Samuel Zeller (1834-1912)

„Gott hat nicht nur eine Sanitätsabteilung, sondern auch eine Erziehungsabteilung.“

Samuel Zeller

Der norwegische Theologieprofessor Ole Hallesby berichtet in seinem Buch ,,Vom Beten“:

„Ich entschloss mich in die Schweiz zu reisen, um den alten Patriarchen Samuel Zeller in Männedorf zu besuchen. Er unterhielt dort ein geistliches Sanatorium für Menschen, die nicht nur für ihren Leib, sondern auch für ihre Seele Ruhe suchten. Als Verkündiger des Wortes Gottes war Zeller unübertroffen. Ihm gelang die eigentliche Aufgabe der Verkündigung: die Zuhörer durch das Wort vor Gottes Angesicht zu stellen. Ausserdem war er ein einzigartiger Seelsorger: Ich habe jedenfalls keinen Menschen getroffen, bei dem tiefe Menschenkenntnis mit so viel Barmherzigkeit und mitfühlender Liebe verbunden war. Den stärksten Eindruck bekam ich von Zeller im Gebet. Er erzählte Gott nur, woran es fehlte, und dann wusste er, Gott würde es in Ordnung bringen. Sein Gebet war ein ehrerbietiges aber natürliches Gespräch mit Gott, ungefähr so, als sässe Gott vor ihm auf der ersten Bank. In der kurzen Zeit, die ich dort war, kamen Briefe aus allen Ländern Europas. Oft bat er um Wunder, aber nie ohne hinzuzufügen, ‚wenn es deinen Namen verherrlicht.‘ Dabei scheute er sich nicht, um eine augenblickliche Heilung zu bitten. Im Grunde betete er ja nur ein einziges Gebet, dass Gottes Name verherrlicht werde.“

Samuel Zeller war ein Sohn von Heinrich Zeller, dem Leiter der Erziehungsanstalt Schloss Beuggen. Samuel war ein friedloser junger Mann bis er in Männedorf von Dorothea Trudel konfrontiert wurde. „Was, ein Sohn von Inspektor Zeller in Beugen und so ein finsteres Gesicht.“ Als er ihr von seiner Krankheit einer fressenden Flechte erzählte, tröstet sie ihn freundlich; „Wenn einmal der Aussatz der Sünde weg ist, wird wohl diese Krankheit auch verschwinden.“ Samuel Zeller bekannte daraufhin eine bisher verborgene Sünde. Als Folge des Gebets mit Handauflegung wird ihm darauf auch die äussere Heilung geschenkt.

1860 berief Dorothea Trudel Samuel Zeller als Assistent nach Männedorf. Sie fand Gefallen an den praktischen, ins Leben sprechenden Bibelstunden ihres geistlichen Sohnes. Kurz vor ihrem Tod vermachte sie auf eine Weisung Gottes hin Samuel Zeller die Häuser schenkungsweise. Dieser leitete in der Folge während 50 Jahren die sich laufend vergrössernde Erholungsanstalt, wobei darauf geachtet wurde, dass mit dem äusseren Wachstum auch das innere Wachstum Schritt hielt.

Samuel Zeller hielt jeden Tag zwei Bibelstunden und betete für unzählige notleidende Menschen unter Handauflegung. Er erlebte dabei, dass viele, aber beileibe nicht alle leiblichen und seelischen Störungen mit verdrängten Sünden zusammenhingen, die man nicht wahrhaben wollte. Oft verschwanden mit deren Bekenntnis auch die körperlichen und seelischen Gebrechen. Samuel Zeller: „Wie bittet man doch oft so armselig, und doch hätte Gott Ströme bereit. Was ist aber aller äussere Segen an irdischen Gütern gegenüber dem Segen, der uns durch Jesum zuteil wird.“ Noch heute besteht in Männedorf ein Bibelheim für Menschen, die an Leib und Seele Erholung und Kräftigung suchen.

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter Nüesch