1. Leseprobe meines Buches

Im Frühjahr 2024 wird mein Buch beim SCM Verlag erscheinen. Es soll (chronisch) kranken Christen Hoffnung und Perspektive geben. Hier ein kleiner Vorgeschmack:

Stell dir vor, Gott könnte seinen Plan nur mit gesunden Menschen verwirklichen… Gute Nacht! Denn jeder Mensch hat früher oder später mit einem Leiden irgendeiner Art zu kämpfen, sei es körperlich, psychisch, mit seinen eigenen Wesenszügen oder auch in Beziehungen. 

Es gibt weltweit ca. 30’000 verschiedene Krankheiten.⁠1 Eine Studie von Global Burden of Disease Study (GBD) kommt zum Schluss, dass 95% der Weltbevölkerung über mindestens ein Gebrechen klagen, jeder Dritte hat sogar mehr als fünf Beschwerden. Somit habe ich mit 95% der Bevölkerung etwas gemeinsam: Jeder von uns hat Zeiten, in denen er mit der Unvollkommenheit des Lebens kämpft und sich fragt, „warum“ oder „wozu“ Gott etwas zulässt. 

Und so suchen wir die Schuld entweder…

  • … bei uns selbst …
  • … oder bei den anderen.

Die einen finden die Fehler immer ausserhalb ihres Wesens und Einflusses, die anderen finden diese immer bei sich selbst und sehen sich in der Schuld. Auch ich suchte die Fehler zuerst bei mir selbst. Gott hat mir eine unbewusste innere Überzeugung aufgezeigt, die ich auf mich selbst angewendet habe. Es ist eine art eingeimpfte religiöse Gleichung, sie sieht so aus: 

Sünde = Strafe 

Strafe = Krankheit & Leid

Krankheit &Leid = Disqualifikation

Wir fragen uns: „Wo habe ich gesündigt? Was habe ich falsch gemacht? Wo bin ich Gott ungehorsam?“ Wir wollen die „Schuldfrage“ klären in der Hoffnung, diese sogleich ans Kreuz bringen zu können, Vergebung zu empfangen und gesund zu werden, um dann schnell wieder weiterzumachen als wäre nichts gewesen.

Doch was, wenn Schuld gar nicht das Problem ist? Was, wenn ich weder mir selbst, noch anderen die Schuld für mein Leiden geben kann?

Stellen wir uns vor, es wäre tatsächlich so. Wenn Schuld automatisch zu Krankheit führen würde, wären wir alle nicht nur ein wenig, sondern sterbenskrank… Die Schuldfrage wurde geklärt! Vor ca. 2000 Jahren. Durch Jesus. Am Kreuz. Da die Schuldfrage geklärt ist, muss es andere Gründe geben, denn sonst wären wir im Umkehrschluss alle immer gesund. Auch das entsprich nicht der Realität – doch dazu später mehr.

1 www.achse-online.de

Wenn Gott nicht heilt…

Als ich vor vier Jahren chronisch krank wurde, hat das viele Fragen aufgeworfen. Mein Umfeld und ich suchten nach Antworten, wie Gott das zulassen kann.

Nachdem ich alle Sünden bekannte und immer noch krank war, begann ich dieses Glaubenskonzept zu hinterfragen. Wer glaubt, dass alle Krankheiten und Probleme ihren Ursprung im eigenen Fehlverhalten haben, ist glücklicherweise auf dem Holzweg. ‚Glücklicherweise‘ weil es im christlichen Glauben nicht in erster Linie darum geht, sich an Regeln zu halten und alles richtig zu machen.

Photo by Evan Dennis on Unsplash

Schon immer haben wir Menschen Leid und Krankheit versucht zu deuten und dabei oft vergessen, dass Gott eine Beziehung mit uns haben will. Viele biblische Berichte zeigen auf, dass Gottes Ziel immer Beziehung zum Mensch ist. Wer auf alles eine Antwort braucht, wer alles einordnen und verstehen muss, wird es nicht einfach haben. Antworten können zwar helfen, aber die Suche danach kann auch schaden! Wenn der Wunsch, Gottes Handeln im eigenen Leben zu verstehen einer Unsicherheit, einem Misstrauen entspringt, wird die Suche nicht näher zu Gott, sondern weiter von ihm weg führen.

Gottes Sehnsucht nach Beziehung ist der wichtigste Grund, warum du existierst! Das Verhalten ist sicher nicht unwichtig aber es kommt in Gottes Prioritätenliste nicht an erster Stelle. Weshalb ich mir dessen so sicher bin? Werfen wir einen Blick auf die Heilsgeschichte:
Gott machte den Menschen und merkte bald, dass der Mensch sich einsam fühlte. Also nahm er ein Update vor zum „Menschen 2.0“ und unterteilte ihn in zwei Geschlechter: Mann und Frau. Gott freute sich über die Menschen! Sie lebten in perfekter Harmonie mit Gott im Garten Eden. Wir wissen nicht wie lange das gut ging, aber es kam irgendwann zum Bruch und die Menschen zerstörten ihre Gemeinschaft mit Gott. Die Schlange säte Misstrauen, Adam und Eva brauchten plötzlich Antworten auf Fragen, die vorher keine Rolle spielten. Die Fragen und Zweifel nagten am Vertrauen. Weil sie nicht mehr glaubten, dass Gott nur das Beste für sie will, nahmen sie ihr Schicksal selbst in die Hand, assen die Frucht und mussten das Paradies verlassen. So trennte das Misstrauen die Menschen sofort von Gott, weil sie an Gottes Liebe zweifelten und dachten, dass er ihnen etwas vorenthalten könnte. Die Harmonie war zerstört, nichts war mehr perfekt. Hier stellt sich die Frage: Was war die Ursache der Trennung? Der Biss in die verbotene Frucht oder das Misstrauen Gott gegenüber?

Die Antwort darauf ist entscheidend weil sie unser Gottesbild offenbart. Gott will unser Vertrauen, um darauf eine tiefe Beziehung aufbauen zu können. Wenn dieses Ziel verfehlt wird, beschreibt das die Bibel mit dem Begriff ‚Sünde‘. Sünde ist die Trennung von Mensch und Gott, das Verfehlen des ursprünglichen Ziels, Gemeinschaft mit Gott zu haben. Jesus hat dieses Problem gelöst: Wer ihm vertraut, kann wieder nahe bei Gott sein.

Ich habe bis heute keine befriedigende Antwort für meine Krankheit gefunden. Aber ich habe mich entschieden, Gott auch in dieser Zeit zu suchen und ihm nahe zu sein. Von Herzen wünsche ich auch dir, dass du deine Fragen zwar stellen und Antworten suchen kannst, gleichzeitig aber vertrauensvoll bei Gott bleibst mit der tiefen inneren Gewissheit: „Er weiss was er tut!“.

Dieser Text erschien im ERF Magazin „Antenne“, HIER gehts zur Onlineversion.

Niklaus Wolf von Rippertschwand (1756 – 1832)

Niklaus Wolf von Rippertschwand

„Es gibt eine Armee, die mehr ausrichtet als Napoleon und seine Soldaten.“

Niklaus Wolf von Rippertschwand

Niklaus Wolf wuchs als katholischer Bauernsohn in Rippertschwand in der Zentralschweiz auf. Er übernahm später den Hof und gab ihn mit 50 Jahren wieder an seinen Sohn weiter. Niklaus Wolf verband Bodenständigkeit und Interesse am Weltgeschehen mit einem tiefen Glauben an die Macht Gottes. Sein Wahlspruch lautete: „Zur Ehre des heiligsten Namens Jesus, zur Errettung der Menschen und zum Sturz der Hölle.“ Während der französischen Revolution unter Napoleon diente er kurze Zeit im Luzerner Parlament und später als Gemeindevorsteher von Neuenkirch.

Er war ein starker Kritiker der „,Neuerer“ in Politik und Kirche. Während das alte Staatswesen auf Glaube und Moral aufgebaut gewesen sei, wollten die „Neuerer“ alles Heilige und Bewährte niederreissen und würden Lebensgenuss über Gewissenstrost und Schein über Wahrheit erheben. Er empfand zunehmend, dass mit menschlichen Mitteln allein keine Wende erreicht werden kann. Niklaus Wolf rief zum ernsthaften Gebet auf: „Wir Männer müssen, anstatt nur zu politisieren, uns regelmässig zum Gebet treffen. Mit Waffengewalt können wir nichts unternehmen. Aber es gibt geistige Waffen, die wollen wir ergreifen.“ Er gründete überall Männergebetsgruppen, „da die Frauen ja ohnehin leichter beten als die Männer.“ Zudem versammelte er seine Familie und die Mitarbeiter des Hofes jeden Abend zu einem Gottesdienst. Die Urchristen hätten sich ja auch in ihren Häusern getroffen. Er führte Neuerungen in der Landwirtschaft ein und zog sich aus der Politik zurück, was ihm erlaubte, täglich drei Stunden in der Fürbitte für einzelne Menschen und für das Land zu verbringen. Er war der Überzeugung, dass „wir vor Gott auf den Knien am Grössten sind“.

Nachdem er zweimal in persönlichen Krankheitsnöten den Namen Jesus um Hilfe angerufen hatte und jedes Mal auf der Stelle geheilt wurde, begann er auch für andere Menschen um Heilung von Krankheit und Befreiung von dämonischen Zwängen zu beten. Dabei erlebte er zahlreiche zum Teil ausserordentliche Gebetserhörungen. Das sprach sich herum. Immer mehr Menschen besuchten „Vater Wolf“ in Rippertschwand und baten um Gebet. Dieser bezeugte allen, dass „der heiligste Name Jesus Macht hat über alles im Himmel, auf Erden und in der Hölle.“ Wenn dadurch Gott verherrlicht würde, warum sollte es dann nicht geschehen, dass Kranke auf Gebet hin gesund würden. Es ging ihm nicht nur um körperliche Heilung, sondern dass Menschen als Folge der erlebten Gnade Gottes ihr Leben Jesus weihten und Werkzeuge seines Friedens würden: „Oh, wenn wir Jesus recht lieben und mit ihm und in seinem Namen wider die Hölle streiten würden, wie grosse Verherrlichung des heiligen Namens Jesu würde geschehen, wie viele Sünder bekehrt, wieviele Uneinigkeit würde behoben.“

Niklaus Wolf war Mitbegründer und Förderer vieler Glaubenswerke, die zum Teil bis heute fortbestehen, so des Schwesterninstituts Baldegg, der Inländischen Mission und des Vereins zur Glaubensverbreitung.

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter Nüesch, Kontaktiere den Autor per e-mail: hpnuesch7@gmail.com