Samuel Zeller (1834-1912)

„Gott hat nicht nur eine Sanitätsabteilung, sondern auch eine Erziehungsabteilung.“

Samuel Zeller

Der norwegische Theologieprofessor Ole Hallesby berichtet in seinem Buch ,,Vom Beten“:

„Ich entschloss mich in die Schweiz zu reisen, um den alten Patriarchen Samuel Zeller in Männedorf zu besuchen. Er unterhielt dort ein geistliches Sanatorium für Menschen, die nicht nur für ihren Leib, sondern auch für ihre Seele Ruhe suchten. Als Verkündiger des Wortes Gottes war Zeller unübertroffen. Ihm gelang die eigentliche Aufgabe der Verkündigung: die Zuhörer durch das Wort vor Gottes Angesicht zu stellen. Ausserdem war er ein einzigartiger Seelsorger: Ich habe jedenfalls keinen Menschen getroffen, bei dem tiefe Menschenkenntnis mit so viel Barmherzigkeit und mitfühlender Liebe verbunden war. Den stärksten Eindruck bekam ich von Zeller im Gebet. Er erzählte Gott nur, woran es fehlte, und dann wusste er, Gott würde es in Ordnung bringen. Sein Gebet war ein ehrerbietiges aber natürliches Gespräch mit Gott, ungefähr so, als sässe Gott vor ihm auf der ersten Bank. In der kurzen Zeit, die ich dort war, kamen Briefe aus allen Ländern Europas. Oft bat er um Wunder, aber nie ohne hinzuzufügen, ‚wenn es deinen Namen verherrlicht.‘ Dabei scheute er sich nicht, um eine augenblickliche Heilung zu bitten. Im Grunde betete er ja nur ein einziges Gebet, dass Gottes Name verherrlicht werde.“

Samuel Zeller war ein Sohn von Heinrich Zeller, dem Leiter der Erziehungsanstalt Schloss Beuggen. Samuel war ein friedloser junger Mann bis er in Männedorf von Dorothea Trudel konfrontiert wurde. „Was, ein Sohn von Inspektor Zeller in Beugen und so ein finsteres Gesicht.“ Als er ihr von seiner Krankheit einer fressenden Flechte erzählte, tröstet sie ihn freundlich; „Wenn einmal der Aussatz der Sünde weg ist, wird wohl diese Krankheit auch verschwinden.“ Samuel Zeller bekannte daraufhin eine bisher verborgene Sünde. Als Folge des Gebets mit Handauflegung wird ihm darauf auch die äussere Heilung geschenkt.

1860 berief Dorothea Trudel Samuel Zeller als Assistent nach Männedorf. Sie fand Gefallen an den praktischen, ins Leben sprechenden Bibelstunden ihres geistlichen Sohnes. Kurz vor ihrem Tod vermachte sie auf eine Weisung Gottes hin Samuel Zeller die Häuser schenkungsweise. Dieser leitete in der Folge während 50 Jahren die sich laufend vergrössernde Erholungsanstalt, wobei darauf geachtet wurde, dass mit dem äusseren Wachstum auch das innere Wachstum Schritt hielt.

Samuel Zeller hielt jeden Tag zwei Bibelstunden und betete für unzählige notleidende Menschen unter Handauflegung. Er erlebte dabei, dass viele, aber beileibe nicht alle leiblichen und seelischen Störungen mit verdrängten Sünden zusammenhingen, die man nicht wahrhaben wollte. Oft verschwanden mit deren Bekenntnis auch die körperlichen und seelischen Gebrechen. Samuel Zeller: „Wie bittet man doch oft so armselig, und doch hätte Gott Ströme bereit. Was ist aber aller äussere Segen an irdischen Gütern gegenüber dem Segen, der uns durch Jesum zuteil wird.“ Noch heute besteht in Männedorf ein Bibelheim für Menschen, die an Leib und Seele Erholung und Kräftigung suchen.

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter Nüesch

Emil Rupflin (1885 – 1966)

Wie sollen wir weiter von Glaube, Hoffnung, Liebe predigen, wenn niemand sein Christenleben mit der Tat beweisen will.“

Emil Rupflin

Geboren wurde Emil Rupflin im malerischen Lindau am Bodensee als Sohn eines armen Pflastersteinsetzers. Weil er zu den weniger Bemittelten gehörte, wurde er oft wegen Kleinigkeiten von den Lehrern bestraft. In Emil wuchs dadurch ein Gerechtigkeitssinn und ein Zug zu den mancherlei benachteiligten Menschen, der für seinen weiteren Werdegang von Bedeutung werden sollte. Bald zog er nach Zürich um, wo Emil inzwischen zwanzigjährig an einer Veranstaltung der Heilsarmee zum Glauben fand. Er besuchte in der Folge die Offiziersschule der Heilsarmee in Bern, heiratete und diente mit seiner Frau zusammen auf verschiedenen Stationen der Heilsarmee. 1916 führte sie ihr Dienst nach Chur. Ergriffen von der Not heimatloser Kinder während dem Ersten Weltkrieg, die ohne einen Sonnenstrahl der Liebe aufwachsen mussten, gab Emil Rupflin seine sichere Stellung bei der Heilsarmee auf und gründete mit seiner Frau zusammen ein Werk für heimatlose Kinder.

Ihr erstes Kinderheim gründeten sie in einer ehemaligen Glockengiesserei in Felsberg. Später zogen sie in ein grösseres Patrizierhaus in Trimmis. Immer mehr heimatlose Kinder wurden ihnen von Staat und Kirche vermittelt. Zahlreiche weitere Heime sollten folgen. Kurz vor seinem Ableben war es ihm 1965 vergönnt, dem Gott hilft – Werk in Zizers eine Heimerzieherschule (heute „,Höhere Fachschule für Sozialarbeit“) einzuweihen, um „eine fachliche Ausbildung und biblische Vertiefung für eine verantwortliche Mitarbeit in der Heimerziehung zu vermitteln.“

Emil und Babette Rupflin in den ersten Jahren in Felsberg ca. 1920. Foto: zvg

1916 schreibt Rupflin angesichts der offenen Frage, ob die Zeit reif sei, ein Werk für heimatlose Kinder zu gründen, in sein Tagebuch: „Möge der Herr uns auf dem Glaubensboden bewahren! Ich glaube, dass auf seiner Seite alles bereit ist. Aber ob wir für seine Pläne bereit sind.“ Rupflin entscheidet sich, im Glauben auf Gottes Versorgung zu handeln. Schon am Tag darauf kommt Gottes Bestätigung durch ein Telegramm, in dem um die Aufnahme von fünf Kindern gebeten wurde.

Rupflin arbeitete mit der Reformierten Landeskirche zusammen, weil er die Weite der Evangelisationsmöglichkeit auf dem Boden der Kirche erkannte. Landauf landab sollte er in den folgenden Jahren durch seine lebendige Erzählgabe davon Zeugnis ablegen, dass Gott hilft. Rupflin betonte immer, es gehe nur um unseren Glaubensgehorsam. Alles andere würde Gott machen. Als sichtbares Bekenntnis gab Rupflin dem Werk den Namen „Gott hilft“.

Er schreibt 1917 in sein Tagebuch: „Ich fühle in den letzten Tagen ganz besonders die grosse Verantwortung für die Sache. Doch der Herr wird hinaus- und hindurchhelfen. Der Name des Werks soll uns stets daran erinnern: „Gott hilft.“ Rupflin erlebte so manche schwierige Zeiten, in denen sein Glaube auf dem Prüfstand war. Sein Motto war: „Dennoch unverzagt! Gott wird uns Hilfe senden, um seinem Namen Ehre einzulegen.“ Und Gott hat tatsächlich geholfen. Unter der Leitung von Dr. Heinz Zindel und später dessen Sohnes, Pfr. Daniel Zindel, ist das inzwischen weitverzweigte Werk nicht nur eine Heimat für unzählige sozial handicapierte Menschen geworden, sondern auch ein nicht übersehbares Zeugnis, dass Christen einen Gott haben, auf dessen Hilfe sie in jeder Lage zählen können.

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter Nüesch, Kontaktiere den Autor per e-mail: hpnuesch7@gmail.com

Samuel Unger (1896-1980)

„Alles ist möglich dem, der glaubt. Glauben wir wirklich, dass Gott der Herr über Himmel und Erde ist?“

Samuel Unger

Samuel Unger stammte aus dem an Deutschland grenzenden Kanton Schaffhausen. Seine Studien absolvierte er in Leipzig. Als Ingenieur und Geschäftsmann leitete er nach seiner Rückkehr in die Schweiz eine mittelgrosse Firma mit 24 Mitarbeitern. Obwohl er eine grosse geschäftliche Zukunft vor sich hatte, verkaufte er sein Geschäft, um sein Leben ganz Gott und seinem Auftrag zu widmen. Unger: „Nun war ich ein neuer Mensch geworden: geheilt vom Kniefall vor dem Gott des Materialismus, und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, begleitete mich auf Schritt und Tritt. In dem Mass, wie die Vergänglichkeit dieser Welt ihre Anziehungskraft verlor, schärfte sich mein Blick für die Ewigkeitswerte.“ Er gründete in Zürich die „Schweizerische Missionsgemeinde“. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg sah er seinen göttlichen Auftrag vordringlich in der Fürbitte. Unger: „So schwer legte mir Sein Geist die Gebetslast aufs Herz, dass ich täglich bis sieben Stunden benötigte, um die Anliegen vor Gott zu bringen.“

Er betete nicht nur für die Schweiz, sondern auch für einzelne Nationen und deren Regierungen. Der Autor hat selber in einem Nachbarzimmer wartend mitangehört, wie Samuel Unger während langer Minuten hörbar zu Gott geschrien hat, er möge da und dort einer Not begegnen.

Was Ungers disziplinierte und ausgedehnte Fürbitte in der unsichtbaren und sichtbaren Welt bewirkt hat, ist schwer zu ermessen. Samuel Unger war auf jeden Fall ein Mann, der ähnlich dem Hauptmann von Kapernaum wirklich glaubte, dass Gott nur ein Wort sprechen muss, damit Dinge geschehen. Er glaubte zutiefst, dass Gott als Herr über Himmel und Erde unser Gebet, wenn es im Glauben geschieht, zum Segen für einzelne Menschen und ganze Nationen setzt. Insbesondere vor und während dem Zweiten Weltkrieg fühlte sich Unger immer wieder gedrängt, „sich sofort vor das Angesicht Gottes zu werfen und so lange zu ringen, bis dass das Kriegsunheil abgewendet sei.“

Sihlporte Zürich, 1940

Lassen wir Samuel Unger selber erzählen, wie er sich einmal im Gebet von Gott geführt wusste. „Mitte Juni 1943 war mir zumute, als ob mir der Herr selbst seine heilige Hand auf den Mund legte. So begann ich unmittelbar zu fasten. Insbesondere empfand ich den starken Impuls, für den Schutz unseres Landes und für Zürich zu beten.“ Samuel Unger betete und fastete während 47 Tagen insbesondere für den Schutz der grössten Schweizer Stadt Zürich. Dabei lag keine direkte Bedrohungslage vor, da Zürich nicht in Grenznähe liegt. Welches war die Wirkung dieses Gehorsams?

Nach dem Zweiten Weltkrieg erzählte ein hoher amerikanischer Fliegeroffizier in einem Vortrag in Zürich, wie er einmal trotz Wolken dem Kampfgeschwader den Befehl gab „Entsichern'“. In diesem Augenblick sei die Wolkendecke zerrissen und er habe erkannt, dass sie vom Nordwind abgetrieben worden seien und sich irrtümlicherweise über Zürich befanden. Der amerikanische Fliegeroffizier betonte: „‚Wenn die Wolkendecke nicht durch Gottes Gnade zerrissen worden wäre, hätte man Zürich später auf der Landkarte suchen müssen.“ Samuel Unger: „Darum lasst uns Gottes Thron Tag und Nacht ,belagern‘: Wie oft betete der Herr Jesus selbst Nächte durch. Ach, dass doch in der ganzen Schweiz und in Deutschland zusätzliche Gebetszellen entstehen möchten, indem sich die Gläubigen überall vereinen zum Gebet, um den gewaltigen Arm Gottes zu bewegen!“

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter Nüesch, Kontaktiere den Autor per e-mail: hpnuesch7@gmail.com

Warum ich ein Buch schreibe

Ich wurde angefragt, ein Buch zu schreiben. Da ich gerne schreibe und schon länger auf dem Herzen habe, ein Buch zu veröffentlichen, habe ich zugesagt. Allerdings habe ich mir das Thema meines ersten Buches anders vorgestellt: Es wird darum gehen, wie wir mit Krankheit positiv umgehen können – mit Beispielen meiner aktuellen Situation.

Seit nun über drei Jahren leide ich unter Schmerzen und Schwäche. In dieser Zeit hatte ich einige Erkenntnisse, die sicher auch anderen Menschen in ähnlichen Situationen helfen würden.

Darum werde ich einerseits meine persönliche Geschichte erzählen und gleichzeitig die Leser ermutigen, Gott zu suchen und die Hoffnung auch in Zeiten von Krankheit nicht aufzugeben.

Denn ich habe beobachtet, dass viele Menschen nicht nur körperlich unter ihrer Krankheit leiden. Gerade auch Christen, die ja eigentlich gesund sein sollten, weil sie ja eine Verbindung zum ultimativen Heiler haben, leiden teilweise noch stärker unter ihrer Krankheit.

Photo by Yannick Pulver on Unsplash

Daher ist es normal, dass kranke Menschen sich Fragen stellen wie: „Hat Gott mich vergessen?“, „Habe ich etwas falsch gemacht?“, „Ist meine Krankheit eine Strafe?“, „Was muss ich tun, um geheilt zu werden?“ „Heilt Gott heute überhaupt noch?“. Wenn Heilung ein frommer Wunsch bleibt, können uns solche Fragen fertig machen und darum werde ich genau darauf eingehen.

Es gibt viele Bücher zum Thema „Heilung“. Aber ich habe keines gefunden, das sich mit ausbleibender Heilung bei (chronischer) Krankheit auseinandersetzt. Ich werde den Blick auf Gott richten, damit die Leser Gott auch in der Krankheit erleben (im „dunklen Tal“). Halt so, wie es David beschreibt:

Auch wenn es durch dunkle Täler geht, fürchte ich kein Unglück, denn du, HERR, bist bei mir.

Psalm 23,4 Hoffnung für alle Bibel

Wenn du mich in diesem Vorhaben unterstützen willst, freue ich mich über deine Gebete und/oder Spende.

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God bless you,

Luise Buchmann (1884 – 1944)

Vorbilder sind „Lebensbilder“. Es sind Menschen, an denen wir uns orientieren können. Männer und Frauen, die uns inspirieren und ermutigen. Personen wie Du und ich: Durchschnittlich, z.T. erfolgreich und glücklich, manchmal niedergeschlagen und geplagt. Diese Lebensbilder geben uns Orientierung und zeigen uns Möglichkeiten. Sie öffnen neue Türen und erweitern unseren Horizont.

Dies ist ein Artikel, einer 30 wöchigen Serie über bekannte und weniger bekannte Lebensbilder. Ich wünsche Dir viel Freude beim Lesen und freue mich immer über Kommentare und Rückmeldungen! Wenn Du keinen Beitrag verpassen willst, folge diesem Blog und Du wirst jeweils per E-Mail informiert.

God bless you,

„Leidenswege, Kreuzeswege, Demütigungs- und Erniedrigungswege sind oft ganz heilige Wege, weil sie uns nach Golgatha zum Kreuz hinführen und uns dann Jesus immer grösser wird.“

Luise Buchmann

Junge und alte Menschen aus den verschiedensten Kirchen, darunter auch viele Pfarrer und Prediger, besuchten täglich eine blinde, zerbrechliche Krankenschwester im Ferienheim Eben-Ezer in Frenkendorf bei Basel, um Gebet und Antwort auf ihre Fragen zu erhalten. Schwester Luise verbrachte täglich viele Stunden im Gebet. Neben den täglichen, ins praktische Leben greifenden Bibelauslegungen war es vor allem die göttliche Weisheit, die dazu führte, dass viele Menschen ihr Leben Gott neu und ganz weihten. Wenn Schwester Luise keine Antwort wusste, legte sie die Fragen Jesus hin. Oft bekam sie dann ein Wort für die anwesenden Fragesteller.

Ferienheim Eben-Ezer in Frenkendorf bei Basel

Luise Buchmann wuchs als Tochter eines Stickereifabrikanten im Zürcher Oberland auf. Schon früh pflegte sie eine innige Gemeinschaft mit ihrem Vater im Himmel. Sie erlebte schon im Kindesalter ausserordentliche Gebetserhörungen. Als der deutsche Pfarrer und Erweckungsmann, Otto Stockmayer, für Gesundheit von Luises Mutter betete, erkannte er plötzlich im Geist, dass eine besondere Berufung auf der kleinen Luise lag. Spontan betete er für sie, dass sie einmal ihre Bestimmung als Gottes Dienerin erfüllen möge.

Gott gebrauchte Schwester Luise, um eine schläfrige Christenheit aufzuwecken und zu einer Ganzhingabe des Lebens zu rufen. Kennzeichen der letzten Zeit sei eine fortschreitende Abnahme eines tieferen Heiligungslebens.

Die Macht der Finsternis setze alles daran, die Menschen so total zu beschäftigen und zu unterhalten, dass sie für die göttlichen Dinge keine Zeit, keine Stille und keine Ruhe mehr hätten und als Folge Gottes Wort und das Gebet vernachlässigten. Schwester Luise rief unermüdlich dazu auf, zu wachen und uns nicht von den Dingen des Alltags ablenken zu lassen.

Ein gläubiger Katholik bat Schwester Luise einmal, vom Herrn ein Wort zu erbeten über das göttliche Urteil gegenüber Katholizismus und Protestantismus. Sie erhielt von ihrem Herrn folgendes Wort: „Ich sage dir mit Ernst, bei mir ist kein Unterschied zwischen Katholiken und Protestanten, sondern diejenien die meinen heiligen Willen tun und mir gehorsam sind in allem, was ich ihnen gebiete, diese werden das Reich ererben.“ Vor seiner Wiederkunft werde es zu keiner äusseren Vereinigung kommen; die schwere Verfolgungszeit vor seinem Kommen werde aber die Einigkeit im Geiste bringen. Von der Verfolgungszeit, sagte der Herr weiter, dass sie kommen müsse, weil sein heiliger Name auf Erden so sehr durch die gegenseitigen Schmähungen der Kirchen und Gemeinschaften entheiligt würde.

Es seien die treuen Beter, welche ihr Ichleben hingegeben haben, die die Gemeinden von einer geistigen Verarmung bewahren können. In der zunehmenden Verfolgungszeit gehe es darum, jeden Tag aus Gottes Hand zu nehmen wie er komme; Er, der Herr, werde sich dann mächtig erweisen mit seinem Beistand und mit seiner Hilfe. Schwester Luise ermutigte, das Wort Gottes immer in Ehrfurcht zu lesen und um die Erleuchtung durch den Heiligen Geist zu bitten. Sie verurteilte das rein vernunft- und verstandesmässige Auspressen der Bibel scharf, weil es „in den Irrtum und auf Abwege“ führe.

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter Nüesch, Kontaktiere den Autor per e-mail: hpnuesch7@gmail.com

Wilhelm Busch (1897-1966)

Vorbilder sind „Lebensbilder“. Es sind Menschen, an denen wir uns orientieren können. Männer und Frauen, die uns inspirieren und ermutigen. Personen wie Du und ich: Durchschnittlich, z.T. erfolgreich und glücklich, manchmal niedergeschlagen und geplagt. Diese Lebensbilder geben uns Orientierung und zeigen uns Möglichkeiten. Sie öffnen neue Türen und erweitern unseren Horizont.

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God bless you,

„Die Hauptsache ist, dass die Hauptsache (das Erlösungswerk Jesu Christi) die Hauptsache bleibt.“

Willhelm Busch

„Ein echter Brandstifter war er, ein heisser Feuerleger, ein Zündler dem Jesu Wort wie ein Pfeil im Fleisch steckte. Wilhelm Busch brannte wie eine Fackel, und um ihn herum brannten seine Leiter wie ein Fackelzug.“ So beschrieb sein Pfarrkollege Konrad Eisler einmal den Leiter des Essener Jugendhauses.

Wilhelm Busch

Wilhelm Busch wurde 1897 in Elberfeld als ältester Sohn eines Pfarrers geboren. Zum persönlichen Glauben fand er als junger Leutnant an der Kriegsfront in Frankreich. Nach dem Ersten Weltkrieg studierte er in Tübingen zu Füssen von Lehrern wie Adolf Schlatter und Karl Heim Theologie. Seine erste Pfarrstelle war im Bergarbeiterbezirk Essen-Altstadt. 1923 heiratete er seine Frau Emmi. Sie war für den gleichzeitig humorvollen aber auch oft betrübten Mann die Freude des Lebens und eine grosse Hilfe in seinem vielfältigen Dienst an jungen Menschen. „Als wir 40 Jahre verheiratet waren, sagte ich ihr; ‚Wenn ich es nochmals zu tun hätte, ich liefe dir nach bis ans Ende der Welt.‘ Da lachte sie und meinte, ihr ginge es genauso. Das kann ich nun nicht gut verstehen, weil ich mich kenne.“

Wilhelm Busch war ein begnadeter Prediger und Jugendevangelist. 1930 wurde er als Jugendpfarrer im Essener Jugendhaus angestellt, dem späteren Weigle-Haus. Diese Position behielt er bis zu seiner Pensionierung. Wilhelm Busch bezeichnete sich einmal spasseshalber als ältester Jugendpfarrer der Welt. Neben seiner Tätigkeit als Jugendpfarrer diente er immer wieder als vollmächtiger Evangelist. Seine Evangelisationsvorträge waren oft überschrieben mit „Jesus unser Schicksal“. Der gleichnamige Bestseller wurde aus Tonbandaufnahmen seiner Predigten nach seinem Tode zusammengestellt.

Wilhelm Busch zögerte nie, Misstände in Kirche und Gesellschaft beim Namen zu nennen. Er war dreimal wegen seiner Kritik am Naziregime im Gefängnis. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab er ab 1948 die Monatszeitschrift „,Licht und Leben“ heraus, die zu einer vielbeachteten Stimme des Pietismus in der evangelischen Kirche wurde. Er prangerte in gleicher Weise den theologischen Liberalismus wie eine tote Rechtgläubigkeit an, der es an Leidenschaft für Jesus und seinen Auftrag, das Evangelium in die Welt hinauszutragen mangelte.

Am meisten litt er unter der Uneinheit der Kinder Gottes, die mehr gewissen Personen huldigten als ihrem gemeinsamen Herrn und Meister: „Welch eine missionarische Kraft ginge von einer Christengemeinde aus, wo es heisst:, Einer ist euer ‚Meister, Christus‘.“ Pfr. Wilhelm Busch hielt sich und anderen zeitlebens Gerhard Tersteegens Liedstrophe vor Augen: „In Wort und Werk, in allem Wesen sei Jesus und sonst nichts zu lesen.“ Als Mitverantwortlicher der jährlich in Essen abgehaltenen Teersteegensruh-Konferenzen farderte er massgeblich das geistliche Leben von unzählizen Menschen im deutschsprachigen Europa. Wilhelm Busch wurde 1966 auf der Rückreise von einer Evangelisation heimgerufen. Er und seine Frau Emmi hinterliessen vier Töchter und zwei Söhne.

Abschliessend ein Wort Wilhelm Buschs an Prediger: „Jede Predigt sollte Propaganda für Jesus sein. Der grösste Apostel sagte „ ..dass ich nichts unter euch wüsste, als allein Jesum Christum den Gekreuzigten“(1. Kor. 2,2). …Sooft ich auf die kanzel trete, muss ich denken: Vielleicht sitzt eine suchende Seele hier. Dieser Seele möchte ich helfen.“

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter Nüesch, Kontaktiere den Autor per e-mail: hpnuesch7@gmail.com

Dora Rappard (1842- 1923)

Vorbilder sind „Lebensbilder“. Es sind Menschen, an denen wir uns orientieren können. Männer und Frauen, die uns inspirieren und ermutigen. Personen wie Du und ich: Durchschnittlich, z.T. erfolgreich und glücklich, manchmal niedergeschlagen und geplagt. Diese Lebensbilder geben uns Orientierung und zeigen uns Möglichkeiten. Sie öffnen neue Türen und erweitern unseren Horizont. 

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God bless you,

„Wieviel Halbheit, wieviel Weltsinn, wieviel Sünde wird noch geduldet in den Herzen! Wie wenig Raum wird dem Heiligen Geist gegeben im täglichen Leben der Gläubigen! Wieviel Selbstsucht, Bequemlichkeit und Empfindlichkeit herrscht da, wo Jesus allein herrschen sollte!“

Dora Rappard

Dora Rappard wurde 1842 als Tochter des Missionars Samuel Gobat und als Enkelin von Christian Heinrich Zeller, des Gründers der Anstalt Beuggen, in Malta geboren. Sie wuchs in Jerusalem auf, wo ihr Vater als Leiter des von den Deutschen und Engländern gemeinsam gegründeten Bischofssitzes amtete. Sie liebte es, Streifzüge durch das Heilige Land zu unternehmen, was ihr half, die Bibel besser zu verstehen. Zudem las sie in der Bibliothek ihres Vaters viele Bücher. In 12 handgeschriebenen Bänden fasste sie die wichtigsten Erkenntnisse aus Büchern über Weltgeschichte, theologischen Abhandlungen, Predigtabschriften und Lebensbildern zusammen. Sie war eine Autodidaktin, die nie eine theologische Ausbildung genossen hat. Und trotzdem hat sie durch ihre Bücher und das Gemeinschaftsliederbuch, das viele ihrer über 500 selbstverfassten Gedichte und Lieder enthielt, und durch ihre zahlreichen Vorträge und Evangelisationen eine ganze Generation mit den Wahrheiten des Wortes Gottes geprägt wie wenige Menschen ihrer Zeit.

Als Frau des Chrischona-Leiters, Carl-Heinrich Rappard, wurde sie zur Mutter von St. Chrischona. Sie war eine Frau mit aussergewöhnlicher Tatkraft: Sie zog acht eigene Kinder gross, nahm sich den zukünftigen Evangelisten mütterlich an, und war als Verwaltungsdirektorin unter anderem für die Finanzen des Werkes zuständig. Sie korrigierte als schriftstellerisch begabte Person die Artikel ihres Mannes. Sie verfasste aber auch selber zahlreiche Beiträge in den Chrischona-Magazinen „Friedensgruss“ und „,Glaubensbote“. Mehr als alles andere liebte sie den Dienst als Evangelistin und als Rednerin in Frauenversammlungen. Sie empfand es als etwas vom Schönsten ihres Lebens, Bibelstunden zu halten und ihrem Mann tatkräftig bei Evangelisations- und Visitationsreisen zur Seite zu stehen. Ihr Ruf als ausgezeichnete Bibellehrerin öffnete ihr Türen selbst zu hochgestellten Persönlichkeiten. So hielt sie Bibelstunden bei der Herzogin Wera von Württemberg. So ein Lehrdienst, auch wenn er vor allem unter Frauen geschah, war zu jener Zeit ungewöhnlich und mit viel Kritik verbunden. Innerhalb des Chrischona-Werkes baute Dora Rappard eine eigentliche Frauenarbeit auf und initiierte eine erste Konferenz für Predigersfrauen.

Nach dem Tode ihres Mannes wurde ihre Rolle als Chrischona-Mutter noch wichtiger. Sie wollte das erweckliche Anliegen ihres Mannes hochhalten und wies die kommenden Evangelisten auf die Wichtigkeit, eines gläubigen Erfassens der Siegeskraft“ hin, die Tag für Tag ausgelebt werden müsste. „Wir können dem heiligen Wind nicht gebieten, können nichts erzwingen und wollen ja nichts erkünsteln. Aber beten können wir. Dem Odem Gottes unsere Herzen weit öffnen können wir, und uns nach dem gnädigen Winde richten und uns von ihm treiben lassen, das können und sollen wir.“

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter Nüesch, Kontaktiere den Autor per e-mail: hpnuesch7@gmail.com

Krieg in der Ukraine – eine weitere Wehe? 

Mich beschäftigt der Krieg nicht nur weil Krieg immer grausam ist. Dieses Blutvergiessen ist uns näher – geographisch und auch emotional. Aber am meisten schmerzt uns, wenn wir um Familie, Freunde oder Bekannte bangen müssen! 

Pastorenpaar ICF Kiev

So hat unser befreundete ICF Pastor Andrey (ICF Kiev) in einer bewegenden Videonachricht an uns ICF Pastoren beschrieben, wie er seine Familie zur Grenze gebracht hat und dann in die Hauptstadt zurückkehrte. Jetzt dient er gemeinsam mit den anderen Kirchen den Menschen in Not, lebt und erzählt das Evangelium. Viele Ukrainer und Ukrainerinnen setzen zum ersten Mal ihr Vertrauen auf Jesus, unseren Retter in der Not!

Man hört immer wieder Sätze wie: „In der Dunkelheit scheint das Licht am hellsten!“ und fragt sich, ob solche Aussagen nicht nur ein billiger Trost sind. Was Andrey in Kiev erlebt zeigt uns, dass dieser Satz der Realität entspricht!

Auch die ICF Church in Polen ist aktiv! Gemeinsam mit dem Hilfswerk ‚feed the hungry‘ Organisieren sie tonnenweise Lebensmittel für Ukrainische Familien. Diese werden per Lastwagen an die Grenze gebracht und von dort aus mit kleineren Fahrzeugen in der Ukraine verteilt.

Jesus gibt uns einen prophetischen Blick vom Ende unserer Zeit, der Vorbereitung für das Wiederkommen von ihm selbst, unserem Retter (Matthäus 24,8). Es wird immer deutlicher, dass nur jemand von ausserhalb unseres Raumes und unserer Zeitrechnung uns alle aus dieser sich zuspitzenden Misere befreien kann. Jesus ist der Erlöser und bald kommt es zum finalen Showdown! Genauso wie bei einer Geburt: 

Wenn die werdende Mutter die letzten Wehen spürt, fühlt sie sich dem Tod näher als dem Leben im Wissen, dass das Leiden schon bald vorbei und das Kind geboren ist. Neues Leben entsteht!

Mir hilft diese prophetische Sicht, mit aktuellen Krisen in der Welt umzugehen. Ich kann für die Menschen beten, Geld spenden, Flüchtlinge aufnehmen – aber das ganze Leiden auflösen kann nur einer: Unser Erlöser Jesus Christus!

Es gibt noch einen weiteren Aspekt, was dieser Krieg bewirkt: ‚Alijah‘. Alijah meint die Einwanderung der Juden nach Israel. So wurde die Hilfsorganisation ICEJ von der israelischen Einwanderungsbehörde gebeten, sie bei der Flucht ukrainischer Juden nach Israel zu unterstützen. Gott sammelt sein Volk.

Ich wünsche uns, dass wir aus Mitgefühl beten und handeln können. Und, dass wir gleichzeitig loslassen können, im Vertrauen auf unseren allmächtigen Gott, der nicht schläft. Jesus baut sein Reich mitten in der Dunkelheit!

Markus Hauser (1849 – 1900)

Vorbilder sind „Lebensbilder“. Es sind Menschen, an denen wir uns orientieren können. Männer und Frauen, die uns inspirieren und ermutigen. Personen wie Du und ich: Durchschnittlich, z.T. erfolgreich und glücklich, manchmal niedergeschlagen und geplagt. Diese Lebensbilder geben uns Orientierung und zeigen uns Möglichkeiten. Sie öffnen neue Türen und erweitern unseren Horizont. 

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God bless you,

„Wir sollten alles daran setzen, Geistesdurchbrüche zu erzielen; der Kampf kann heiss und lang sein, der Sieg aber wiegt alle Nöte und durchgemachten Schwierigkeiten auf.“

Markus Hauser
Markus Hauser

Am 6. März 1879 schreibt ein Mann im schweizerischen Reinach in sein Tagebuch: «Gott will, dass alle Menschen gerettet werden, und ich will auch, darum weitergebetet! Gott wird sein Wort halten». Dieser Mann war der Chrischona-Absolvent Markus Hauser. Er zog 1878 mit seiner Familie nach Reinach, um dort als Prediger die kleine Chrischona-Gemeinde zu übernehmen. Von Anfang an war es sein Ziel, Menschen zu einer lebendigen Beziehung mit Gott zu verhelfen. Uneinigkeit unter den Gemeindegliedern erschwerte die Arbeit. Markus Hauser hatte den Eindruck, Predigt und Bibelauslegung würden zwar gern gehört, aber blieben ohne Wirkung. Er suchte in zunehmendem Masse die Hilfe im Gebet. Nach seinen eigenen Aussagen wurde seine Liebe zu den Menschen immer grösser, je länger er für sie betete. Wochenlang rang er um eine geistliche Erneuerung der Gemeinde und der ganzen Region. Oft kam es ihm vor, als würde er zusammenbrechen, wenn Gott nicht bald Hilfe sendete. In solchen Momenten fühlte er sich völlig hilflos. Doch Gott wollte zuerst ihn verändern. In seinem Tagebuch schreibt Markus Hauser:

„Ich werde, andere für das Himmelreich erziehend, selbst für dasselbe erzogen. Meine eigene Erziehung bringt sowohl Freude als auch Schmerz mit sich.“ Obwohl er lange Zeit wenig Auswirkungen sah, blieb er beharrlich in der Fürbitte für Gemeindeglieder und Fernstehende. Er hielt sich immer wieder die biblische Verheissung aus dem Hebräerbrief vor Augen: „,Werfet euer Vertrauen nicht weg, welches eine grosse Belohnung hat»!“ (Hebräer 10,35). Im Januar 1881 wurde in der Gemeinde eine Gebetswoche abgehalten. Viele Gemeindeglieder bekannten Sünden, die ihnen neu bewusst geworden waren. Ein frischer Wind durchströmte die Gemeinde. Das Wirken Gottes an den Christen dauerte an, bis im Frühjahr 1882 der eigentliche Durchbruch geschah. Zuerst brachten die Gläubigen ihr Leben in Ordnung, dann gingen bis dahin verschlossene Türen auf. Viele, die vorher den Glauben abgelehnt hatten oder zumindest gleichgültig gewesen waren, begannen ernsthaft nach ihrer Beziehung zu Gott zu fragen. Aus den Fabriken, aus den umliegenden Ortschaften, ja von überallher kamen Alte und Junge, alle mit derselben Frage: «Was muss ich tun, dass ich gerettet werde?» Vielen wurde die Gegenwart Gottes so bewusst, dass sie ausriefen:

«Wehe mir, ich muss vergehen, ich bin durch und durch verderbt, meine Schuld ist gross!» Dutzende bekannten ihre Sünden und durften die Vergebung durch Jesus Christus in Anspruch nehmen. Viele Menschen wurden mit einer tiefen Freude und Dankbarkeit Gott gegenüber erfüllt. Oberflächliche wurden ernsthaft, Depressive fanden Ruhe und Frieden. Der Glaubensaufbruch dauerte einige Jahre an. Manchmal fanden 50 Personen in einer einzigen Zusammenkunft Vergebung ihrer Schuld und Frieden mit Gott. Markus Hauser erlebte aber auch Enttäuschungen, indem einige ihrem neugefundenen Glauben nicht treu blieben. Viele aber blieben dabei und waren durch ihr verändertes Leben ein Zeugnis der Liebe Gottes.

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter Nüesch, Kontaktiere den Autor per e-mail: hpnuesch7@gmail.com

Henry Dunant (1828 – 1910)

Vorbilder sind „Lebensbilder“. Es sind Menschen, an denen wir uns orientieren können. Männer und Frauen, die uns inspirieren und ermutigen. Personen wie Du und ich: Durchschnittlich, z.T. erfolgreich und glücklich, manchmal niedergeschlagen und geplagt. Diese Lebensbilder geben uns Orientierung und zeigen uns Möglichkeiten. Sie öffnen neue Türen und erweitern unseren Horizont. 

Dies ist ein Artikel, einer 30 wöchigen Serie über bekannte und weniger bekannte Lebensbilder. Ich wünsche Dir viel Freude beim Lesen und freue mich immer über Kommentare und Rückmeldungen! Wenn Du keinen Beitrag verpassen willst, folge diesem Blog und Du wirst jeweils per E-Mail informiert. 

God bless you,

„Wacht aus Eurer Trägheit auf, aus Eurer schuldhaften Gleichgültigkeit, aus Euren nichtigen provinziellen streitereien, die häufig spitzfindig sind! Verpasst nicht die Gunst des Augenblicks und dieses günstige Jahr!“

Henry Dunant
Henry Dunant

Der Rotkreuzgründer Henry Dunant prägte das Antlitz der Welt wie kein anderer Schweizer. Neben dem Roten Kreuz gründete er den Schweizer CVJM und war Mitbegründer des CVJM- Weltbundes. Daneben half er die Schweizerische Evangelische Allianz ins Leben zu rufen, deren erster Sekretär er war.

Henry Dunant wurde 1828 in eine Genfer Kaufmannsfamilie hineingeboren. Schon früh nahm ihn seine Mutter in die Armutsgebiete in Genf mit, um ihm das Elend zu zeigen, das in den dunklen Gassen herrschte. Dunant:“Damals begriff ich zum ersten Mal, dass ein Einzelner angesichts von so viel Elend machtlos ist, und dass es alle zusammen braucht, um diese furchtbare Not zu beseitigen. 1852 gründete er in Genf zu diesem Zweck den „,Christlichen Verein junger Männer“ und half drei Jahre später bei der Gründung des CVJM-Weltbundes mit. Dunant „,Mein Herz glüht, und ich danke Gott für all das, was er in diesen Jahren getan hat.“ Auf einer Reise nach Italien erlebte er dann die Folgen der Schlacht bei Solverino. „Überall lagen Verwundete und Sterbende. ‚Tutti fratelli‘, ,Alle sind unsere Brüder‘ riefen die italienischen Frauen.“ Damals wuchs in ihm der Wunsch „freiwillige Hilfsgesellschaften“ zu gründen, um „,die Verwundeten in Kriegszeiten pflegen zu lassen.“

Er beschrieb seine Erlebnisse im Buch „Eine Erinnerung an Solferino“ und weibelte an den europäischen Höfen für seine Idee eines weltweiten humanitären Werkes. Er glaubte zutiefst, dass „die Utopie von heute die Realität von morgen“ ist. 1864 erreichte Dunant in der 1. Genfer Konvention im Beisein vieler Staaten, dass die Verwundeten in Kriegszeiten unabhängig von deren Nationalität gepflegt werden. Auf diese Weise erhielt die Idee von neutralen Hilfsgesellschaften in Kriegszeiten die Unterstützung der damaligen Weltmächte. Um die Schweiz als Ursprungsland der Idee zu würdigen, wurde als Erkennungszeichen die Schweizer Fahne in umgekehrten Farben ausgewählt. „Das Rote Kreuz“ wurde zur offiziellen Bezeichnung des weltweiten Hilfswerkes.

Henry Dunant wurde aber innerhalb des Roten Kreuzes schon bald zur unerwünschten Person als Folge eines gescheiterten Windmühleprojektes in Algerien, durch das auch andere Personen zu Schaden kamen. Dunant: „Es war ein grosser Fehler, mich damit zu beschäftigen. Ich bitte Gott und die Menschen voller Reue und Demut dafür um Verzeihung.“ Er wurde zu einer grossen Geldstrafe verurteilt. 1867 verliess er „ sein“ Werk und seine Heimat, um während 20 dunklen Jahren in Europa umherzuirren. Dunant: „Ich hatte grausam zu leiden unter den Folgen meiner Einfalt. Ich war plötzlich völlig mittellos. Oft war das Morgenessen meine einzige Mahlzeit… Nein, ich will mich nicht beklagen. Ich will im Gegenteil Gott danken, denn durch diese Trübsal ist mir mein Heiland köstlicher, teurer und gegenwärtiger geworden.“ Er erwähnt aber auch, wie sehr er durch Eifersucht und Neid sowie die „Feigheit der Pharisäer“ gelitten hätte. 1887 siedelte er ins Schweizerische Heiden, wo er bis zu seinem Tode 1910 wohnen blieb. Ein St.Galler Journalist entdeckt ihn dort und schreibt einen Artikel über den verschollenen Rotkreuzgründer. So wird er wieder an die Weltöffentlickkeit geholt. 1901 wird Henry Dunant der erste Friedensnobelpreis zugesprochen, Wie möchte er der Nachwelt in Erinnerung bleiben? Henry Dunant: „Als Jünger Jesu wie im ersten Jahrhundert und sonst nichts.“

Quelle: "30 kurze Lebensbilder" von Hanspeter Nüesch, Kontaktiere den Autor per e-mail: hpnuesch7(at)gmail.com