Während Vadian Bürgermeister und Reformator von St. Gallen wurde, wirkte Zwingli in Zürich am Großmünster. Aus verschiedenen Briefen zwischen den beiden geht hervor, dass Zwingli im Alter von 35 Jahren, kurz nachdem er seine Stelle als Priester in Zürich begonnen hatte, schwer an Pest erkrankte.
Während seiner Krankheit schrieb er das „Pestlied“. Gott liess Zwingli wieder gesunden, allerdings litt dieser dann noch einige Monate an den Folgen der Pest.
Das Pestlied (ca. 1520 n.Chr.)
Ein christlicher Gesang von Huldrych Zwingli, als er mit der Pest kämpfte.
Hilf, Herr Gott hilf
in dieser Not!
Mir scheint, der Tod
stehe an der Tür;
Christus, stell dich entgegen ihm,
denn du hast ihn überwunden.
Zu dir schreie ich.
Ist es dein Wille,
so zieh heraus den Pfeil,
der mich verdirbt,
der nicht eine Stunde lässt
mich haben Ruh und Rast.
Willst du denn doch
mich haben tot
inmitten meiner Tage,
so willige ich gerne ein.
Tu, wie du willst;
nichts halte ich für unnannehmbar.
Dein Gefäss bin ich;
stelle es wieder her oder zerbrich es.
Denn wenn du
meinen Geist wegnimmst
von dieser Erde,
tust du es, damit er nicht schlechter werde
oder anderen Menschen nicht
ihre rechtschaffene Lebensführung beschmutze.
Steh bei, Herr Gott, steh bei!
Die Krankheit wird schlimmer
Schmerz und Beengung erfassen
meine Seele und meinen Leib.
Darum komm
zu mir, einzige Hilfe, mit der Gnade,
die gewiss von den Fesseln löst
jeden, der
sein herzliches Verlangen
und seine Hoffnung setzt
auf dich, und dem darum gleichgültig sind
Gewinn und Verlust in diesem Leben.
Nun ist es zuende;
meine Zunge ist stumm,
vermag kein Wort mehr zu sagen;
meine Sinne sind alle verdorrt.
Darum ist es Zeit,
dass du meinen Kampft
fortan führst,
denn ich bin nicht
so stark, dass ich
wirksam
Widerstand leisten könnte
dem Fallstrick und frechen Zugriff des Teufels. Jedoch wird meine Seele
dir treu bleiben, wie immer er auch wüte.
Gesund, Herr Gott, gesund!
Mir scheint, ich kehre
unversehrt wieder zurück.
Ja, wenn du der Ansicht bist,
dass der Sünde Glut
mich auf Erden nicht mehr beherrschen wird,
so muss mein Mund
dein Lob und deine Lehre
verkünden mehr
als je zuvor,
wie es immer möglich ist,
unbefangen ohne jede Arglist.
Wiewohl ich
die Strafe des Todes
einmal werde erleiden müssen
– vermutlich mit grösserer Qual,
als es jetzt
geschehen wäre; besser [werde ich dann
sterben], da ich ohnehin
schon fast gestorben bin –
so will ich doch
Widerstand und Gewalt
in dieser Welt
ohne Furcht ertragen um spätern Lohn
mit deiner Hilfe,
du, ohne den nichts vollkommen sein kann.


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