
Andrea Katharina Pfahler (Jhg. 1973) aus dem berner Seeland erzählt ihre Geschichte
Vom Schmerz zur Freiheit
Mein Weg war über Jahrzehnte geprägt von körperlichen Leiden, emotionaler Instabilität und der Suche nach Liebe an den falschen Orten. Doch inmitten von Misshandlung, Krankheit und der Diagnose Borderline erlebte ich in München einen radikalen Wendepunkt. Dies ist die Geschichte einer tiefgreifenden Heilung – davon, wie Gott meine Wunden in ein Wunder verwandelte und mich lehrte, Schmerz gegen echte Freiheit einzutauschen.
Kindheit im Schatten: Engel in der dunklen Zeit
Als ältere von zwei Töchtern wuchs ich in einem kleinen Dorf in einer Wirtsfamilie auf. Obwohl der Glaube in meiner Familie keine große Relevanz hatte, begleiteten mich biblische Geschichten aus der Sonntagsschule und das abendliche Gebet. Schon als Kind lehnte ich es instinktiv ab, wenn der Name Gottes für Flüche missbraucht wurde.
Meine Jugend war schwer; weder zu Hause noch in der Schule gab es für mich einen sicheren Ort. Unsicherheit und Misshandlung waren an der Tagesordnung. Aufgrund eines medizinischen Eingriffs am Kopf im Alter von sieben Jahren wurde ich täglich von einer Gemeindeschwester (heute in der Schweiz als „Spitex“ bekannt) besucht. Erst heute, mit 52 Jahren, durfte ich erfahren, dass fünf dieser Menschen von damals mit Jesus unterwegs sind. Als mir das bewusst wurde, weinte ich vor Rührung: Gott hatte mir in der dunklen Zeit meiner Kindheit „Engel“ geschickt, die damals sicherlich für mich gebetet haben.
Die Entscheidung für Jesus und der Preis der Freiheit
Nach meiner Zeit als „Jeune Fille“ in der französischen Schweiz, wo Filme wie „Das Kreuz und die Messerhelden“ mein Weltbild prägten, lernte ich später während der Handelsschule Freikirchen kennen. Ich entschied mich bewusst für ein Leben mit Jesus. Es war das erste Mal, dass ich einen Weg einschlug, den meine Eltern strikt ablehnten. Dies führte zu heftigen Auseinandersetzungen und schließlich zu einem vorübergehenden Kontaktabbruch – eine äußerst herausfordernde Zeit.
Gottesbild und die Suche nach Liebe
Lange Zeit fiel es mir schwer, Gott als „Vater“ zu bezeichnen, da mein eigenes Vaterbild nicht ideal war. Ich liebte Jesus, aber wirkliches Vertrauen war ein schwieriges Thema. Meine Beziehung zu Gott war oft von der Angst vor Strenge und Strafe geprägt.
Da meine Eltern bis zu meinem 18. Lebensjahr extrem streng waren, fiel es mir schwer, mich Gott unterzuordnen. Ich gewährte ihm nicht in allen Lebensbereichen Zutritt, was mich in großes Elend stürzte. Immer wieder versuchte ich, mein Bedürfnis nach Liebe bei Männern zu stillen, weinte Nächte durch und kämpfte mit einem schlechten Selbstbild.
Körperlicher Zerbruch und die Diagnose
Beruflich war ich 26 Jahre lang im Service tätig. Ich war so erzogen worden, dass alles eine reine Willenssache sei – „Kopf unter den Arm und losrennen“. Dass ich keine Grenzen setzen konnte und meine Emotionen kaum kontrollierbar waren, verknüpfte ich damals noch nicht mit einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung (Borderline).
Die körperlichen Schmerzen nahmen zu. Kälte wurde unerträglich, ich war ständig erschöpft. Erst viel später, im Zuge meiner Erwerbsminderungsrente (IV), hörte ich den Begriff Fibromyalgie.
München: Der Wendepunkt und das Loslassen des Selbstmitleids
Im Jahr 2015 holte mich Gott nach München. Dort zerbrach ich an meinen eigenen Ansprüchen. Ich lebte von einer Minute zur nächsten, geplagt von Schmerzen und Erschöpfung. Acht Monate verbrachte ich fast ausschließlich im Bett und wünschte mir täglich zu sterben. Ärzte waren ratlos und empfahlen Antidepressiva, was für mich jedoch keine Option war.
Während eines Gottesdienstes stellte mir Gott eine entscheidende Frage: „Willst du dein Selbstmitleid loslassen? Dann könnte ich beginnen, dich zu heilen.“
Ich sagte Ja. Es war ein mühsamer Prozess aus Selbsterforschung, dem Setzen von Grenzen und dem Loslassen – sogar von meiner geliebten Heizdecke, die mir bis dahin als einziger Schutz vor dem Schmerz galt. Ich verstand: Je gesünder mein Geist wurde, desto besser ging es meinem Körper.
Heilung durch Vertrauen und Gehorsam
Gott forderte mich heraus, München im Gebet „abzulaufen“ – ohne meine gewohnten Walkingstöcke. Trotz der Schmerzen an Lendenwirbel und Hüfte hielt ich an biblischen Verheißungen fest. Und Gott heilte mich.
Ein weiteres Wunder geschah während eines Worship-Abends: Jahrelang konnte ich meine Arme nicht heben, doch plötzlich schossen meine Hände nach oben und blieben dort – schmerzfrei.
Bis zu dieser Zeit war der Schmerz ein Teil meiner Identität gewesen; ich hatte mir sogar das Wort „Pain“ (Schmerz) auf die Finger tätowiert. Doch an einem Event entschied ich mich, besonders den Schmerz aus meiner Kindheit ganz bei Jesus zu lassen. In diesem Moment wurde ich tiefgreifend geheilt.
Ein neues Leben: Versöhnung und Auftrag
Heute begegne ich mir selbst und anderen Menschen anders. Früher hielt ich Menschen auf Distanz, heute gehe ich auf sie zu. Gott nutzt meine Geschichte und meine Persönlichkeit, um andere Menschen in die Freiheit zu führen. Ich weiß heute um meinen Wert und bin versöhnt mit meiner Vergangenheit.
Ich lebe mittlerweile wieder im gleichen Haus wie meine Eltern. Die Versöhnung ist so vollständig, dass ich sie durch die Augen Jesu sehen kann – voller Liebe.
Ich bin ein Wunder Gottes: Er hat aus meinen Wunden ein Wunder gemacht.
Halleluja, Amen.
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