der Frohen Botschaft von Jesus zu widmen. Moody: „Wenn wir die Welt nur fühlen lassen, dass wir sie liebhaben, so wird es bald weniger leere Kirchen geben.“ Sein Wirkungsfeld weitete sich von Jahr zu Jahr aus.

Seine Predigten blieben einfach und verständlich auf das Zentrum des christlichen Glaubens ausgerichtet. Moody: „Wenn ich aufhöre, Jesu Christi stellvertretendes Opfer zu predigen, weiss ich nicht mehr, was ich reden soll.“ Er gab sich immer selbst hinein. Wenn er von der Hölle sprach, dann tat er es nie ohne Tränen in der Stimme. Wo immer er eine Not sah, versuchte er zu helfen. Im amerikanischen Bürgerkrieg half er den Verwundeten durch Tat und Wort. Durch Moody wurden in Chicago Scharen von Samaritern mobilgemacht, um der schreienden Not auf den Kriegsschauplätzen abzuhelfen. Bald erhielt er Einladungen von überall her. Dreimal führte er auch evangelistische Kampagnen in Grossbritannien durch. Nach schwierigem Anfang brach in Newcastle eine Erweckung aus, die sich in der Folge über ganz Schottland und England ausbreitete. Nach Chicago zurückgekehrt errichtete er das Moody Bible Institut. Moody, „Was wir heute brauchen, sind Menschen, die vom Scheitel bis zur Fusssohle an die Bibel glauben, sowohl an das, was sie verstehen, als an das, was sie nicht verstehen. Studiert die Bibel sorgfältig und mit Gebet!“ Gemäss dem Leiter der Bibelschule, R.A. Torrey, war Moody ein grösserer Beter als Evangelist.

Als Höhepunkt seines evangelistischen Dienstes predigte Moody 1893 an der Weltausstellung in Chicago jeden Tag während sechs Monaten an zentralen Orten. Täglich wollten tausende von Menschen aus aller Welt Moody hören. Neidisch sagten Zirkusleute: „Bei unseren Künsten bleibt der Zirkus halb leer, und der da drinnen füllt die grössten Hallen und hat doch nur ein Buch in der Hand.“ Moody blieb zeitlebens der Mann eines Buches, der Bibel.

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter Nüesch

Emil Nigg (1885 – 1973)

„Das, was vor 2’000 Jahren in Palästina geschehen war, kann heute und jetzt noch erlebt werden.“

Emil Nigg

Keine Person hat die Heilsarmee in der Schweiz so nachhaltig geprägt, wie der Heilsarmeeoberst Emil Nigg. Er leitete nicht nur während 16 Jahren die Musik der Heilsarmee und gab ein Musikbuch heraus mit Klavierstimmen zur Begleitung der Heilsarmeelieder. Mindestens so stark prägte Nigg aber die Heilsarmee durch seine vollmächtige Seelsorge und seinen gesegneten Heilungsdienst an kranken und gebundenen Menschen.

Emil Nigg wurde 1885 in Liestal bei Basel geboren. Seine Mutter war eine gläubige Katholikin. Von früh auf begeisterte ihn die Musik. Bald gründete er ein kleines Orchester, mit welchem er oft nächtelang zum Tanz aufspielte. Im Militär leitete er ein Bataillons-Musikkorps. Drei Salutisten beteten nach einem Konzert für den Musikwachtmeister, dass er sich bekehre, um darnach ihr Musikchef zu werden. Bald war es so weit. Nigg: „Ich konnte dem Anruf Gottes nicht länger widerstehen.“ An einer Evangelisation von General von Viehbahn im Volkshaus Basel machte er seinen Entscheid fest und übergab die Leitung seines Lebens Jesus Christus. „Gott wies mich ganz deutlich den Weg in die Heilsarmee.“

Emil Nigg wurde die Leitung der Offiziersmusik übertragen. Neben seinem Dienst vervollständigte er seine musikalische Ausbildung, wobei seinen Dozenten Niggs ausserordentliche Kompositionsgabe auffiel. Da das Musikwesen der Heilsarmee damals auf einem niederen Niveau stand, gab er ein Liederbuch mit Noten heraus. Nigg: „Es war mir ein ernstes Anliegen, dass die Heilsarmeemusik ein wirksames Mittel wurde, Menschen für die Botschaft des Heils empfänglich zu machen. Was könnte geschehen, wenn alle Musikanten der Heilsarmee betend spielen würden! Welch eine Kraft würde von ihrem Spiel ausgehen!“

Nigg führte Dirigentenkurse durch und wies dabei immer auf den Heiligen Geist hin, der lebendig macht, auch die Musik. „Wir brauchen den Heiligen Geist, wenn unser Leben nicht arm, leer und fruchtlos bleiben soll.“ Als Divisionschef setzte er sich sehr für die Jugend ein und baute mit ihnen zusammen ein Jugendhaus in Stäfa über dem Zürichsee, wo in der Folge Kinder- und Jugendfreizeiten durchgeführt wurden. Er war überzeugt, dass Ferien nur dann wirklich genossen werden können, wenn Gott dabei ist. „Vor den Ferien nahm ich mir stets vor: Jeden Morgen eine Stunde für Bibellesen und Gebet! Jeden Nachmittag eine Stunde auf die Knie, um zu loben und zu danken.“ Er nahm auch oft allein oder mit Geschwistern zusammen das Abendmahl ein. Dann führte ihn Gott in den Heilungsdienst.

Nigg: „Es war mir angesichts einer besonderen Not einfach nicht möglich, zu schweigen, was der Herr in anderen Fällen getan hat.“ Immer mehr Menschen nahmen seinen Heilungs- und Befreiungsdienst in Anspruch, wobei Emil Nigg immer darauf hinwies, dass allein Jesus heilen kann. Unser Beitrag sei, auf das zu vertrauen, was im Wort Gottes geschrieben steht.

Zum Schluss ein Wort von Lily Obrist, die in ihrem biographischen Werk über Emil Nigg ihn als ihren persönlichen Berater und Seelsorger bezeichnete: „Viele von uns kannten Emil Nigg als einen Mann des Glaubens, der Liebe zu Gott und den Menschen. Sein ,Allein auf Jesus und sein Blut vertrauen“, gab Oberst Nigg jene gleichbleibende Heiterkeit, die allen, welche ihn kannten, so wohltat. Er hatte nur die Jesus-Fahne, und diese hielt er unentwegt hoch mit Loben und Danken.“

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter Nüesch, Kontaktiere den Autor per e-mail: hpnuesch7@gmail.com

Samuel Zeller (1834-1912)

„Gott hat nicht nur eine Sanitätsabteilung, sondern auch eine Erziehungsabteilung.“

Samuel Zeller

Der norwegische Theologieprofessor Ole Hallesby berichtet in seinem Buch ,,Vom Beten“:

„Ich entschloss mich in die Schweiz zu reisen, um den alten Patriarchen Samuel Zeller in Männedorf zu besuchen. Er unterhielt dort ein geistliches Sanatorium für Menschen, die nicht nur für ihren Leib, sondern auch für ihre Seele Ruhe suchten. Als Verkündiger des Wortes Gottes war Zeller unübertroffen. Ihm gelang die eigentliche Aufgabe der Verkündigung: die Zuhörer durch das Wort vor Gottes Angesicht zu stellen. Ausserdem war er ein einzigartiger Seelsorger: Ich habe jedenfalls keinen Menschen getroffen, bei dem tiefe Menschenkenntnis mit so viel Barmherzigkeit und mitfühlender Liebe verbunden war. Den stärksten Eindruck bekam ich von Zeller im Gebet. Er erzählte Gott nur, woran es fehlte, und dann wusste er, Gott würde es in Ordnung bringen. Sein Gebet war ein ehrerbietiges aber natürliches Gespräch mit Gott, ungefähr so, als sässe Gott vor ihm auf der ersten Bank. In der kurzen Zeit, die ich dort war, kamen Briefe aus allen Ländern Europas. Oft bat er um Wunder, aber nie ohne hinzuzufügen, ‚wenn es deinen Namen verherrlicht.‘ Dabei scheute er sich nicht, um eine augenblickliche Heilung zu bitten. Im Grunde betete er ja nur ein einziges Gebet, dass Gottes Name verherrlicht werde.“

Samuel Zeller war ein Sohn von Heinrich Zeller, dem Leiter der Erziehungsanstalt Schloss Beuggen. Samuel war ein friedloser junger Mann bis er in Männedorf von Dorothea Trudel konfrontiert wurde. „Was, ein Sohn von Inspektor Zeller in Beugen und so ein finsteres Gesicht.“ Als er ihr von seiner Krankheit einer fressenden Flechte erzählte, tröstet sie ihn freundlich; „Wenn einmal der Aussatz der Sünde weg ist, wird wohl diese Krankheit auch verschwinden.“ Samuel Zeller bekannte daraufhin eine bisher verborgene Sünde. Als Folge des Gebets mit Handauflegung wird ihm darauf auch die äussere Heilung geschenkt.

1860 berief Dorothea Trudel Samuel Zeller als Assistent nach Männedorf. Sie fand Gefallen an den praktischen, ins Leben sprechenden Bibelstunden ihres geistlichen Sohnes. Kurz vor ihrem Tod vermachte sie auf eine Weisung Gottes hin Samuel Zeller die Häuser schenkungsweise. Dieser leitete in der Folge während 50 Jahren die sich laufend vergrössernde Erholungsanstalt, wobei darauf geachtet wurde, dass mit dem äusseren Wachstum auch das innere Wachstum Schritt hielt.

Samuel Zeller hielt jeden Tag zwei Bibelstunden und betete für unzählige notleidende Menschen unter Handauflegung. Er erlebte dabei, dass viele, aber beileibe nicht alle leiblichen und seelischen Störungen mit verdrängten Sünden zusammenhingen, die man nicht wahrhaben wollte. Oft verschwanden mit deren Bekenntnis auch die körperlichen und seelischen Gebrechen. Samuel Zeller: „Wie bittet man doch oft so armselig, und doch hätte Gott Ströme bereit. Was ist aber aller äussere Segen an irdischen Gütern gegenüber dem Segen, der uns durch Jesum zuteil wird.“ Noch heute besteht in Männedorf ein Bibelheim für Menschen, die an Leib und Seele Erholung und Kräftigung suchen.

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter Nüesch

Emil Rupflin (1885 – 1966)

Wie sollen wir weiter von Glaube, Hoffnung, Liebe predigen, wenn niemand sein Christenleben mit der Tat beweisen will.“

Emil Rupflin

Geboren wurde Emil Rupflin im malerischen Lindau am Bodensee als Sohn eines armen Pflastersteinsetzers. Weil er zu den weniger Bemittelten gehörte, wurde er oft wegen Kleinigkeiten von den Lehrern bestraft. In Emil wuchs dadurch ein Gerechtigkeitssinn und ein Zug zu den mancherlei benachteiligten Menschen, der für seinen weiteren Werdegang von Bedeutung werden sollte. Bald zog er nach Zürich um, wo Emil inzwischen zwanzigjährig an einer Veranstaltung der Heilsarmee zum Glauben fand. Er besuchte in der Folge die Offiziersschule der Heilsarmee in Bern, heiratete und diente mit seiner Frau zusammen auf verschiedenen Stationen der Heilsarmee. 1916 führte sie ihr Dienst nach Chur. Ergriffen von der Not heimatloser Kinder während dem Ersten Weltkrieg, die ohne einen Sonnenstrahl der Liebe aufwachsen mussten, gab Emil Rupflin seine sichere Stellung bei der Heilsarmee auf und gründete mit seiner Frau zusammen ein Werk für heimatlose Kinder.

Ihr erstes Kinderheim gründeten sie in einer ehemaligen Glockengiesserei in Felsberg. Später zogen sie in ein grösseres Patrizierhaus in Trimmis. Immer mehr heimatlose Kinder wurden ihnen von Staat und Kirche vermittelt. Zahlreiche weitere Heime sollten folgen. Kurz vor seinem Ableben war es ihm 1965 vergönnt, dem Gott hilft – Werk in Zizers eine Heimerzieherschule (heute „,Höhere Fachschule für Sozialarbeit“) einzuweihen, um „eine fachliche Ausbildung und biblische Vertiefung für eine verantwortliche Mitarbeit in der Heimerziehung zu vermitteln.“

Emil und Babette Rupflin in den ersten Jahren in Felsberg ca. 1920. Foto: zvg

1916 schreibt Rupflin angesichts der offenen Frage, ob die Zeit reif sei, ein Werk für heimatlose Kinder zu gründen, in sein Tagebuch: „Möge der Herr uns auf dem Glaubensboden bewahren! Ich glaube, dass auf seiner Seite alles bereit ist. Aber ob wir für seine Pläne bereit sind.“ Rupflin entscheidet sich, im Glauben auf Gottes Versorgung zu handeln. Schon am Tag darauf kommt Gottes Bestätigung durch ein Telegramm, in dem um die Aufnahme von fünf Kindern gebeten wurde.

Rupflin arbeitete mit der Reformierten Landeskirche zusammen, weil er die Weite der Evangelisationsmöglichkeit auf dem Boden der Kirche erkannte. Landauf landab sollte er in den folgenden Jahren durch seine lebendige Erzählgabe davon Zeugnis ablegen, dass Gott hilft. Rupflin betonte immer, es gehe nur um unseren Glaubensgehorsam. Alles andere würde Gott machen. Als sichtbares Bekenntnis gab Rupflin dem Werk den Namen „Gott hilft“.

Er schreibt 1917 in sein Tagebuch: „Ich fühle in den letzten Tagen ganz besonders die grosse Verantwortung für die Sache. Doch der Herr wird hinaus- und hindurchhelfen. Der Name des Werks soll uns stets daran erinnern: „Gott hilft.“ Rupflin erlebte so manche schwierige Zeiten, in denen sein Glaube auf dem Prüfstand war. Sein Motto war: „Dennoch unverzagt! Gott wird uns Hilfe senden, um seinem Namen Ehre einzulegen.“ Und Gott hat tatsächlich geholfen. Unter der Leitung von Dr. Heinz Zindel und später dessen Sohnes, Pfr. Daniel Zindel, ist das inzwischen weitverzweigte Werk nicht nur eine Heimat für unzählige sozial handicapierte Menschen geworden, sondern auch ein nicht übersehbares Zeugnis, dass Christen einen Gott haben, auf dessen Hilfe sie in jeder Lage zählen können.

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter Nüesch, Kontaktiere den Autor per e-mail: hpnuesch7@gmail.com

Samuel Unger (1896-1980)

„Alles ist möglich dem, der glaubt. Glauben wir wirklich, dass Gott der Herr über Himmel und Erde ist?“

Samuel Unger

Samuel Unger stammte aus dem an Deutschland grenzenden Kanton Schaffhausen. Seine Studien absolvierte er in Leipzig. Als Ingenieur und Geschäftsmann leitete er nach seiner Rückkehr in die Schweiz eine mittelgrosse Firma mit 24 Mitarbeitern. Obwohl er eine grosse geschäftliche Zukunft vor sich hatte, verkaufte er sein Geschäft, um sein Leben ganz Gott und seinem Auftrag zu widmen. Unger: „Nun war ich ein neuer Mensch geworden: geheilt vom Kniefall vor dem Gott des Materialismus, und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, begleitete mich auf Schritt und Tritt. In dem Mass, wie die Vergänglichkeit dieser Welt ihre Anziehungskraft verlor, schärfte sich mein Blick für die Ewigkeitswerte.“ Er gründete in Zürich die „Schweizerische Missionsgemeinde“. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg sah er seinen göttlichen Auftrag vordringlich in der Fürbitte. Unger: „So schwer legte mir Sein Geist die Gebetslast aufs Herz, dass ich täglich bis sieben Stunden benötigte, um die Anliegen vor Gott zu bringen.“

Er betete nicht nur für die Schweiz, sondern auch für einzelne Nationen und deren Regierungen. Der Autor hat selber in einem Nachbarzimmer wartend mitangehört, wie Samuel Unger während langer Minuten hörbar zu Gott geschrien hat, er möge da und dort einer Not begegnen.

Was Ungers disziplinierte und ausgedehnte Fürbitte in der unsichtbaren und sichtbaren Welt bewirkt hat, ist schwer zu ermessen. Samuel Unger war auf jeden Fall ein Mann, der ähnlich dem Hauptmann von Kapernaum wirklich glaubte, dass Gott nur ein Wort sprechen muss, damit Dinge geschehen. Er glaubte zutiefst, dass Gott als Herr über Himmel und Erde unser Gebet, wenn es im Glauben geschieht, zum Segen für einzelne Menschen und ganze Nationen setzt. Insbesondere vor und während dem Zweiten Weltkrieg fühlte sich Unger immer wieder gedrängt, „sich sofort vor das Angesicht Gottes zu werfen und so lange zu ringen, bis dass das Kriegsunheil abgewendet sei.“

Sihlporte Zürich, 1940

Lassen wir Samuel Unger selber erzählen, wie er sich einmal im Gebet von Gott geführt wusste. „Mitte Juni 1943 war mir zumute, als ob mir der Herr selbst seine heilige Hand auf den Mund legte. So begann ich unmittelbar zu fasten. Insbesondere empfand ich den starken Impuls, für den Schutz unseres Landes und für Zürich zu beten.“ Samuel Unger betete und fastete während 47 Tagen insbesondere für den Schutz der grössten Schweizer Stadt Zürich. Dabei lag keine direkte Bedrohungslage vor, da Zürich nicht in Grenznähe liegt. Welches war die Wirkung dieses Gehorsams?

Nach dem Zweiten Weltkrieg erzählte ein hoher amerikanischer Fliegeroffizier in einem Vortrag in Zürich, wie er einmal trotz Wolken dem Kampfgeschwader den Befehl gab „Entsichern'“. In diesem Augenblick sei die Wolkendecke zerrissen und er habe erkannt, dass sie vom Nordwind abgetrieben worden seien und sich irrtümlicherweise über Zürich befanden. Der amerikanische Fliegeroffizier betonte: „‚Wenn die Wolkendecke nicht durch Gottes Gnade zerrissen worden wäre, hätte man Zürich später auf der Landkarte suchen müssen.“ Samuel Unger: „Darum lasst uns Gottes Thron Tag und Nacht ,belagern‘: Wie oft betete der Herr Jesus selbst Nächte durch. Ach, dass doch in der ganzen Schweiz und in Deutschland zusätzliche Gebetszellen entstehen möchten, indem sich die Gläubigen überall vereinen zum Gebet, um den gewaltigen Arm Gottes zu bewegen!“

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Luise Buchmann (1884 – 1944)

Vorbilder sind „Lebensbilder“. Es sind Menschen, an denen wir uns orientieren können. Männer und Frauen, die uns inspirieren und ermutigen. Personen wie Du und ich: Durchschnittlich, z.T. erfolgreich und glücklich, manchmal niedergeschlagen und geplagt. Diese Lebensbilder geben uns Orientierung und zeigen uns Möglichkeiten. Sie öffnen neue Türen und erweitern unseren Horizont.

Dies ist ein Artikel, einer 30 wöchigen Serie über bekannte und weniger bekannte Lebensbilder. Ich wünsche Dir viel Freude beim Lesen und freue mich immer über Kommentare und Rückmeldungen! Wenn Du keinen Beitrag verpassen willst, folge diesem Blog und Du wirst jeweils per E-Mail informiert.

God bless you,

„Leidenswege, Kreuzeswege, Demütigungs- und Erniedrigungswege sind oft ganz heilige Wege, weil sie uns nach Golgatha zum Kreuz hinführen und uns dann Jesus immer grösser wird.“

Luise Buchmann

Junge und alte Menschen aus den verschiedensten Kirchen, darunter auch viele Pfarrer und Prediger, besuchten täglich eine blinde, zerbrechliche Krankenschwester im Ferienheim Eben-Ezer in Frenkendorf bei Basel, um Gebet und Antwort auf ihre Fragen zu erhalten. Schwester Luise verbrachte täglich viele Stunden im Gebet. Neben den täglichen, ins praktische Leben greifenden Bibelauslegungen war es vor allem die göttliche Weisheit, die dazu führte, dass viele Menschen ihr Leben Gott neu und ganz weihten. Wenn Schwester Luise keine Antwort wusste, legte sie die Fragen Jesus hin. Oft bekam sie dann ein Wort für die anwesenden Fragesteller.

Ferienheim Eben-Ezer in Frenkendorf bei Basel

Luise Buchmann wuchs als Tochter eines Stickereifabrikanten im Zürcher Oberland auf. Schon früh pflegte sie eine innige Gemeinschaft mit ihrem Vater im Himmel. Sie erlebte schon im Kindesalter ausserordentliche Gebetserhörungen. Als der deutsche Pfarrer und Erweckungsmann, Otto Stockmayer, für Gesundheit von Luises Mutter betete, erkannte er plötzlich im Geist, dass eine besondere Berufung auf der kleinen Luise lag. Spontan betete er für sie, dass sie einmal ihre Bestimmung als Gottes Dienerin erfüllen möge.

Gott gebrauchte Schwester Luise, um eine schläfrige Christenheit aufzuwecken und zu einer Ganzhingabe des Lebens zu rufen. Kennzeichen der letzten Zeit sei eine fortschreitende Abnahme eines tieferen Heiligungslebens.

Die Macht der Finsternis setze alles daran, die Menschen so total zu beschäftigen und zu unterhalten, dass sie für die göttlichen Dinge keine Zeit, keine Stille und keine Ruhe mehr hätten und als Folge Gottes Wort und das Gebet vernachlässigten. Schwester Luise rief unermüdlich dazu auf, zu wachen und uns nicht von den Dingen des Alltags ablenken zu lassen.

Ein gläubiger Katholik bat Schwester Luise einmal, vom Herrn ein Wort zu erbeten über das göttliche Urteil gegenüber Katholizismus und Protestantismus. Sie erhielt von ihrem Herrn folgendes Wort: „Ich sage dir mit Ernst, bei mir ist kein Unterschied zwischen Katholiken und Protestanten, sondern diejenien die meinen heiligen Willen tun und mir gehorsam sind in allem, was ich ihnen gebiete, diese werden das Reich ererben.“ Vor seiner Wiederkunft werde es zu keiner äusseren Vereinigung kommen; die schwere Verfolgungszeit vor seinem Kommen werde aber die Einigkeit im Geiste bringen. Von der Verfolgungszeit, sagte der Herr weiter, dass sie kommen müsse, weil sein heiliger Name auf Erden so sehr durch die gegenseitigen Schmähungen der Kirchen und Gemeinschaften entheiligt würde.

Es seien die treuen Beter, welche ihr Ichleben hingegeben haben, die die Gemeinden von einer geistigen Verarmung bewahren können. In der zunehmenden Verfolgungszeit gehe es darum, jeden Tag aus Gottes Hand zu nehmen wie er komme; Er, der Herr, werde sich dann mächtig erweisen mit seinem Beistand und mit seiner Hilfe. Schwester Luise ermutigte, das Wort Gottes immer in Ehrfurcht zu lesen und um die Erleuchtung durch den Heiligen Geist zu bitten. Sie verurteilte das rein vernunft- und verstandesmässige Auspressen der Bibel scharf, weil es „in den Irrtum und auf Abwege“ führe.

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Wilhelm Busch (1897-1966)

Vorbilder sind „Lebensbilder“. Es sind Menschen, an denen wir uns orientieren können. Männer und Frauen, die uns inspirieren und ermutigen. Personen wie Du und ich: Durchschnittlich, z.T. erfolgreich und glücklich, manchmal niedergeschlagen und geplagt. Diese Lebensbilder geben uns Orientierung und zeigen uns Möglichkeiten. Sie öffnen neue Türen und erweitern unseren Horizont.

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God bless you,

„Die Hauptsache ist, dass die Hauptsache (das Erlösungswerk Jesu Christi) die Hauptsache bleibt.“

Willhelm Busch

„Ein echter Brandstifter war er, ein heisser Feuerleger, ein Zündler dem Jesu Wort wie ein Pfeil im Fleisch steckte. Wilhelm Busch brannte wie eine Fackel, und um ihn herum brannten seine Leiter wie ein Fackelzug.“ So beschrieb sein Pfarrkollege Konrad Eisler einmal den Leiter des Essener Jugendhauses.

Wilhelm Busch

Wilhelm Busch wurde 1897 in Elberfeld als ältester Sohn eines Pfarrers geboren. Zum persönlichen Glauben fand er als junger Leutnant an der Kriegsfront in Frankreich. Nach dem Ersten Weltkrieg studierte er in Tübingen zu Füssen von Lehrern wie Adolf Schlatter und Karl Heim Theologie. Seine erste Pfarrstelle war im Bergarbeiterbezirk Essen-Altstadt. 1923 heiratete er seine Frau Emmi. Sie war für den gleichzeitig humorvollen aber auch oft betrübten Mann die Freude des Lebens und eine grosse Hilfe in seinem vielfältigen Dienst an jungen Menschen. „Als wir 40 Jahre verheiratet waren, sagte ich ihr; ‚Wenn ich es nochmals zu tun hätte, ich liefe dir nach bis ans Ende der Welt.‘ Da lachte sie und meinte, ihr ginge es genauso. Das kann ich nun nicht gut verstehen, weil ich mich kenne.“

Wilhelm Busch war ein begnadeter Prediger und Jugendevangelist. 1930 wurde er als Jugendpfarrer im Essener Jugendhaus angestellt, dem späteren Weigle-Haus. Diese Position behielt er bis zu seiner Pensionierung. Wilhelm Busch bezeichnete sich einmal spasseshalber als ältester Jugendpfarrer der Welt. Neben seiner Tätigkeit als Jugendpfarrer diente er immer wieder als vollmächtiger Evangelist. Seine Evangelisationsvorträge waren oft überschrieben mit „Jesus unser Schicksal“. Der gleichnamige Bestseller wurde aus Tonbandaufnahmen seiner Predigten nach seinem Tode zusammengestellt.

Wilhelm Busch zögerte nie, Misstände in Kirche und Gesellschaft beim Namen zu nennen. Er war dreimal wegen seiner Kritik am Naziregime im Gefängnis. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab er ab 1948 die Monatszeitschrift „,Licht und Leben“ heraus, die zu einer vielbeachteten Stimme des Pietismus in der evangelischen Kirche wurde. Er prangerte in gleicher Weise den theologischen Liberalismus wie eine tote Rechtgläubigkeit an, der es an Leidenschaft für Jesus und seinen Auftrag, das Evangelium in die Welt hinauszutragen mangelte.

Am meisten litt er unter der Uneinheit der Kinder Gottes, die mehr gewissen Personen huldigten als ihrem gemeinsamen Herrn und Meister: „Welch eine missionarische Kraft ginge von einer Christengemeinde aus, wo es heisst:, Einer ist euer ‚Meister, Christus‘.“ Pfr. Wilhelm Busch hielt sich und anderen zeitlebens Gerhard Tersteegens Liedstrophe vor Augen: „In Wort und Werk, in allem Wesen sei Jesus und sonst nichts zu lesen.“ Als Mitverantwortlicher der jährlich in Essen abgehaltenen Teersteegensruh-Konferenzen farderte er massgeblich das geistliche Leben von unzählizen Menschen im deutschsprachigen Europa. Wilhelm Busch wurde 1966 auf der Rückreise von einer Evangelisation heimgerufen. Er und seine Frau Emmi hinterliessen vier Töchter und zwei Söhne.

Abschliessend ein Wort Wilhelm Buschs an Prediger: „Jede Predigt sollte Propaganda für Jesus sein. Der grösste Apostel sagte „ ..dass ich nichts unter euch wüsste, als allein Jesum Christum den Gekreuzigten“(1. Kor. 2,2). …Sooft ich auf die kanzel trete, muss ich denken: Vielleicht sitzt eine suchende Seele hier. Dieser Seele möchte ich helfen.“

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter Nüesch, Kontaktiere den Autor per e-mail: hpnuesch7@gmail.com

Dora Rappard (1842- 1923)

Vorbilder sind „Lebensbilder“. Es sind Menschen, an denen wir uns orientieren können. Männer und Frauen, die uns inspirieren und ermutigen. Personen wie Du und ich: Durchschnittlich, z.T. erfolgreich und glücklich, manchmal niedergeschlagen und geplagt. Diese Lebensbilder geben uns Orientierung und zeigen uns Möglichkeiten. Sie öffnen neue Türen und erweitern unseren Horizont. 

Dies ist ein Artikel, einer 30 wöchigen Serie über bekannte und weniger bekannte Lebensbilder. Ich wünsche Dir viel Freude beim Lesen und freue mich immer über Kommentare und Rückmeldungen! Wenn Du keinen Beitrag verpassen willst, folge diesem Blog und Du wirst jeweils per E-Mail informiert. 

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„Wieviel Halbheit, wieviel Weltsinn, wieviel Sünde wird noch geduldet in den Herzen! Wie wenig Raum wird dem Heiligen Geist gegeben im täglichen Leben der Gläubigen! Wieviel Selbstsucht, Bequemlichkeit und Empfindlichkeit herrscht da, wo Jesus allein herrschen sollte!“

Dora Rappard

Dora Rappard wurde 1842 als Tochter des Missionars Samuel Gobat und als Enkelin von Christian Heinrich Zeller, des Gründers der Anstalt Beuggen, in Malta geboren. Sie wuchs in Jerusalem auf, wo ihr Vater als Leiter des von den Deutschen und Engländern gemeinsam gegründeten Bischofssitzes amtete. Sie liebte es, Streifzüge durch das Heilige Land zu unternehmen, was ihr half, die Bibel besser zu verstehen. Zudem las sie in der Bibliothek ihres Vaters viele Bücher. In 12 handgeschriebenen Bänden fasste sie die wichtigsten Erkenntnisse aus Büchern über Weltgeschichte, theologischen Abhandlungen, Predigtabschriften und Lebensbildern zusammen. Sie war eine Autodidaktin, die nie eine theologische Ausbildung genossen hat. Und trotzdem hat sie durch ihre Bücher und das Gemeinschaftsliederbuch, das viele ihrer über 500 selbstverfassten Gedichte und Lieder enthielt, und durch ihre zahlreichen Vorträge und Evangelisationen eine ganze Generation mit den Wahrheiten des Wortes Gottes geprägt wie wenige Menschen ihrer Zeit.

Als Frau des Chrischona-Leiters, Carl-Heinrich Rappard, wurde sie zur Mutter von St. Chrischona. Sie war eine Frau mit aussergewöhnlicher Tatkraft: Sie zog acht eigene Kinder gross, nahm sich den zukünftigen Evangelisten mütterlich an, und war als Verwaltungsdirektorin unter anderem für die Finanzen des Werkes zuständig. Sie korrigierte als schriftstellerisch begabte Person die Artikel ihres Mannes. Sie verfasste aber auch selber zahlreiche Beiträge in den Chrischona-Magazinen „Friedensgruss“ und „,Glaubensbote“. Mehr als alles andere liebte sie den Dienst als Evangelistin und als Rednerin in Frauenversammlungen. Sie empfand es als etwas vom Schönsten ihres Lebens, Bibelstunden zu halten und ihrem Mann tatkräftig bei Evangelisations- und Visitationsreisen zur Seite zu stehen. Ihr Ruf als ausgezeichnete Bibellehrerin öffnete ihr Türen selbst zu hochgestellten Persönlichkeiten. So hielt sie Bibelstunden bei der Herzogin Wera von Württemberg. So ein Lehrdienst, auch wenn er vor allem unter Frauen geschah, war zu jener Zeit ungewöhnlich und mit viel Kritik verbunden. Innerhalb des Chrischona-Werkes baute Dora Rappard eine eigentliche Frauenarbeit auf und initiierte eine erste Konferenz für Predigersfrauen.

Nach dem Tode ihres Mannes wurde ihre Rolle als Chrischona-Mutter noch wichtiger. Sie wollte das erweckliche Anliegen ihres Mannes hochhalten und wies die kommenden Evangelisten auf die Wichtigkeit, eines gläubigen Erfassens der Siegeskraft“ hin, die Tag für Tag ausgelebt werden müsste. „Wir können dem heiligen Wind nicht gebieten, können nichts erzwingen und wollen ja nichts erkünsteln. Aber beten können wir. Dem Odem Gottes unsere Herzen weit öffnen können wir, und uns nach dem gnädigen Winde richten und uns von ihm treiben lassen, das können und sollen wir.“

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter Nüesch, Kontaktiere den Autor per e-mail: hpnuesch7@gmail.com