Samuel Hebich (1803 – 1868)

Samuel Hebich

„Gottes Geist soll uns treiben; aber um ihn zu hören, muss man innerlich stille sein, sonst treibt uns unser eigener Geist.“

Samuel Hebich

Der aus dem Württembergischen stammende Samuel Hebich war in mancher Hinsicht ein moderner Apostel Paulus. Nach der Ausbildung am Seminar der Basler Mission reiste er 1834 zusammen mit zwei weiteren Missionaren an die Westküste Indiens aus, in Gebiete, in denen zuvor noch nie eine christliche Mission tätig gewesen war.

Seine kaufmännische Ausbildung kam ihm bei der Gründung von Katechetenschulen, Spinnereien und Ziegelbrennereien zu Hilfe. Dabei setzte er sich dafür ein, dass bei aller Sorge um die Verbesserung der Lebensumstände die Verkündigung des Evangeliums nicht zu kurz kam. Er selbst besuchte regelmässig die Basare und hinduistischen Pilger-und Opferfeste, um vom einen wahren Gott zu reden, der sein Leben für die Menschen gegeben hat. Er erlebte immer wieder, wie man ihn mit Steinen bewarf oder Elefanten auf ihn hetzte. Trotzdem liess er sich durch keine noch so widrigen Umstände davon abhalten, die freimachende Botschaft von Jesus Christus weiterzugeben. Seine Haltung: „Ich tue das oft freudig, oft auch sehr niedergebeugt. Mein Satz ist aber der: je mehr die Leute toben, desto mehr muss ihnen gepredigt werden in der Kraft des Herrn…. Und eine Predigt, die nicht sticht, ist ohne den Heiligen Geist.“ Wo sah Hebich Gottes Geist am Wirken: „Die Gotteskraft besteht in der Liebe, die Liebe ist das Grosse: Gott lieben, Jesus lieben, die Brüder lieben, eine ganz verlorene Welt lieben, und warum? Weil er uns zuerst geliebt hat.“

Weil Samuel Hebich mit Erfolg auch zu den in Indien stationierten englischen Garnisonen predigte, deren Soldaten nach einiger Zeit jeweils an andere Orte versetzt wurden, sprach man später von den „Hebich-Kindern“ in aller Welt. Samuel Hebich predigte das Evangelium furchtlos und ohne jede Zurückhaltung, indem er den einfachen wie gebildeten Menschen ihre Sündhaftigkeit und die Möglichkeit der Vergebung aufzeigte. Hebich: „Wer den engen Weg weiter macht, verfälscht das Evangelium.“ Zentrale Begriffe waren für ihn Umkehr und Heiligung angesichts des drohenden Gerichts Gottes. Sein Ziel war es, Menschen aus der Finsternis ins Licht Christi zu führen. Er erlebte neben Widerstand auch immer wieder erweckliche Aufbrüche, wodurch ganze Gebiete grundlegend verändert wurden.

Nach 25 jährigem Dienst in Indien in die Schweiz zurückgekehrt predigte Hebich gegen eine lau geworden Christenheit und ein „Schaumchristentum“, das die Kraft Gottes verleugnete. „Eine fromme Welt, die nicht bekehrt ist, ist auch bloss tote Welt.. Über allem, was Gott tut, muss mir das Herz hüpfen.“ Das trug ihm manche Anfeindungen nicht zuletzt aus kirchlichen Kreisen ein. Gleichzeitig wurden selbst einflussreiche Persönlichkeiten Jünger/innen Jesu und öffneten dem Evangelium Tür und Tor. Sein grösstes Verdienst ist, dass er mit seiner 25 jährigen Missionsarbeit in Indien ein solides Fundament der indischen Kirche gelegt hat.

Von Samuel Hebich wird gesagt, dass er oft halbe Nächte im Gebet und mit dem Lesen der Bibel verbrachte, „Wir müssen in Gottes Wort hineingehen, und zwar graben darin und suchen und forschen. Ein rechter Bibelleser hat keine Zeit, Unnützes zu lesen – ein paar wichtige Sachen aus dem Reich Gottes und der Mission; aber das Wichtigste ist, das Buch zu lesen.“

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter Nüesch, Kontaktiere den Autor per e-mail: hpnuesch7@gmail.com

Niklaus Wolf von Rippertschwand (1756 – 1832)

Niklaus Wolf von Rippertschwand

„Es gibt eine Armee, die mehr ausrichtet als Napoleon und seine Soldaten.“

Niklaus Wolf von Rippertschwand

Niklaus Wolf wuchs als katholischer Bauernsohn in Rippertschwand in der Zentralschweiz auf. Er übernahm später den Hof und gab ihn mit 50 Jahren wieder an seinen Sohn weiter. Niklaus Wolf verband Bodenständigkeit und Interesse am Weltgeschehen mit einem tiefen Glauben an die Macht Gottes. Sein Wahlspruch lautete: „Zur Ehre des heiligsten Namens Jesus, zur Errettung der Menschen und zum Sturz der Hölle.“ Während der französischen Revolution unter Napoleon diente er kurze Zeit im Luzerner Parlament und später als Gemeindevorsteher von Neuenkirch.

Er war ein starker Kritiker der „,Neuerer“ in Politik und Kirche. Während das alte Staatswesen auf Glaube und Moral aufgebaut gewesen sei, wollten die „Neuerer“ alles Heilige und Bewährte niederreissen und würden Lebensgenuss über Gewissenstrost und Schein über Wahrheit erheben. Er empfand zunehmend, dass mit menschlichen Mitteln allein keine Wende erreicht werden kann. Niklaus Wolf rief zum ernsthaften Gebet auf: „Wir Männer müssen, anstatt nur zu politisieren, uns regelmässig zum Gebet treffen. Mit Waffengewalt können wir nichts unternehmen. Aber es gibt geistige Waffen, die wollen wir ergreifen.“ Er gründete überall Männergebetsgruppen, „da die Frauen ja ohnehin leichter beten als die Männer.“ Zudem versammelte er seine Familie und die Mitarbeiter des Hofes jeden Abend zu einem Gottesdienst. Die Urchristen hätten sich ja auch in ihren Häusern getroffen. Er führte Neuerungen in der Landwirtschaft ein und zog sich aus der Politik zurück, was ihm erlaubte, täglich drei Stunden in der Fürbitte für einzelne Menschen und für das Land zu verbringen. Er war der Überzeugung, dass „wir vor Gott auf den Knien am Grössten sind“.

Nachdem er zweimal in persönlichen Krankheitsnöten den Namen Jesus um Hilfe angerufen hatte und jedes Mal auf der Stelle geheilt wurde, begann er auch für andere Menschen um Heilung von Krankheit und Befreiung von dämonischen Zwängen zu beten. Dabei erlebte er zahlreiche zum Teil ausserordentliche Gebetserhörungen. Das sprach sich herum. Immer mehr Menschen besuchten „Vater Wolf“ in Rippertschwand und baten um Gebet. Dieser bezeugte allen, dass „der heiligste Name Jesus Macht hat über alles im Himmel, auf Erden und in der Hölle.“ Wenn dadurch Gott verherrlicht würde, warum sollte es dann nicht geschehen, dass Kranke auf Gebet hin gesund würden. Es ging ihm nicht nur um körperliche Heilung, sondern dass Menschen als Folge der erlebten Gnade Gottes ihr Leben Jesus weihten und Werkzeuge seines Friedens würden: „Oh, wenn wir Jesus recht lieben und mit ihm und in seinem Namen wider die Hölle streiten würden, wie grosse Verherrlichung des heiligen Namens Jesu würde geschehen, wie viele Sünder bekehrt, wieviele Uneinigkeit würde behoben.“

Niklaus Wolf war Mitbegründer und Förderer vieler Glaubenswerke, die zum Teil bis heute fortbestehen, so des Schwesterninstituts Baldegg, der Inländischen Mission und des Vereins zur Glaubensverbreitung.

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter Nüesch, Kontaktiere den Autor per e-mail: hpnuesch7@gmail.com

Warum ich ein Buch schreibe

Ich wurde angefragt, ein Buch zu schreiben. Da ich gerne schreibe und schon länger auf dem Herzen habe, ein Buch zu veröffentlichen, habe ich zugesagt. Allerdings habe ich mir das Thema meines ersten Buches anders vorgestellt: Es wird darum gehen, wie wir mit Krankheit positiv umgehen können – mit Beispielen meiner aktuellen Situation.

Seit nun über drei Jahren leide ich unter Schmerzen und Schwäche. In dieser Zeit hatte ich einige Erkenntnisse, die sicher auch anderen Menschen in ähnlichen Situationen helfen würden.

Darum werde ich einerseits meine persönliche Geschichte erzählen und gleichzeitig die Leser ermutigen, Gott zu suchen und die Hoffnung auch in Zeiten von Krankheit nicht aufzugeben.

Denn ich habe beobachtet, dass viele Menschen nicht nur körperlich unter ihrer Krankheit leiden. Gerade auch Christen, die ja eigentlich gesund sein sollten, weil sie ja eine Verbindung zum ultimativen Heiler haben, leiden teilweise noch stärker unter ihrer Krankheit.

Photo by Yannick Pulver on Unsplash

Daher ist es normal, dass kranke Menschen sich Fragen stellen wie: „Hat Gott mich vergessen?“, „Habe ich etwas falsch gemacht?“, „Ist meine Krankheit eine Strafe?“, „Was muss ich tun, um geheilt zu werden?“ „Heilt Gott heute überhaupt noch?“. Wenn Heilung ein frommer Wunsch bleibt, können uns solche Fragen fertig machen und darum werde ich genau darauf eingehen.

Es gibt viele Bücher zum Thema „Heilung“. Aber ich habe keines gefunden, das sich mit ausbleibender Heilung bei (chronischer) Krankheit auseinandersetzt. Ich werde den Blick auf Gott richten, damit die Leser Gott auch in der Krankheit erleben (im „dunklen Tal“). Halt so, wie es David beschreibt:

Auch wenn es durch dunkle Täler geht, fürchte ich kein Unglück, denn du, HERR, bist bei mir.

Psalm 23,4 Hoffnung für alle Bibel

Wenn du mich in diesem Vorhaben unterstützen willst, freue ich mich über deine Gebete und/oder Spende.

Willst du mehr wissen? Höre dir meinen Talk an (Link unten), kontaktiere mich HIER oder sende mir eine E-Mail auf reto.kaltbrunner(at)gmx.ch

God bless you,

Krieg in der Ukraine – eine weitere Wehe? 

Mich beschäftigt der Krieg nicht nur weil Krieg immer grausam ist. Dieses Blutvergiessen ist uns näher – geographisch und auch emotional. Aber am meisten schmerzt uns, wenn wir um Familie, Freunde oder Bekannte bangen müssen! 

Pastorenpaar ICF Kiev

So hat unser befreundete ICF Pastor Andrey (ICF Kiev) in einer bewegenden Videonachricht an uns ICF Pastoren beschrieben, wie er seine Familie zur Grenze gebracht hat und dann in die Hauptstadt zurückkehrte. Jetzt dient er gemeinsam mit den anderen Kirchen den Menschen in Not, lebt und erzählt das Evangelium. Viele Ukrainer und Ukrainerinnen setzen zum ersten Mal ihr Vertrauen auf Jesus, unseren Retter in der Not!

Man hört immer wieder Sätze wie: „In der Dunkelheit scheint das Licht am hellsten!“ und fragt sich, ob solche Aussagen nicht nur ein billiger Trost sind. Was Andrey in Kiev erlebt zeigt uns, dass dieser Satz der Realität entspricht!

Auch die ICF Church in Polen ist aktiv! Gemeinsam mit dem Hilfswerk ‚feed the hungry‘ Organisieren sie tonnenweise Lebensmittel für Ukrainische Familien. Diese werden per Lastwagen an die Grenze gebracht und von dort aus mit kleineren Fahrzeugen in der Ukraine verteilt.

Jesus gibt uns einen prophetischen Blick vom Ende unserer Zeit, der Vorbereitung für das Wiederkommen von ihm selbst, unserem Retter (Matthäus 24,8). Es wird immer deutlicher, dass nur jemand von ausserhalb unseres Raumes und unserer Zeitrechnung uns alle aus dieser sich zuspitzenden Misere befreien kann. Jesus ist der Erlöser und bald kommt es zum finalen Showdown! Genauso wie bei einer Geburt: 

Wenn die werdende Mutter die letzten Wehen spürt, fühlt sie sich dem Tod näher als dem Leben im Wissen, dass das Leiden schon bald vorbei und das Kind geboren ist. Neues Leben entsteht!

Mir hilft diese prophetische Sicht, mit aktuellen Krisen in der Welt umzugehen. Ich kann für die Menschen beten, Geld spenden, Flüchtlinge aufnehmen – aber das ganze Leiden auflösen kann nur einer: Unser Erlöser Jesus Christus!

Es gibt noch einen weiteren Aspekt, was dieser Krieg bewirkt: ‚Alijah‘. Alijah meint die Einwanderung der Juden nach Israel. So wurde die Hilfsorganisation ICEJ von der israelischen Einwanderungsbehörde gebeten, sie bei der Flucht ukrainischer Juden nach Israel zu unterstützen. Gott sammelt sein Volk.

Ich wünsche uns, dass wir aus Mitgefühl beten und handeln können. Und, dass wir gleichzeitig loslassen können, im Vertrauen auf unseren allmächtigen Gott, der nicht schläft. Jesus baut sein Reich mitten in der Dunkelheit!

„Wenn du schwach bist, bin ich stark“

Ich habe mich verändert. Mein letzter Artikel im Magazin „MOVO“ erschien unter dem Titel „Gott will echte Kerle“. Damals habe ich unter anderem grossen Wert auf meine Autorenbeschreibung gelegt: Wie kann ich meine Stärke präsentieren? Wie kann ich den Leser in wenigen Sätzen überzeugen, dass ich eben ein „echter Kerl“ bin? Ja, ich habe mich über meine Stärke definiert und tue es heute noch. Aber auf eine mir neue Art. Denn auch jetzt schreibe ich über Stärke, allerdings aus einer (für mich) neuen Perspektive.

Damals bekam ich diese Verheissung, Gott persönlich ermutigt mich immer wieder dadurch:

„Ich werde euch so viel Gutes erweisen wie nie zuvor.“

Hesekiel 36,11

Voller Erwartung, all dies „Gute“ zu empfangen, kam die Krankheit. Ich schreibe bewusst nicht, dass ich ‚krank wurde‘. Denn die Krankheit ist temporär, sie ist nun für eine Zeit ein Teil meines Lebens. Sie beeinträchtigt zwar meine Leistung, definiert aber nicht wer ich bin. Mein Körper ist schwach, aber meine Seele und mein Geist sind weiterhin gesund. Meine Hoffnung: auch mein Körper wird wieder geheilt! Wenn nicht morgen, vielleicht übermorgen. Aber ganz sicher dann, wenn ich in meinen neuen „ewigen Leib“ leben kann. In dieser perfekten Biotech Maschine, die Gott allen seinen Kindern verspricht (1. Korinther 15,43).

„Meine Kraft reicht nicht mehr. Jesus, ich brauche Dich!“

Immer müde

Es begann vor zwei Jahren. Ich war ständig müde, habe regelmässig bis zu zehn Stunden geschlafen und brauchte einen zusätzlichen Mittagsschlaf. Beim Joggen klebten meine Füsse auf der Strasse, meine Beine waren schwer wie Blei, die Muskeln schmerzten. Eines Tages war ich so schwach, dass ich nicht mehr aufstehen konnte. „Burnout!“ war nicht nur mein erster Gedanke. Auch mein Umfeld war überzeugt, dass mein Körper den übersteigerten Erwartungen nicht mehr nachkommen wollte. Doch abgesehen von den physischen Beschwerden, ging es mir gut. Nach einem vierwöchigen Timeout im Bett, konnte ich mich wieder aufrappeln. Unter grosser Anstrengung versuchte ich da weiterzumachen, wo ich aufgehört habe. Aber es ging nicht. Meine Leistung hat sich dauerhaft auf ca. 60% reduziert und trotz viel Schlaf habe ich mich nicht erholt. „Das ist halt so, mit 40…“ war ein verzweifelter Versuch, das Unerklärliche einzuordnen. Dass der Körper altert und an Kraft verliert, war mir bewusst. Aber so krass? Und in so kurzer Zeit? Das kann nicht sein! Dann kam ein weiterer Rückschlag: Anfang 2020 war ich für einige Wochen nur zu knapp 20% arbeitsfähig.

Die Diagnose

Nach einigen Abklärungen bekam ich die Diagnose: CFS (Chronisches Fatigue Syndrom). Ja, das „C“ steht für „chronisch“ und bedeutet „langwierig, andauernd, fortlaufend“. Meine ersten Gedanken: „Eine chronische Krankheit! Ich? Unmöglich! Dann muss es doch ein Burnout sein.“ Doch auch die Psychologin konnte keine deutlichen Hinweise auf eine psychische Ursache finden. Also musste ich mich damit abfinden, dass der oberste Chef meine Leistungsgrenze nun deutlich zurückgestuft hat. Ich war frustriert. Von einem Burnout hätte ich mich erholen können, ich hätte eine Auszeit genommen, mich in Therapie begeben, mein Leben geändert. So einfach stelle ich mir das zumindest vor. Aber einer chronischen Krankheit sah ich mich hilflos ausgeliefert. Nach dem ersten Schock machte ich mich auf die Suche nach menschlichen Möglichkeiten, mein „Schicksal“ selbst zum Guten zu wenden. Diverse Lebensberichte von Betroffenen gaben mir Hoffnung. So habe ich meine Ernährung umgestellt: keinen Alkohol, keine Gluten und möglichst wenig Zucker. Dazu Nahrungsergänzungsmittel und Vitamine. Und die Anwendung des sogenannten „pacing“ (ich respektiere meine Leistungsgrenze und verbrauche jeweils nur 80% der täglichen Energie). Auch regelmässige Ruhepausen und wenig Stress haben geholfen, dass ich wieder 50% arbeiten kann. Aber was ist mit der anderen Hälfte meiner Energie?

‚Akzeptieren‘ vs ‚Kapitulieren‘

Wass soll ich tun? Als Pastor in einer wachsenden freikirchlichen Bewegung war es immer meine Überzeugung, dass wir Christen Zugang zu unbegrenzter, übernatürlicher Kraft und Gesundheit haben. „Alles ist möglich dem, der glaubt“ und andere Bibelverse haben diese Einstellung befeuert. Doch egal wie viel ich und andere für mich beten, meine körperliche Kraft bleibt klein. Meine natürliche Reaktion ist, die negativen Umstände zu ignorieren, weiterzumachen und „im Glauben“ voran zugehen. Doch mit CFS ist das unmöglich. Denn: Lebe ich über meinem Limit, folgt der „Crash“ – eine Zeit der totalen Erschöpfung. Ich wollte das nicht wahrhaben und probierte mehrmals erfolglos, meine körperlichen Grenzen zu erweitern (und werde es wieder tun). Meine Gedanken kreisen: „Wenn ich nun aber meinen Umstand akzeptiere, dann kapituliere ich… ich kann doch nicht vor der Krankheit auf die Knie gehen!“ Doch Gott hat mir das Gegenteil bewiesen: Er hat mich gelehrt, die Situation zu akzeptieren, damit ich Veränderung erleben kann. Ein Sinnbild dafür ist der Mann, der ständig mehr Geld ausgibt, als er hat. Erst wenn er einsieht, dass er ein Problem hat und bereit ist, ein realistisches Budget einzuhalten, wird sich seine Situation zum positiven verändern. Solange er zu sich sagt „Gott ist mein Versorger, ich muss nur glauben!“ wird er von Monat zu Monat tiefer in die Schulden sinken. So habe ich nach einigem Ringen diese Krankheit akzeptiert: Ich sehe sie als einen Begleiter, der für eine von Gott festgesetzte Zeit an meiner Seite ist. Es ist mein Kreuz, das ich zu tragen habe. Gott mutet mir das zu, er glaubt an mich! In dieser Zeit höre ich Jesus zu mir reden, er lehrt mich und schenkt mir Durchbrüche. Ich erlebe Segen und Freiheit, die ich als gesunder Mann nicht kannte.

„So, Gott, jetzt habe ich meine Lektion gelernt! Du darfst die Übung abbrechen.“ bete ich regelmässig. Denn bis anhin war mir klar, dass Gott Leid und Probleme zu unserem Besten für eine begrenzte Zeit zulassen kann. Nach dem Motto: „Nach der Krise bist du stärker!“ Aber was, wenn die Krise kein Ende nimmt? Die Ungewissheit, wie lange Gott mir das noch zumuten will, belastet mich immer wieder. Darum versuche ich, einen Tag nach dem anderen zu nehmen und zu vertrauen, dass Gott weiss, was er tut. Er ist noch nicht fertig mit diesem Kapitel und meine Veränderung geht weiter.

Schwach-Stark

„Krankheit? Kein Thema! Leid? Erledigt!“ So habe ich das Neue Testament gelesen. „Alle wurden sie geheilt, alle waren sie kraftvoll und gesund. Pausenlos haben die Apostel mit übernatürlicher Kraft für Gott gearbeitet.“ Für die Bibelstellen, die von Leid und Krankheit unter den Aposteln sprachen, hatte ich kein offenes Ohr. Und ja, es gibt eine Menge davon! Timotheus hatte ein schwaches Immunsystem (1. Timotheus 5,23), Epaphroditus (Philipper 2,26) war todkrank und auch Paulus schreibt auffällig oft von seiner körperlicher Schwäche, er hebt sie sogar als Teil von Gottes Plan hervor (1. Kor. 1;27). Die Gemeinde in Galatien lobt er dann auch dafür, wie sie damit umgegangen ist, als Paulus krank war: „… und obwohl meine Krankheit eine Bewährungsprobe für euren Glauben war, habt ihr mich weder verachtet noch abgewiesen.“ (Galater 4,14) Ja, unsere Beziehung zu Gott wird auf „Herz&Nieren“ geprüft, wenn einer unserer geistlichen Vorbilder erkrankt. Ich hörte mal jemanden sagen: „Vertraue nie einem Heilungsprediger, der eine Brille trägt!“ Aber Paulus beweist uns das Gegenteil! Nämlich, dass wir selbst nicht gesund und leistungsfähig sein müssen, um Gott dienen zu können. Unser Dienst wird durch unsere eigene Schwäche weder beeinträchtigt noch unglaubwürdig. Im Gegenteil: Er wird geheiligt! Wo unsere Möglichkeiten aufhören, beginnen Gottes. Sein Geist kann auch durch einen kranken Körper wirken. Um ein gängiges Missverständnis aus dem Weg zu räumen: Wenn Paulus von „Schwäche“ spricht, meint er körperliche – nicht charakterliche Schwäche! Seine Aussagen werden viel zu oft dafür missbraucht, unser eigenes unmoralisches Handeln zu rechtfertigen.

Leiden mit Vision

Es scheint, als müsste unser Leid einem höheren Zweck dienen. Während ich bis vor kurzem davon ausgegangen bin, dass sich alles Leid „weg beten“ oder überwinden lässt, weiss ich jetzt aus eigener Erfahrung, dass „denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen“. Ich sehe noch keine körperliche Heilung, dennoch arbeitet Gottes Geist in mir! Ich habe mich entschieden, dem Heiligen Geist nicht im Weg zu stehen. Ich will sein Werk an mir bewusst zulassen. Mit Freude beobachte ich, wie er mich immer mehr in den Reto verwandelt, der ihm ähnlich ist.

Die Worte von Gott an Paulus verstand ich nie wirklich. Sie haben mich nicht „getroffen“, denn ich habe mich selbst immer als stark erlebt. Aber jetzt, in dieser Zeit der Schwäche, finden diese Worte ihren Weg in mein Innerstes: „… Denn gerade wenn du schwach bist, wirkt meine Kraft ganz besonders an dir. Darum will ich vor allem auf meine Schwachheit stolz sein. Dann nämlich erweist sich die Kraft von Christus an mir.“ 2. Korinther 12:9 HFA

Was ich höre, kann ich glauben. Was ich erlebe, kann mich verändern.

Reto Kaltbrunner

CFS ist in meinem Fall ein effektives Werkzeug in Gottes Hand. Er lehrt mich, wie Er in meiner Schwachheit stark sein will.

Alt+1

Ich hatte wiedermal Geburtstag.

Meine Neffen nennen mich jetzt „alt+1“ … fühlen tue ich mich sogar „alt im Quadrat“… ich will mich nicht beklagen; ich liebe mein Leben, trotz allem! Ich liebe Gott, meine Frau, meine 4 Söhne, meine Berufung, die Ostschweiz – ich liebe es!

Aber ganz klar war dieses Lebensjahr das wahrscheinlich herausfordernste! Nicht wegen der 41, die ich jetzt trage. Sondern, dass ich jetzt (nach 18-monatiger Unsicherheit, was meine Gesundheit betrifft) eine Diagnose habe. Mit CFS habe ich nicht gerechnet!

Ich bin bereit, mich Gottes starker Hand zu beugen – denn ich weiss, er wird mich zu seiner Zeit wieder aufrichten! Ich bin nicht bereit, mich der Krankheit zu beugen! Täglich beten wir für Heilung, und mit uns ein Heer hingegebener Beterinnen und Beter. Ich nehme Vitalstoffe und Medikamente. Und ich verzichte auf gewisse Lebensmittel (eigentlich auf ziemlich alles, was Spass macht). 

Ich bin Gott dankbar, dass es mir jetzt deutlich besser geht als noch im Februar! Und ich danke allen, die mich und meine Familie im Gebet, mit Worten, Segenswünschen und praktischer Hilfe unterstützen!

Weil ich weiss, dass Gott seine Zusagen hält, bin ich voller Hoffnung! Ich glaube, dass das Beste noch vor mir liegt, weil Jesus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist!

„… und ich werde euch so viel Gutes erweisen wie nie zuvor. Daran sollt ihr erkennen, dass ich der Herr bin.“‭‭

Hesekiel‬ ‭36:11‬ ‭HFA ‬‬https://www.bible.com/bible/73/ezk.36.11.hfa