Ich kann das ohne!

Ich weiss nicht warum aber irgendwie bin ich mit Bedienungsanleitungen auf Kriegsfuss.

Unbewusst fühle ich mich von diesen mehrsprachigen Heftchen bevormundet. Die Illustrationen erinnern mich manchmal eher an einen schlechten Comic, als an eine Anleitung. Und ausserdem sind diese überflüssigen Papierseiten eine unerhörte Verschwendung von wertvollen Ressourcen! Gründe Genug, Bedienungsanleitungen abzuschaffen!

Eine Tech-Firma hat das schon vor 15 Jahren begriffen. Sie revolutionierte den Markt mit einem intuitiven Handy: Keine Anleitung, einfach auspacken und ausprobieren! Heute funktionieren alle Smartphones so. Wir Männer lieben es! Wir beherrschen dieses hochtechnologische Wunder auf anhieb. Wollen wir weitere Funktionen entdecken, schauen wir online einen „Videohack“ und fühlen uns wie Indiana Jones, der eine geheime Entdeckung macht. Das stärkt unseren Selbstwert! Ob Apple darum so erfolgreich ist ?

Leider gibt es noch zu viele Anleitungen! Was wäre eine Alternative? Gruppenintelligenz! Schon davon gehört? Wenn wir in Gruppen gemeinsam ein Problem angehen, haben wir einen deutlichen Leistungsvorteil. Dies haben diverse Studien gezeigt. Denn, wenn jeder seine Stärken zur Lösung beitragen kann, verschwinden unsere Schwächen in der Summe der Gemeinschaft. Gemeinsam sind wir stark!

Wenn sich allerdings keine Gruppe bilden lässt und die Ehefrau das sperrige Packet im Flur nicht mehr aushält, wird angepackt! So habe ich kürzlich, ausgerüstet mit einem kühlen Bier in der einen Hand und einem Schraubendreher in der anderen,  das Packet aufgerissen und als erstes die überflüssige Anleitung entsorgt. Das hat sich gut angefühlt! Jetzt wird geschraubt, was das Zeug hält. Mir fällt auf, dass ein Verbindungsstück (es kommt 32-fach vor) auf zwei Arten eingesetzt werden kann. Selbstbewusst entscheide ich mich für die logischere Variante.

Eine Stunde Später bin ich fast fertig und freue mich auf die anerkennenden Blicke meiner Frau. Allerdings kriege ich die Regalböden nicht rein, egal wie ich sie drehe und wende. „Haben die etwas falsches geliefert?“ überlege ich mir. „Oder ist das am Ende ein Produktionsfehler?“ Nach einigem ringen, rufe ich meinen Freund an, der das selbe Möbel hat. Er meint, dass alle Teile korrekt geliefert wurden. Ausserdem sei es sehr wichtig, der Bedienungsanleitung zu folgen, da man sonst alles wieder auseinander bauen und von vorne beginnen müsse. 

Der Rückbau ist mühsam und zeitaufwändig. Ich bin genervt! Irgendwann habe ich es dann doch noch geschafft und rufe meiner Frau ein entgeistertes „Das Möbel steht!“ ins Wohnzimmer, werfe mich müde aufs Bett und schaue auf Youtube einige „fails“. Diese Videos voller Missgeschicke Anderer heitern mich etwas auf. Glück gehabt, es gibt also doch noch blödere Menschen als mich!

Ich habe diesen Bericht leicht übertrieben, um etwas deutlich zu machen: Wir Männer wollen es selber können, weil wir dann auf niemanden angewiesen sind. Dann sind wir unabhängig. Unabhängigkeit bedeutet Freiheit!

Kommt dir das auch bekannt vor? Es ist tief in uns Menschen drin; seit Adam und Eva wollen wir „frei“ sein. Wir wollen auf niemanden angewiesen sein, auch nicht auf Gott. Dies ist die sogenannte „Ur-Sünde“.

Ist es eine Sünde, ein Möbel ohne Anleitung zusammenzubauen? Ja und Nein!

Reto Kaltbrunner

JA“, weil der Begriff „Sünde“ ursprünglich übersetzt „verfehlen eines Ziels“ bedeutet. Wer das Möbel falsch zusammenbaut, hat das Ziel verfehlt. Die Anleitung hätte ihm dabei geholfen, nicht zu „sündigen“.

NEIN“, weil Sünde eben mehr ist, als falsch zu handeln. Sünde ist die Trennung von Mensch und Gott. Diese Trennung führt dazu, dass wir das Ziel (eine Beziehung zu Gott) verfehlen. Und diese Zielverfehlung wird in sündigen Taten sichtbar.

Viele Menschen haben sich darum zum Ziel gesetzt, nicht mehr zu sündigen. Aber die Realität ist: Wir werden immer wieder sündigen. Hingegen sagt die Stimme der Hoffnung: Das Ziel ist erreichbar! Einfach auf einem anderen Weg. Nämlich, indem wir zurück zu Gott kommen, Beziehung mit ihm haben und seine Hilfe annehmen!

Dann sind wir genau dort, wo Gott uns haben will: Nahe bei ihm! Und mit der Gemeinschaft von Mensch und Gott ist der Weg für die Gruppenintelligenz geebnet. 

Mir ist aufgefallen, dass Gott nie mit einzelnen Supermännern Geschichte geschrieben hat. Es waren immer Familien (wie bei Noah), Sippen (wie bei Abraham),  Freundeskreise (wie bei Jesus und den Aposteln), Partner (wie bei der Aussendung der 70 Jünger) und Ehepaare (wie Aquila und Priska). Es sieht ganz danach aus, als hätte Gott seine Schöpfung auf „Gemeinschaft“ programmiert. Dieses Zitat von Jesus bringt es auf den Punkt:

„Aber auch das sage ich euch: Wenn zwei von euch hier auf der Erde meinen Vater im Himmel um etwas bitten wollen und sich darin einig sind, dann wird er es ihnen geben. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen zusammenkommen, bin ich in ihrer Mitte.“

Matthäus 18,19&20 (HFA)

Ist es möglich, dass Gruppenintelligenz eine zutiefst christliche Sache ist? 

„Wenn du schwach bist, bin ich stark“

Ich habe mich verändert. Mein letzter Artikel im Magazin „MOVO“ erschien unter dem Titel „Gott will echte Kerle“. Damals habe ich unter anderem grossen Wert auf meine Autorenbeschreibung gelegt: Wie kann ich meine Stärke präsentieren? Wie kann ich den Leser in wenigen Sätzen überzeugen, dass ich eben ein „echter Kerl“ bin? Ja, ich habe mich über meine Stärke definiert und tue es heute noch. Aber auf eine mir neue Art. Denn auch jetzt schreibe ich über Stärke, allerdings aus einer (für mich) neuen Perspektive.

Damals bekam ich diese Verheissung, Gott persönlich ermutigt mich immer wieder dadurch:

„Ich werde euch so viel Gutes erweisen wie nie zuvor.“

Hesekiel 36,11

Voller Erwartung, all dies „Gute“ zu empfangen, kam die Krankheit. Ich schreibe bewusst nicht, dass ich ‚krank wurde‘. Denn die Krankheit ist temporär, sie ist nun für eine Zeit ein Teil meines Lebens. Sie beeinträchtigt zwar meine Leistung, definiert aber nicht wer ich bin. Mein Körper ist schwach, aber meine Seele und mein Geist sind weiterhin gesund. Meine Hoffnung: auch mein Körper wird wieder geheilt! Wenn nicht morgen, vielleicht übermorgen. Aber ganz sicher dann, wenn ich in meinen neuen „ewigen Leib“ leben kann. In dieser perfekten Biotech Maschine, die Gott allen seinen Kindern verspricht (1. Korinther 15,43).

„Meine Kraft reicht nicht mehr. Jesus, ich brauche Dich!“

Immer müde

Es begann vor zwei Jahren. Ich war ständig müde, habe regelmässig bis zu zehn Stunden geschlafen und brauchte einen zusätzlichen Mittagsschlaf. Beim Joggen klebten meine Füsse auf der Strasse, meine Beine waren schwer wie Blei, die Muskeln schmerzten. Eines Tages war ich so schwach, dass ich nicht mehr aufstehen konnte. „Burnout!“ war nicht nur mein erster Gedanke. Auch mein Umfeld war überzeugt, dass mein Körper den übersteigerten Erwartungen nicht mehr nachkommen wollte. Doch abgesehen von den physischen Beschwerden, ging es mir gut. Nach einem vierwöchigen Timeout im Bett, konnte ich mich wieder aufrappeln. Unter grosser Anstrengung versuchte ich da weiterzumachen, wo ich aufgehört habe. Aber es ging nicht. Meine Leistung hat sich dauerhaft auf ca. 60% reduziert und trotz viel Schlaf habe ich mich nicht erholt. „Das ist halt so, mit 40…“ war ein verzweifelter Versuch, das Unerklärliche einzuordnen. Dass der Körper altert und an Kraft verliert, war mir bewusst. Aber so krass? Und in so kurzer Zeit? Das kann nicht sein! Dann kam ein weiterer Rückschlag: Anfang 2020 war ich für einige Wochen nur zu knapp 20% arbeitsfähig.

Die Diagnose

Nach einigen Abklärungen bekam ich die Diagnose: CFS (Chronisches Fatigue Syndrom). Ja, das „C“ steht für „chronisch“ und bedeutet „langwierig, andauernd, fortlaufend“. Meine ersten Gedanken: „Eine chronische Krankheit! Ich? Unmöglich! Dann muss es doch ein Burnout sein.“ Doch auch die Psychologin konnte keine deutlichen Hinweise auf eine psychische Ursache finden. Also musste ich mich damit abfinden, dass der oberste Chef meine Leistungsgrenze nun deutlich zurückgestuft hat. Ich war frustriert. Von einem Burnout hätte ich mich erholen können, ich hätte eine Auszeit genommen, mich in Therapie begeben, mein Leben geändert. So einfach stelle ich mir das zumindest vor. Aber einer chronischen Krankheit sah ich mich hilflos ausgeliefert. Nach dem ersten Schock machte ich mich auf die Suche nach menschlichen Möglichkeiten, mein „Schicksal“ selbst zum Guten zu wenden. Diverse Lebensberichte von Betroffenen gaben mir Hoffnung. So habe ich meine Ernährung umgestellt: keinen Alkohol, keine Gluten und möglichst wenig Zucker. Dazu Nahrungsergänzungsmittel und Vitamine. Und die Anwendung des sogenannten „pacing“ (ich respektiere meine Leistungsgrenze und verbrauche jeweils nur 80% der täglichen Energie). Auch regelmässige Ruhepausen und wenig Stress haben geholfen, dass ich wieder 50% arbeiten kann. Aber was ist mit der anderen Hälfte meiner Energie?

‚Akzeptieren‘ vs ‚Kapitulieren‘

Wass soll ich tun? Als Pastor in einer wachsenden freikirchlichen Bewegung war es immer meine Überzeugung, dass wir Christen Zugang zu unbegrenzter, übernatürlicher Kraft und Gesundheit haben. „Alles ist möglich dem, der glaubt“ und andere Bibelverse haben diese Einstellung befeuert. Doch egal wie viel ich und andere für mich beten, meine körperliche Kraft bleibt klein. Meine natürliche Reaktion ist, die negativen Umstände zu ignorieren, weiterzumachen und „im Glauben“ voran zugehen. Doch mit CFS ist das unmöglich. Denn: Lebe ich über meinem Limit, folgt der „Crash“ – eine Zeit der totalen Erschöpfung. Ich wollte das nicht wahrhaben und probierte mehrmals erfolglos, meine körperlichen Grenzen zu erweitern (und werde es wieder tun). Meine Gedanken kreisen: „Wenn ich nun aber meinen Umstand akzeptiere, dann kapituliere ich… ich kann doch nicht vor der Krankheit auf die Knie gehen!“ Doch Gott hat mir das Gegenteil bewiesen: Er hat mich gelehrt, die Situation zu akzeptieren, damit ich Veränderung erleben kann. Ein Sinnbild dafür ist der Mann, der ständig mehr Geld ausgibt, als er hat. Erst wenn er einsieht, dass er ein Problem hat und bereit ist, ein realistisches Budget einzuhalten, wird sich seine Situation zum positiven verändern. Solange er zu sich sagt „Gott ist mein Versorger, ich muss nur glauben!“ wird er von Monat zu Monat tiefer in die Schulden sinken. So habe ich nach einigem Ringen diese Krankheit akzeptiert: Ich sehe sie als einen Begleiter, der für eine von Gott festgesetzte Zeit an meiner Seite ist. Es ist mein Kreuz, das ich zu tragen habe. Gott mutet mir das zu, er glaubt an mich! In dieser Zeit höre ich Jesus zu mir reden, er lehrt mich und schenkt mir Durchbrüche. Ich erlebe Segen und Freiheit, die ich als gesunder Mann nicht kannte.

„So, Gott, jetzt habe ich meine Lektion gelernt! Du darfst die Übung abbrechen.“ bete ich regelmässig. Denn bis anhin war mir klar, dass Gott Leid und Probleme zu unserem Besten für eine begrenzte Zeit zulassen kann. Nach dem Motto: „Nach der Krise bist du stärker!“ Aber was, wenn die Krise kein Ende nimmt? Die Ungewissheit, wie lange Gott mir das noch zumuten will, belastet mich immer wieder. Darum versuche ich, einen Tag nach dem anderen zu nehmen und zu vertrauen, dass Gott weiss, was er tut. Er ist noch nicht fertig mit diesem Kapitel und meine Veränderung geht weiter.

Schwach-Stark

„Krankheit? Kein Thema! Leid? Erledigt!“ So habe ich das Neue Testament gelesen. „Alle wurden sie geheilt, alle waren sie kraftvoll und gesund. Pausenlos haben die Apostel mit übernatürlicher Kraft für Gott gearbeitet.“ Für die Bibelstellen, die von Leid und Krankheit unter den Aposteln sprachen, hatte ich kein offenes Ohr. Und ja, es gibt eine Menge davon! Timotheus hatte ein schwaches Immunsystem (1. Timotheus 5,23), Epaphroditus (Philipper 2,26) war todkrank und auch Paulus schreibt auffällig oft von seiner körperlicher Schwäche, er hebt sie sogar als Teil von Gottes Plan hervor (1. Kor. 1;27). Die Gemeinde in Galatien lobt er dann auch dafür, wie sie damit umgegangen ist, als Paulus krank war: „… und obwohl meine Krankheit eine Bewährungsprobe für euren Glauben war, habt ihr mich weder verachtet noch abgewiesen.“ (Galater 4,14) Ja, unsere Beziehung zu Gott wird auf „Herz&Nieren“ geprüft, wenn einer unserer geistlichen Vorbilder erkrankt. Ich hörte mal jemanden sagen: „Vertraue nie einem Heilungsprediger, der eine Brille trägt!“ Aber Paulus beweist uns das Gegenteil! Nämlich, dass wir selbst nicht gesund und leistungsfähig sein müssen, um Gott dienen zu können. Unser Dienst wird durch unsere eigene Schwäche weder beeinträchtigt noch unglaubwürdig. Im Gegenteil: Er wird geheiligt! Wo unsere Möglichkeiten aufhören, beginnen Gottes. Sein Geist kann auch durch einen kranken Körper wirken. Um ein gängiges Missverständnis aus dem Weg zu räumen: Wenn Paulus von „Schwäche“ spricht, meint er körperliche – nicht charakterliche Schwäche! Seine Aussagen werden viel zu oft dafür missbraucht, unser eigenes unmoralisches Handeln zu rechtfertigen.

Leiden mit Vision

Es scheint, als müsste unser Leid einem höheren Zweck dienen. Während ich bis vor kurzem davon ausgegangen bin, dass sich alles Leid „weg beten“ oder überwinden lässt, weiss ich jetzt aus eigener Erfahrung, dass „denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen“. Ich sehe noch keine körperliche Heilung, dennoch arbeitet Gottes Geist in mir! Ich habe mich entschieden, dem Heiligen Geist nicht im Weg zu stehen. Ich will sein Werk an mir bewusst zulassen. Mit Freude beobachte ich, wie er mich immer mehr in den Reto verwandelt, der ihm ähnlich ist.

Die Worte von Gott an Paulus verstand ich nie wirklich. Sie haben mich nicht „getroffen“, denn ich habe mich selbst immer als stark erlebt. Aber jetzt, in dieser Zeit der Schwäche, finden diese Worte ihren Weg in mein Innerstes: „… Denn gerade wenn du schwach bist, wirkt meine Kraft ganz besonders an dir. Darum will ich vor allem auf meine Schwachheit stolz sein. Dann nämlich erweist sich die Kraft von Christus an mir.“ 2. Korinther 12:9 HFA

Was ich höre, kann ich glauben. Was ich erlebe, kann mich verändern.

Reto Kaltbrunner

CFS ist in meinem Fall ein effektives Werkzeug in Gottes Hand. Er lehrt mich, wie Er in meiner Schwachheit stark sein will.

Der gesegnete Lügner

werkstoff

Artikel aus dem Buch „Werkstoff“

„Sie dürfen nicht weiterreisen!“

das waren die harten Worte der freundlichen Flugbegleiterin am Flughafen von Ljubljana (Slowenien). Meine Assistentin hat mich fragend angeschaut; was jetzt? Wir waren auf dem Weg zu einer Konferenz in Tirana der Hauptstadt von Albanien. Ich wurde an den „Days of hope“ als Referent erwartet. Und nun stellt sich ein kürzlich abgelaufener Schweizer Reisepass in den Weg.

Was jetzt?

Am nächsten Morgen musste ich früh raus, bin zurück nach Zürich geflogen um einen provisorischen Reisepass zu erwerben, und kam abends nach einem Umweg über Athen erschöpft am Ziel an. Noch nie habe ich so viel gebetet, dass die Flieger pünktlich sind. Das war eine teure Lektion für mich. Aber ich werde nie wieder mit abgelaufenen Dokumenten außerhalb der EU zu reisen versuchen.

Wir alle kennen solche Situationen:

Wir übersehen wichtige Details, machen Umwege, sind schlecht vorbereitet oder verhalten uns auf eine andere Weise falsch.

Dann flehen wir zu Gott, dass er alles wieder in Ordnung bringen möge. Und Gott sei dank ist er gnädig. Denn er legt seine Hand auf unsere Fehler – er deckt sie zu und gibt uns die Chance, es nächstes Mal besser zu machen! So auch Jakob „der Lügner“, der seinen Bruder Esau betrogen hat. Er hörte auf eine schlechte Ratgeberin; in diesem Fall seine Mutter. Und er hat nicht nur seinen Bruder betrogen, sondern auch seinen Vater und mit ihnen alle, die ihm vertraut haben. Er hat gelogen, um gesegnet zu werden.

Den Segen hat er zwar erhalten, allerdings musste er die nächsten 20 Jahre auf der Flucht verbringen. Ob es das wert war?

Und dann erlebt auch Jakob wie es sich anfühlt, wenn man über den Tisch gezogen wird: Sein zukünftiger Schwiegervater verspricht ihm seine Tochter Rahel und lässt ihn dann anstelle von sieben, 14 Jahre für ihn arbeiten. Hat Jakob später wieder gelogen oder betrogen? Es sieht so aus, als hätte er etwas aus seinem Fehler gelernt. Es scheint, die Gnade Gottes sei zum Ziel gekommen. Denn Gott hat Jakob den Segen nicht entzogen, trotz seines hinterlistigen Verhaltens. Ich denke, dies war ein Schlüssel zur Versöhnung. Könntest du deinen Erfolg genießen, wenn du genau weißt, dass alles auf einer Lüge aufgebaut ist? Ich denke nicht. Ein erfülltes Leben ohne schlechtes Gewissen war für Jakob nur durch die Versöhnung mit seinem Bruder möglich. Wahrscheinlich hatte er Gedanken wie: „Wird mich mein Bruder annehmen oder zurückweisen? Wird er mich vielleicht sogar töten?“ Jakob hat all seinen Mut zusammengenommen und sich dieser Herausforderung gestellt. Er hat sich Esau als „dein Diener“ vorgestellt. Doch dieser hat ihm vergeben und umarmte ihn herzlich.

Frieden schließen, aus dem Schlechten etwas Gutes machen, das Minus in ein Plus verwandeln – das ist die Spezialität unseres himmlischen Vaters!

Der Bauchmensch – Wenn der Magen knurrt

werkstoff

Artikel aus dem Buch „Werkstoff“

Wie reagierst du, wenn der Magen knurrt?

Manchmal merke ich nicht, dass ich etwas essen sollte. Dann fragt meine Frau: „Wieso bist du so gereizt? Hast du Hunger?“ Darum ist es nicht zu empfehlen, mit einem hungrigen Mann ein tiefes Gespräch zu führen. Mann bekommt dabei mit großer Wahrscheinlichkeit keine befriedigenden Antworten. Eher solche, die auf ein schnelles Ende des Gesprächs, mit anschließender Verpflegung hinzielen.

Auch sollte man nie einen hungrigen Mann den Wocheneinkauf machen lassen. Es wird dann eher ein Monatseinkauf, wobei der Anteil Fleischwaren deutlich überwiegen wird.

Das erinnert mich an Esau, einen hungrigen Mann aus der Bibel. Er hat in einem sehr hungrigen Zustand eine noch dümmere Entscheidung getroffen. Hunger ist die Meldung des Magens ans Hirn, dass wir Nahrung in Form von Kalorien brauchen, damit der Motor nicht abstellt. Hunger kann auch das Bedürfnis nach Anerkennung, Liebe, Erfolg, Macht, Geld, Adrenalin oder Sex sein. Egal nach was unsere Seele ‚hungert’;

wenn der seelische Magen sehr leer ist, sollten wir keine Entscheidungen treffen.

Oder wenigsten nur solche mit geringer Tragweite. Dies lehrt uns Esau: „Ich muss ja sowieso einmal sterben“, sagte Esau. „Was nützt mir da mein Erstgeburtsrecht?“ Jakob beharrte: „Gut, dann schwöre es mir zuerst.“ Da schwor Esau es ihm und verkaufte so alle seine Rechte als Erstgeborener an seinen jüngeren Bruder.“ 1. Mose 25,32&33 Jakob hätte keinen besseren Moment erwischen können, um mit seinem Bruder dieses „Geschäft“ abzuschließen. Der Profit Esaus war ein voller Magen. Der hält nicht lange hin, bald ist das ganze verdaut und ausgeschieden. Esau hat seine Zukunft für einen Linseneintopf verkauft! Ich schüttle den Kopf, wenn ich das lese.

Gleichzeitig merke ich, dass auch ich in der selben Gefahr bin: Dumme Entscheidungen zu treffen, wenn der Magen knurrt.

Zum Beispiel kommt mir der gestandene Mann in den Sinn: Er war ein Vorbild für Viele. Glücklich verheiratet, Kinder, erfolgreich. Sein Leben lang hat er ein geistliches Erbe aufgebaut und es dann für einen Linseneintopf „verkauft“. Er hat seiner langjährigen Liebe die Ehe gekündigt und alles verloren, was er sich mühsam aufgebaut hat. Er war hungrig und ist fremdgegangen. Eine sehr dumme Entscheidung mit massiven, negativen Auswirkungen.

Aus dem Beispiel Esaus lerne ich zwei Lektionen:

  1. Es gibt Entscheidungen, die muss ich treffen, bevor ich hungrig werde!

  2. Meine Seele wird nur bei Gott satt!

Wer eine Freundschaft mit Gott pflegt, mit ihm redet und sich Zeit nimmt, auf ihn zu hören, der wird weise Entscheidungen treffen. Und die Verbundenheit mit Gott wird ihm helfen, diese Entscheidungen auch in kritischen Situationen durchzuziehen.

Darum lass uns regelmäßig bei Gott den „geistlichen Magen“ füllen und die wichtigen Entscheidungen vor dem nächsten Hunger treffen!

Der Aufbrecher – Faszination Sternenhimmel

werkstoff

Artikel aus dem Buch „Werkstoff“

Es gibt Momente, da fühle ich mich richtig lebendig.

Da bewegt sich etwas tief in mir. Ganz stark spüre ich das, wenn ich zum Beispiel in die Flammen eines lodernden Lagerfeuers schaue. Am besten nachts, unter klarem Sternenhimmel. Alleine, mit meinen Söhnen oder mit Freunden. Es darf auch Winter sein, eisig kalt. Da spüre ich das Leben in mir, die Verbundenheit mit Gott. Ich spüre dann ganz deutlich, dass ich ein Teil von etwas größerem bin, einem ewigen Projekt außerhalb von Raum und Zeit. Verbunden mit den Glaubensvätern Abraham, Isaak und Jakob. Dann überkommt mich eine Ehrfurcht und ich denke „Sie alle haben die selben Flammen betrachtet, den gleichen Sternenhimmel bewundert, den gleichen himmlischen Vater geehrt.“ Und sie haben auch mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen gehabt wie du und ich. Abraham wurde von Gott beauftragt, in ein fremdes Land zu ziehen. Er hätte sicher gerne gewusst, wohin die Reise genau führt. Doch er musste sich mit dieser vagen Umschreibung zufrieden geben:

„… und geh in das Land, das ich dir zeigen werde!“ 1. Mose 12,1.

Dann war da noch das göttliche Versprechen, dass der etwas in die Jahre gekommene (und immer noch kinderlose) Abraham viele Nachkommen haben wird. „Schau hinauf zum Himmel. Kannst du etwa die Sterne zählen?“ Dann versprach Gott ihm: „So zahlreich werden deine Nachkommen sein!“ 1. Mose 15,5

Wenn ich also nachts im Freien sitze, so sehe ich die Sterne, die Gott schon Abraham gezeigt hat.

Die Sterne sind mehr, als ein wunderschöner Hingucker.

Sie sind ein Denkmal: Denn sie erinnern uns an unseren Glaubensvater, der sich auf Gottes Versprechen verlassen hat. Der sich Gottes Führung anvertraut hat. Wenn ich die Sterne betrachte, sehe ich das erfüllte Versprechen Gottes. Dann habe ich die Millionen Nachkommen Abrahams, das Volk Israel und uns Christen, vor meinem inneren Auge.

Dann sehe ich Gott, der seine Versprechen erfüllt.

Ich bekomme den ewig treuen Schöpfer vor Augen geführt. Er war Abraham treu, er ist mir und dir treu! In Abrahams Situation mag die Entscheidung, sein Land zu verlassen und in ein neues, unbekanntes Land aufzubrechen, für Kopfschütteln gesorgt haben. Es kann gut sein, dass auch Abraham den Sinn dahinter in Frage gestellt hat.

Doch die Aufforderung Gottes war für ihn Grund genug, ihr nachzukommen.

Entgegen allen Neinsagern und Zweiflern. Und wenn auch ihn die Zweifel gepackt haben, hat er nachts sein Zelt verlassen, hat seinen Blick weg von den Zweifeln, hin auf die unzählbaren Sterne gerichtet und wurde neu ermutigt, Gottes Pläne zu erfüllen. Gott sucht nach Männern, die sich auf ihn verlassen. Er sucht Partner, die ihm vertrauen und bereit sind, Risiken einzugehen. Gott sucht Männer die bereit sind, Altes zurück zu lassen und aufzubrechen. Bist du von diesem Schlag? Dann bist du ein Mann wie Abraham, Isaak oder Jakob, ein Mann des Glaubens.

Lass uns immer wieder unsere Zelte verlassen, den Sternenhimmel betrachten, neuen Mut schöpfen und den nächsten Schritt wagen!

Flasche leer – 500 Jahre Reinheitsgebot

Mein Schwager hat einen entscheidenden Vorteil: Er arbeitet in einem Getränkemarkt und „segnet“ mich immer wieder mit exklusivem Bier. Wenn ich ein spezielles Bier bekomme oder eine Bierflasche mich an einen einmaligen Abend erinnert, erhält sie einen Platz auf meinem Regal im Geräteschuppen. Das Regal ist nicht groß, deshalb sind es wenige Flaschen, dafür umso exklusivere Exemplare. Erinnerungen! Niemals würde ich auf die Idee kommen, eine leere Falsche zu kaufen um ihr diesen Ehrenplatz zu geben. Niemand kauft leere Bierflaschen… Denn der Inhalt ist entscheidend, darauf kommt es an: Kühles Blondes, Weizen, Ale, etc. Und bald heißt es „Flasche leer!“.

Manchmal fühle ich mich wie eine Flasche im Altglas (falls Flaschen überhaupt Gefühle haben).

Nicht „doof“ sondern „leer“. Schlechtes Gefühl! Dann muss etwas her, um diese Leere wieder zu füllen! Nur was? Jede Flasche hat ihre Füllung, was füllt mich? Vieles füllt, hält aber nicht lange hin. Nur etwas ist wirklich nachhaltig. Oder treffender ausgedrückt „nur jemand“. Nur „einer“ kann mich auf diese eine Weise erfüllen, dass mein Inneres sich in allen Situationen geborgen weiß, definitiver Frieden einkehrt und ich das Gefühl habe, endlich zu Hause zu sein!

Gott hat „die Ewigkeit in unsere Herzen gelegt“ (Prediger Kapitel 3, Vers 11). Wir alle haben eine tiefe Sehnsucht nach Erfüllung und gelangen ständig an unsere Grenzen, beim Versuch diese zu stillen. In anderen Worten: Uns fehlt Gott, ähnlich einer leeren Bierflasche das Bier. Unvollständig! Ist dieser Vergleich daneben?

Uns ist klar, dass Bier nur die Blase und nicht das Herz füllt!

Ich möchte mit diesem Vergleich etwas Tieferliegendes aufzeigen:

Gott ist der einzige, der unserer tiefen Sehnsucht nach Frieden und Erfüllung begegnen kann. Er ist der Urheber dieser Sehnsucht und kennt somit auch die Lösung. Er selbst ist die Lösung. Wenn Gott mit seiner Kraft in einem Menschen wohnt, ist dieser Mensch vollständig. Nun stellt sich die Frage: Kann Gott auch mich erfüllen? Und wenn JA, wie geht das? Genauso wie wir Menschen uns nach Gott sehnen, sehnt er sich nach uns! Gott wünscht sich nichts mehr, als der Mittelpunkt unseres Lebens zu sein. Da sich echte Liebe nicht aufzwingen kann, hat er diese Sehnsucht in uns gelegt. Mit dem Ziel, uns zu sich zu ziehen. Wenn wir Menschen darauf antworten und uns Gott zuwenden, werden auf einen Schlag zwei Sehnsüchte gestillt: Gottes Sehnsucht nach uns und unsere Sehnsucht nach ihm.

 

Zurück zum Gerstensaft: Bier, nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut, wird in saubere Flaschen abgefüllt. Entweder sind es neue oder sonst sauber gereinigte Flaschen. Nie würde ein Brauer sein edles Gebräu in schmutzige Flaschen füllen. Genauso unmöglich ist, dass Gottes Kraft in einem unreinen Menschen wohnt. So sehr sich Gott die Nähe zu uns wünscht; es ist nicht möglich, dass ein reiner, heiliger Gott mit einem unreinen Menschen Gemeinschaft haben kann. Sicher hat David darum folgende Zeilen geschrieben:

«Reinige mich von meiner Schuld, dann bin ich wirklich rein; wasche meine Sünde ab, und mein Gewissen ist wieder weiß wie Schnee!» Psalmen 51,9

David war sich bewusst, dass etwas zwischen ihm und Gott gestanden hat. Er wusste, dass seine Fehler ihn von Gott getrennt haben. Doch er ließ sich nicht davon abhalten, Gottes Nähe zu suchen!

„Ich aber darf dir immer nahe sein, mein Herr und Gott; das ist mein ganzes Glück!“ Psalm 73,28

Er kannte Gott. Er wusste, dass auch Gott bei ihm sein wollte. Und er wusste, dass Gott alles unternehmen würde, um diese Hürde zu überwinden. Gott würde sein Bestes geben, um David zu reinigen, damit sie sich wieder nahe sein könnten!

Genau das hat Gott getan! Wie? In der Bibel lesen wir viel zum Thema Reinheit. Bereits im alten Testament wird die reinigende Kraft Gottes sichtbar. So wird zum Beispiel beschrieben, was man zu tun hatte, wenn man von Aussatz geheilt (gereinigt) wurde. Mit Aussatz sind verschiedene Hauterkrankungen gemeint. Im übertragenen Sinn kann man Aussatz auch als Symbol für Sünde deuten, denn der Aussatz verunreinigte den Betroffenen. Dadurch wurde er von der Gesellschaft ausgeschlossen. Erst wer „gereinigt“ war, durfte wieder Teil der Gesellschaft werden. Die Reinheit musste von einem Priester bestätigt werden. Dann führte dieser ein Ritual mit dem Geheilten durch, das schon dazumal auf Jesus hingewiesen hat. Im 3. Mose, Kapitel 14 wird beschrieben, dass der Priester zwei reine Vögel für das Reinigungsritual braucht: Den einen hat er getötet und den anderen fliegen lassen. Ein eindrückliches Bild für den kommenden Tod und die darauffolgende Auferstehung Jesu. Ein früher Wegweiser, der auf die endgültig reinigende Tat unseres Superheroes gezeigt hat! Jesus hat sein Blut vergossen, dass wir rein sein können. Jesus ist gestorben, damit wir leben können. Er wurde einsam, damit wir ihm nahe sein können.

«Darum wollen wir uns Gott nähern mit aufrichtigem Herzen und im festen Glauben; denn das Blut Jesu Christi hat uns von unserem schlechten Gewissen befreit, und unser Körper wurde mit reinem Wasser von aller Schuld reingewaschen.» Hebräer 10:22

Was einen Menschen verunreinigt, ist also die Schuld. Viele haben die Überzeugung, dass mit „Sünde“ einzelne Taten gemeint sind. Das ist falsch, denn Sünde ist viel eher das Verfehlen des Ziels. Gott hat uns als seine Söhne geschaffen. Wer nicht in dieser Identität lebt, verfehlt das Ziel und lebt in der Sünde. Wer zu Gott als Vater „JA“ sagt, der lebt im Plan Gottes. Die Sünde kann ihm den Weg zum Ziel nicht länger blockieren, auch wenn er immer wieder Fehler begeht. Jesus hat für seine Fehler bezahlt und wird ihm alles was er bereut vergeben.

Jesus antwortete: »Wer gebadet hat, der ist ganz rein. Ihm braucht man nur noch den Straßenstaub von den Füßen zu waschen. Ihr seid alle rein.« Johannes 13:10

Hier versichert Jesus seinen Jüngern, dass sie einzig durch das Vertrauen auf ihn, den Sohn Gottes, rein sind. Und dass einzelne Taten nicht mehr das Potential haben, sie aus der Gemeinschaft mit Gott zu reißen.

Ich bin also nicht die Summe meiner Taten.

Sonst wäre ich Gott fern, wenn ich einen Fehler mache oder eine falsche Entscheidung treffe. Und ich könnte ihm durch richtiges Verhalten nahe sein. Nein, meine Identität definiert sich nicht durch meine Taten. Sondern ich bin gereinigt, versöhnt mit Gott. Ich bin, was Gott über mich sagt: Sein Sohn! Und wer selber Kinder hat, der weiß: Einmal Kinder, immer Kinder. Auch wenn sie sich mal daneben benehmen, sie bleiben meine Kinder! Auch wenn sie erwachsen werden, sie bleiben meine Nachkommen! Und das ist gut so.

Ich erinnere mich an diese eine Fahrt ins Herbstcamp unserer Kirche. Alleine mit drei meiner Jungs bin ich nach Südspanien gefahren. Meine Frau und das Baby haben den Flieger genommen. Während der 14 stündigen Fahrt haben meine Söhne gesungen, gelesen, aus dem Fenster geschaut, Fragen gestellt. Aber je länger die Fahrt dauerte, desto ungeduldiger wurden die Testosteron gepumpten Jungs. Wir alle waren mal Jungs und wir alle wissen wie es ist, wenn man sich bewegen will, aber nicht kann. So hat mich die Fahrt ins Ferienparadies je länger je mehr überfordert. Und ich hab mich gefragt, was ich mir um alles in der Welt dabei gedacht habe, mich alleine mit diesen jungen Wilden auf den Weg zu machen.

Wäre mir Neil Armstrong in diesen Momenten begegnet und hätte er mir drei Einwegtickets zum Mond angeboten… – ich hätte angenommen und wäre alleine weitergereist!

Als wir am nächsten Tag zusammen am Strand spielten, waren die Strapazen der Reise schnell vergessen: Jetzt war ich erleichtert, dass uns kein Astronaut begegnet ist! Aus diesen Strapazen habe ich gelernt, und plane unsere gemeinsamen Reisen seit da anders. Keine Angst; meine Jungs kommen auch in Zukunft mit in die Ferien! Auch nach diesem Erlebnis möchte ich mit ihnen zusammen sein. Denn ich liebe sie über alles! Wenn schon wir menschlichen Väter unsere Kinder so gerne haben, wie viel mehr liebt der himmlische Vater seine Kinder? Gott, dein Vater, möchte nie mehr ohne dich sein! Denn du bist einer seiner Söhne und gehörst für immer zu seiner Familie!

„Denn ich bin ganz sicher: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Dämonen, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch irgendwelche Gewalten weder Hohes noch Tiefes oder sonst irgendetwas können uns von der Liebe Gottes trennen, die er uns in Jesus Christus, unserem Herrn, schenkt.“ Römer 8, 38&39

 

Jedermann kann Gott nahe sein und hat so Zugang zu einem erfüllten Leben. Erfüllt mit Gottes bedingungsloser Liebe. Das ist, was du wirklich brauchst!

Pimp your Marriage

pimpyourmarriageIch bin kein Sexualtherapeut und habe keine professionelle Ausbildung im Bereich Sexualität. Mindestens nicht auf dem Papier – in der Praxis habe ich schon einige Erfahrungen gesammelt. Mit meiner Ehefrau. Dieses Jahr feiern wir unseren 13. Hochzeitstag. Und JA: wir haben immer noch Sex! Mal mehr, mal weniger, mal besseren, mal schlechteren Sex.

Ich habe mich dafür entschieden, offen mit dir zu sein. Es ist wichtig, dass wir über Sex reden (bzw. schreiben). Denn genau da beginnen die Probleme! Bei der fehlenden oder falschen Kommunikation. Nein, ich denke nicht an die Gespräche mit den Kumpels in der Kneipe beim Bier. Was ich meine: Kannst du mit deiner Frau über euren Sex reden? Hast du ihr gesagt, was dich antörnt? Wie oft du mit ihr schlafen willst und welche sexuellen Dinge du mit ihr erleben möchtest? Und umgekehrt: Kennst du ihre Vorlieben und No-Go’s?

Wenn es darum geht, meiner Frau zu sagen was ich mir wünsche, spüre ich oft eine Hemmschwelle. Warum ist das so? Weil ich dann das Risiko eingehe, abgelehnt zu werden. Kein Mann wird gerne abgelehnt. Allerdings: Wer Sex als Tabuthema behandelt, bespricht einen entscheidenden Teil der Ehe nicht. Andere Dinge, wie das Familienbudget oder die Ferienplanung, diskutieren wir – dann sollten wir auch den Sex nicht dem Zufall überlassen. Das Resultat der Haltung „über Sex spricht man nicht“ ist meistens Entfremdung. Und schlechter Sex. Und Unzufriedenheit, was zu Vorwürfen führen kann. Wer bei gegenseitiger Schuldzuweisung angelangt ist, hat den Teamgeist begraben. Game Over.

Wer guten Sex will, muss also eine Sex-Kultur entwickeln. Aber wie?

 

EINSTELLUNG

„Meine Lust ist nicht normal.“

Sex ist wichtig für eine glückliche Ehe. Viele ziehen diese wunderbare Erfindung Gottes in den Schmutz. Aber das macht Sex noch lange nicht zu etwas dreckigem. Wenn ein Mann seine Lust auf Sex als etwas Negatives sieht, lacht sich der Teufel ins Fäustchen. Denn Gott hat unsere Sexualität als etwas reines, sogar als etwas Heiliges geschaffen. Der Dreck kommt nicht mit der Lust, sondern mit dem falschen Umgang damit.

Gott ist FÜR Sex! Hätte Gott etwas gegen Sex, hätte er uns als geschlechtslose Teletubbies erschaffen. Sexuelle Lust ist gottgegeben. Lebe sie mit deiner Frau aus!

 

DRUCK

„Wenn du mir nicht gibst, was mir zusteht, dann hole ich es mir halt woanders.“

Druck erzeugt Gegendruck und ist oft ein Zeichen von Hilflosigkeit. Wer nicht weiss, wie er seine Frau gewinnen kann, wird auf zweifelhafte Methoden zurückgreifen und seine Frau dabei verlieren. Mein Ziel ist, meiner Frau meine Wünsche offen kommunizieren zu können. Ohne ihr dabei das Gefühl zu geben, dass sie mir das alles gleich heute geben muss. Ich sehe die Ehe als ein Abenteuer: Wir haben Jahre Zeit, uns zu verbessern und Dinge auszuprobieren. Nimm es locker wenn’s mal im Bett nicht so „flutscht“, denn du bist noch eine Weile verheiratet!

 

FOKUS

„Mit einer anderen Frau hätte ich mehr und besseren Sex.“

Wer diese teuflische Hintertür öffnet, stiehlt sich aus der Verantwortung. Er reduziert die gemeinsame Sexualität auf das Verhalten einer Person („SIE ist schuld!“). Dieser Mann ist zu faul, sich selbst zu hinterfragen und etwas zu ändern. Die Wiese auf der anderen Seite des Zauns ist nicht grüner! Meine Wiese hat so viel Qualität, wie ich Zeit und Energie darin investiere. Je mehr ich mich auf meine Frau fokussiere, desto weniger reizen mich andere Frauen. Ich kriege den Fokus auf meine Frau nur scharf, wenn ich aufhöre fremdzugehen! Keine weiteren „mit der wär’s perfekt“-Gedanken. Keine weitere Lustbefriedigung durch andere Frauen (z.B. Porno oder Fremd-schauen). Und keine Gefühle für andere Frauen pflegen (egal, wie viel Bewunderung sie schenkt).

 

TEAM

„Ich habe das Abendessen aufgeräumt und trotzdem gibt’s keinen Sex.“

Ich erwische mich ab und zu dabei, wie ich mir Sex verdienen möchte. Und dann bin ich enttäuscht wenn’s nicht funktioniert. Sex taugt nur selten als Belohnungs-System. Vielmehr ist Sex eine logische Konsequenz einer funktionierenden Teamarbeit. Die Herausforderung ist, dass wir Männer nicht den ganzen Tag anwesend sind. Aber wir können trotzdem da sein! Ich kann meiner Frau tagsüber eine SMS schreiben, kurz anrufen, nachfragen. Zeigen, dass ich an sie denke und mich für sie interessiere. Sie wird merken, dass sie mehr für mich ist. Mehr ist als ein Körper, der am Feierabend die Lust des Ehemannes befriedigen muss. Ich bin überzeugt: Wer tagsüber mit seiner Frau kommuniziert, wird eher eine Verbindung mit ihr haben und muss diese nicht mühsam nach dem Arbeitstag herstellen (z.B. mit ’stundenlangem zuhören‘). Team im Alltag, Team im Bett!

 

BERÜHRUNGEN

„Du berührst mich nur, wenn du mit mir ins Bett willst!“

Das blöde an dieser Aussage ist, dass sie oft wahr ist… Ein Freund hat mir erklärt, dass sich tägliches Küssen (mindestens 6 Sekunden am Stück), positiv auf die Beziehung auswirkt. Die Körperliche Verbindung muss aufrechterhalten bleiben. Es muss nicht immer eine lange Rücken- oder Fuß Massage sein: Zärtliche Berührungen zwischendurch halten den Motor am laufen!

 

VISION

„Wie ist euer Sexleben?“ „Welches Sexleben?“

Damit diese Aussage nicht Realität wird, brauchen wir ein Ziel. Wohin wollen wir uns entwickeln? Wie soll unser Sex in zehn Jahren sein? Und welche Schritte müssen wir dafür gehen? Sex ist ein Lebens-Projekt., das man aktiv gestalten muss! Denn die Sexualität entwickelt sich immer in die eine oder andere Richtung: Wer investiert, wird profitieren. Wer es dem Zufall überlässt, wird unter Umständen in einem fremden Bett zu sich kommen. Setze dich mit deiner Frau zusammen. Plant Auszeiten, Kinderfreie Stunden und schafft Raum, damit sich eure Sexualität entwickeln kann!

Gott will echte Kerle

????????????????????????????????????????‚Christliche Männer sind Warmduscher. Sie haben keine Ecken und Kanten, keine eigene Meinung. Ihr grösstes Abenteuer besteht darin, Sonntags die Predigt aufzuzeichnen. Oder die Kirchen-Kollekte einzusammeln. Ihre Leben sind langweilig und eintönig.‘ Hast du solche Sätze auch schon gehört? Oder hast du dich schon dabei erwischt, wie du solche Gedanken hattest?

Christen waren tatsächlich ein Grund, wieso ich keine Freundschaft mit Gott haben wollte. Insgeheim dachte ich, dass ich auch ’so‘ werden müsste, wenn ich mein Leben Gott übergeben würde. Davor hatte ich Angst! Es pumpte zu viel Leben in meinen Adern, als dass ich einen so angepassten und unspektakulären Lebensstil annehmen würde.
Dann war da auch dieser Bibelvers, dass es das Ziel eines jeden Menschen sei, Jesus ähnlicher zu werden 1. Dieser Satz hat mir den Weg zum Himmel versperrt. Kein Wunder, denn ich habe ihn selbst gedeutet – und völlig falsch verstanden. Heute lasse ich mir die Bibel vom Heiligen Geist erklären, damals nicht. Mein Bild von Jesus war geprägt von den Geschichten mit den Schafen, dem toten Körper am Kreuz (wer interessiert sich schon für einen toten Gott?), der damit verbundenen Selbstaufgabe und einem auf Birkenstock basierendem Kleidungsstil. Wer möchte einem solchen Jesus ähnlich werden? ‚Ich nicht!‘ dachte ich. Das Problem war allerdings nicht Jesus, sondern meine fehlende Perspektive auf den wirklichen Jesus. Dem auferstandenen, herausfordernden, allmächtigen Jesus musste ich zuerst noch begegnen.
Gott sei dank habe ich eine lebendige Kirche am Puls der Zeit kennen gelernt. Und mit ihr Männer, die nicht einfach ‚an Gott glauben‘. Sondern einem Jesus nachfolgen, den ich noch nicht wirklich kannte. An ihren Leben konnte ich sehen, dass ein Leben mit Gott auch Spass machen kann. Und dass Gottes Kraft real erlebbar ist. Diese Menschen haben mein Leben gerettet! Denn heute ist Jesus nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken.
Leider glauben noch zu viele Männer an einen gesellschaftlich korrekten, angepassten, langweiligen Jesus. Dass aber Jesus nicht realitätsfremd ist, sehe ich in echten Kerlen:

Echte Kerle sind mutig!
Gott hat uns Kerle von Natur aus risikofreudig programmiert. Manche von uns haben diese Risikofreude allerdings verloren. Oder mussten sie loswerden, weil sie zu fest angeeckt sind. Eventuell wegen der weiblich geprägten Erziehung: Wenn der Vater zu viel abwesend war, die Kindergärtner und Lehrer fehlten und auch noch der Sonntagsschulunterricht von Frauen gestaltet wurde. Versteh mich nicht falsch; ohne Frauen können wir einpacken! Aber ich bin mir sicher, dass den Jungs einige männliche Vorbilder in der Kirche, Schule und Beruf gut tun würden. Männer kommen mit der Sehnsucht nach Risiko und Abenteuer zur Welt. Es ist in unserer DNA. Wir wurden von Gott in der Wildnis erschaffen, unsere Frauen im Garten Eden 2. Vielleicht ist dies der Grund, dass du dich immer wieder nach einem neuen Abenteuer sehnst, aus dem grauen Alltag ausbrechen willst?! Risiken halten uns am Leben. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass ohne Risiko und Abenteuer das männliche Herz stirbt.
Wenn du ganz tief in dich hinein horchst- hörst du die Sehnsucht nach Risiko rufen?
Wann bist du das letzte Mal auf diese Stimme eingegangen? Wann hast du etwas getan, das Mut brauchte? Von dem du nicht sicher warst, ob es gut kommt oder in die Hose geht?

„If you never try, you’ll never know!“ – „Wenn du’s nie versuchst, wirst du’s nie wissen!“ 3

Ich habe einen guten Freund 4, den ich sehr bewundere. Er ist Mitte 40, glücklich verheiratet, hat zwei Teenager, einen guten Job, ein Haus, ein Auto, ein Motorrad, ein Golfset und was man alles sonst noch so hat. Besser gesagt ‚hatte‘ er das alles. Im August 2013 traf er eine mutige Entscheidung. Er hat alles verkauft und ist mit seiner Familie ausgewandert. Nicht in die USA. Auch nicht nach Spanien. Nach Kambodscha! Er und seine Familie haben den Traum, eine Kirche zu starten, die gesellschaftlich relevant und am Puls der Zeit ist.
Das Risiko: Eine völlig andere Kultur, schwierige Sprache, tiefer Lebensstandard, drohende Krankheiten, keine Erfolgsgarantie.
Der Gewinn: Leben.

Wenn immer wir mutig auf Gottes Stimme hören und seinen Willen tun, gehen wir ein Risiko ein. Gleichzeitig entscheiden wir uns fürs Leben. Das kann auch weniger spektakulär klingen. Die Auswirkungen sind allerdings immer weltbewegend! Wie zum Beispiel der Mann, der für seine scheinbar hoffnungslose Ehe kämpft, mit seiner Entschiedenheit aber ein eindrückliches Vorbild für seine Kinder ist. Oder der erkrankte Mann, der trotz vernichtender Diagnose Gott vertraut und mit seiner positiven Lebenseinstellung andere motiviert.

Echte Kerle sind Männer, die mutig auf Gott hören und ebenso mutig seinen Willen tun.

Echte Kerle sind stark!
Wie reagieren wir, wenn wir mutig Gottes Willen tun, und dabei das Ziel trotzdem verfehlen? Wie gehen wir mit Niederlagen um?
Ein echter Kerl kann anderen und sich selbst vergeben. Dies kann er, weil er erlebt hat, wie Gott ihm vergeben hat. Das ist Stärke! Es ist das Bewusstsein, dass ich selbst nicht so wichtig bin – dafür Gott umso wichtiger ist. Das ist innere Stärke, die von außen sichtbar wird.
Immer wieder hören wir tragische Geschichten von Männern im Burnout. Geschichten von Männern, die über ihre Grenzen hinaus gehen. Wir alle haben diese Tendenz. Manchmal versuchen wir Stärke zu beweisen, indem wir wie Tiere arbeiten. Oder extrahart trainieren. Aber echte Stärke kommt von innen. Einige Männer erkennen den Zeitpunkt, indem sie die Notbremse ziehen müssen. Vielleicht warnt sie ein guter Freund oder ihre Ehefrau. Sie hören hin und lassen sich etwas sagen. Stärke bedeutet, seine eigenen Grenzen zu akzeptieren. Es bedeutet, die Warnungen nicht zu ignorieren.
Gleichzeitig bedeutet Stärke, sich auf Gott zu verlassen. Er macht die Dinge möglich, für die meine Ressourcen nicht ausreichen: „Dabei hilft uns der Geist Gottes in all unseren Schwächen und Nöten.“ 5. Sich auf Gott zu verlassen, ist nicht immer einfach. Denn sein Timing ist nicht automatisch mein Timing. Stark bin ich, wenn ich weiss, dass Gottes Zeitplan perfekt ist und ich danach handle. Mal heisst das warten, ein anderes Mal heisst das Vollgas geben.
Starke Kerle stehen zu ihren Fehlern und Schwächen. Sie wissen, dass Gott immer offene Arme und ein weites Herz für sie hat: Egal, wie tief sie gesunken sind. Egal wie schwer sie versagt haben. Wer umgefallen ist, sollte nicht liegenbleiben sondern Gott suchen! Wer einen Fehler gemacht hat, sollte sich nicht verstecken sondern Gott entgegen rennen! Gott entgegen rennen kann ich, indem ich meine Schuld bereue und ihm meine Sünden bekenne. Gott umarmen kann ich, indem ich seine Vergebung annehme.

Echte Kerle sind Männer, die nicht alles richtig machen, aber wissen, dass Gott sie immer mit offenen Armen empfängt.

Mutige und starke Männer braucht die Gesellschaft! Und wenn du ehrlich zu dir bist, willst auch du ein solcher Mann sein! Jeder von uns möchte am Ende seines Lebens zurückschauen und sagen können: „Ich war mutig. Ich war entschlossen. Ich bin wieder aufgestanden. Ich habe etwas bewegt.“
Jeder Mann möchte ein Erbe hinterlassen. Etwas, das uns überdauert. Darum: Geben wir nicht auf! Werden wir nicht müde, Gottes Stimme ehrlich zu suchen! Bemühen wir uns mit aller Kraft, das Gehörte zu tun! Raufen wir uns nach Niederlagen wieder zusammen! Nehmen wir Hilfe in Anspruch, wenn wir alleine nicht weiterkommen! Stehen wir wieder auf! So werden wir als Helden in die Geschichte eingehen. Vielleicht finden nicht alle einen Platz in den Geschichtsbüchern, aber sicher in den Herzen der Menschen. Und worauf es am meisten ankommt: Wir finden einen Platz in Gottes Herzen. Denn alles was wir mit Gott tun, hat Ewigkeitswert!

„Gott wird jedem den verdienten Lohn geben.“ 6

Gott kann aus jedem Mann einen echten Kerl machen. Nimm die Herausforderung an!


Artikel erschienen im Männermagazin MOVO: http://www.movo.net

1 Die Bibel (HFA), Römer 8,29: Wen Gott nämlich auserwählt hat, der ist nach seinem Willen auch dazu bestimmt, seinem Sohn ähnlich zu werden, …

2 Die Bibel (HFA), 1.Mose 2,7&8&22: Da nahm Gott Erde, formte daraus den Menschen und blies ihm den Lebensatem in die Nase. So wurde der Mensch lebendig. Dann legte Gott, der Herr, einen Garten im Osten an, in der Landschaft Eden, und brachte den Menschen, den er geformt hatte, dorthin. Aus der Rippe formte er eine Frau und brachte sie zu dem Menschen.

3 Zitat aus einem Song von Coldplay

4 Andreas Strupler hat mit seiner Familie in Siem Reap, Kambodscha eine ICF Kirche gegründet

5 Die Bibel( HFA), Römer 8,26

6 Die Bibel (HFA) Epheser 6,8a