Friedrich Traugott Wahlen (1899 – 1985)

„Wir sind heute dazu aufgerufen, unsere Solidarität mit den Erdenbürgern aller Rassen und Farben über die Grenzen der Länder und Kontinente auszudehnen.“

Friedrich Traugott Wahlen

Friedrich Traugott Wahlen ist sicher einer der bekanntesten Bundesräte der Schweiz. Er war über die Parteigrenzen hinaus sehr geschätzt als ein Landesvater, der allein seinem christlichen Gewissen verpflichtet war. 1961 diente er der Schweiz als Bundespräsident.

Seine Kindheit verbringt er in Belp, nachdem sein Vater als Evangelist in den vollzeitlichen Dienst der Evangelischen Gesellschaft des Kantons Bern getreten war. Früh erwacht bei ihm die Liebe zum Bauern. Nach einem Aufenthalt in der französischen Schweiz beginnt er die Ausbildung in der landwirtschaftlichen Schule Rütti. Er ist ein guter Schüler, zugleich aber immer zu Streichen aufgelegt, sodass der Direktor prophezeit: „Friedel, entweder wirst du ein Vagant oder dann Bundesrat!“

Anschliessend studiert er an der ETH Zürich Agronomie und schliesst mit dem Doktortitel ab. Dann verbringt er drei Jahre in Kanada, wo er schliesslich für sämtliche landwirtschaftlichen Versuchsanstalten verantwortlich ist. 1929 kehrt er in die Schweiz zurück und übernimmt die Leitung der Eidgenössischen Versuchsanstalt in Zürich.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges arbeitet er als Beauftragter des Bundesrats einen Plan aus zur Selbstversorgung der Schweiz mit Grundnahrungsmitteln, den sogenannten „Plan Wahlen“. In einer „Anbauschlacht“ wurden selbst die Grünanlagen in Städten zur Anpflanzung von Kartoffeln und Zuckerrüben genutzt.

1942 wird Wahlen in den Ständerat des Kantons Zürich gewählt und ein Jahr später als Professor für Pflanzenbau an die ETH Zürich berufen. Nach dem Krieg richtet Wahlen seinen Blick erneut über die Landesgrenzen hinaus. In der „Food and Agriculture Organization“ der UNO (FAO) dient er in verschiedenen leitenden Funktionen.

„Ausschlaggebend für meinen Entschluss zur Mitarbeit in der FAO war die Möglichkeit, Millionen von Menschen helfen zu können, ein lebenswertes Dasein zu führen.“

Friedrich Traugott Wahlen

1958 wird Wahlen zum Bundesrat gewählt. Als Bundesrat setzt er sich unter anderem für die Erhöhung der Entwicklungshilfe ein und für die Abschaffung der noch aus den Sonderbundskriegen stammenden konfessionellen Ausnahmeartikel.

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Nach seinem Rücktritt aus dem Bundesrat 1965 wirkt er als Leiter der Kommission „Totalrevision der Bundesverfassung“, setzt sich aktiv für das Frauenstimmrecht ein und hilft im „Rat der vier Weisen“ eine Lösung der Jurafrage zu finden.

Friedrich Traugott Wahlen war aus Überzeugung Christ. Er betonte, dass Christus in der Bergpredigt die Christengemeinde auffordert, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein. Er bezeichnete einmal das Kreuz Christi, das auch die Schweizer Fahne und das Rote Kreuz ziert, als „tragendes Element und Fundament unserer Heimat“ und als „Ausdruck unserer überzeitlichen Bindungen und Hoffnungen.“

Bis ins hohe Alter gab er seinen Rat und guten Namen, um christliche Inititiativen zu unterstützen. So wirkte er im Patronatskomitee der Explo 85 und bei der IVCG mit. Typisch die Bemerkung von alt Bundesrat Wahlen: „Ich komme gerne an Ihre Veranstaltung, wenn dies für andere Teilnehmer eine Ermutigung ist.“

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter Nüesch, Kontaktiere den Autor per e-mail: hpnuesch7@gmail.com

Christian Friedrich Spittler (1782 – 1867)

Christian Friedrich Spittler

„Was hilft’s, wenn wir beim warmen Ofen und einer Pfeife Tabak die Notstände der Zeit bejammern; Hand anlegen müssen wir, und sei es auch ganz im Kleinen.“

Christian Friedrich Spittler

Zur Zeit der napoleonischen Wirren war Basel voller Soldaten, die zum Teil aus weit entfernten Ländern gekommen waren, um als Alliierte die Angriffe Napoleons abzuwehren. Spittler wurde 1805 zum Sekretär der Christentumsgesellschaft berufen, die 1780 auf Initiative des Augsburger Pfarrers Johann August Urlsperger „zur Beförderung wahrer Gottseligkeit“ gegründet worden war. Spittler wandte sich an die Basler Bevölkerung, ihre Herzen für die Menschen aus allen Herren Länder zu öffnen und für die Verwundeten freiwillige Krankenpfleger zu stellen. Viele der Fremden kamen aus muslimischen Ländern des Kaukasus und des Nahen Ostens. Spittler rief auf, praktisch Hand anzulegen. „Den Strom des Verderbens können wir zwar nicht aufhalten, aber unsere Sache ist es, Einzelnen aus demselben herauszuretten.“ Spittler war ein Beter. Pflegetochter Susette: „Wie oft traf man ihn auf den Knien liegend, wenn man unversehens ins Zimmer trat.“. Spittler: „Ich habe viele Posten, worüber ich mit meinem Gott reden muss.“

Christian Friedrich Spittler war nicht nur ein Mann mit einer Glaubensvision und ein Beter, er war in gleichem Masse ein begabter Unternehmer, eine Gründerpersönlichkeit sondergleichen. In 60 Jahren gründete er über 20 sozialdiakonische und missionarische Werke, so die Basler Bibelgesellschaft; die Basler Mission, die zu einer der bedeutendsten Missionswerke heranwachsen sollte; das Judenmissionswerk, später Verein der Freunde Israels; das Rettungshaus für Kinder aus sozial prekären Verhältnissen in Beuggen; die Griechenanstalt später Taubstummenanstalt; die Pilgermission St. Chrischona „,damit aus Christen nicht wieder Heiden werden“; das Kinderspital Basel; das Riehener Diakonissenhaus; das Syrische Waisenhaus in Jerusalem. Noch in seinem Todesjahr gründete er eine Missionsschule für Flüchtlinge aus Abessinien, heute Äthiopien. Spitler sah sich als Handlanger Gottes, durch den Gottes Liebe sichtbar werden sollte. „Unser Präsident soll Jesus Christus sein. Der Herr gebe mir Gnade, dass ich mich stets als Ton seiner Barmherzigkeit formieren und gebrauchen lassen kann.“ Wo Not war, sah er sich von Gott gedrungen, Glaubensgeschwister zur Tat zu rufen. „Ach, wie viel Trauriges kommt hierbei zum Vorschein, wie wenig Liebe, Demut und wieviel Selbstsucht auch unter uns Christen! Jeder sucht das Seine.“

Bei allem Einsatz zur Linderung der praktischen Nöte, sah Spittler die Grenzen rein materieller Hile, „Wahrlich, kommen die Menschen nicht zu Gott und zu der Bibel zurück, so helfen alle menschlichen Unterstützungen nichts.“ Spittler betonte, dass zuerst wir Christen selber immer neu Veränderung benötigen, um bereit zu sein, Opfer zu bringen. „Wie viele Opfer werden irdischen Zwecken gebracht und wie wenig eigentlich für himmlische. Dies könnte uns einst reuen in der Ewigkeit. Drum lass uns wirken, solange es Tag ist. Ja er wirke in uns und allen seinen Kindern eine kräftige Erneuerung des Heiligen Geistes, damit wir in dieser letzten betrübten Zeit das tun können, was notwendig ist und was er von uns fordern wird, wenn er kommt, um Rechnung zu halten mit seinen Knechten.“

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter Nüesch, Kontaktiere den Autor per e-mail: hpnuesch7@gmail.com