Samuel Hebich (1803 – 1868)

Samuel Hebich

„Gottes Geist soll uns treiben; aber um ihn zu hören, muss man innerlich stille sein, sonst treibt uns unser eigener Geist.“

Samuel Hebich

Der aus dem Württembergischen stammende Samuel Hebich war in mancher Hinsicht ein moderner Apostel Paulus. Nach der Ausbildung am Seminar der Basler Mission reiste er 1834 zusammen mit zwei weiteren Missionaren an die Westküste Indiens aus, in Gebiete, in denen zuvor noch nie eine christliche Mission tätig gewesen war.

Seine kaufmännische Ausbildung kam ihm bei der Gründung von Katechetenschulen, Spinnereien und Ziegelbrennereien zu Hilfe. Dabei setzte er sich dafür ein, dass bei aller Sorge um die Verbesserung der Lebensumstände die Verkündigung des Evangeliums nicht zu kurz kam. Er selbst besuchte regelmässig die Basare und hinduistischen Pilger-und Opferfeste, um vom einen wahren Gott zu reden, der sein Leben für die Menschen gegeben hat. Er erlebte immer wieder, wie man ihn mit Steinen bewarf oder Elefanten auf ihn hetzte. Trotzdem liess er sich durch keine noch so widrigen Umstände davon abhalten, die freimachende Botschaft von Jesus Christus weiterzugeben. Seine Haltung: „Ich tue das oft freudig, oft auch sehr niedergebeugt. Mein Satz ist aber der: je mehr die Leute toben, desto mehr muss ihnen gepredigt werden in der Kraft des Herrn…. Und eine Predigt, die nicht sticht, ist ohne den Heiligen Geist.“ Wo sah Hebich Gottes Geist am Wirken: „Die Gotteskraft besteht in der Liebe, die Liebe ist das Grosse: Gott lieben, Jesus lieben, die Brüder lieben, eine ganz verlorene Welt lieben, und warum? Weil er uns zuerst geliebt hat.“

Weil Samuel Hebich mit Erfolg auch zu den in Indien stationierten englischen Garnisonen predigte, deren Soldaten nach einiger Zeit jeweils an andere Orte versetzt wurden, sprach man später von den „Hebich-Kindern“ in aller Welt. Samuel Hebich predigte das Evangelium furchtlos und ohne jede Zurückhaltung, indem er den einfachen wie gebildeten Menschen ihre Sündhaftigkeit und die Möglichkeit der Vergebung aufzeigte. Hebich: „Wer den engen Weg weiter macht, verfälscht das Evangelium.“ Zentrale Begriffe waren für ihn Umkehr und Heiligung angesichts des drohenden Gerichts Gottes. Sein Ziel war es, Menschen aus der Finsternis ins Licht Christi zu führen. Er erlebte neben Widerstand auch immer wieder erweckliche Aufbrüche, wodurch ganze Gebiete grundlegend verändert wurden.

Nach 25 jährigem Dienst in Indien in die Schweiz zurückgekehrt predigte Hebich gegen eine lau geworden Christenheit und ein „Schaumchristentum“, das die Kraft Gottes verleugnete. „Eine fromme Welt, die nicht bekehrt ist, ist auch bloss tote Welt.. Über allem, was Gott tut, muss mir das Herz hüpfen.“ Das trug ihm manche Anfeindungen nicht zuletzt aus kirchlichen Kreisen ein. Gleichzeitig wurden selbst einflussreiche Persönlichkeiten Jünger/innen Jesu und öffneten dem Evangelium Tür und Tor. Sein grösstes Verdienst ist, dass er mit seiner 25 jährigen Missionsarbeit in Indien ein solides Fundament der indischen Kirche gelegt hat.

Von Samuel Hebich wird gesagt, dass er oft halbe Nächte im Gebet und mit dem Lesen der Bibel verbrachte, „Wir müssen in Gottes Wort hineingehen, und zwar graben darin und suchen und forschen. Ein rechter Bibelleser hat keine Zeit, Unnützes zu lesen – ein paar wichtige Sachen aus dem Reich Gottes und der Mission; aber das Wichtigste ist, das Buch zu lesen.“

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter Nüesch, Kontaktiere den Autor per e-mail: hpnuesch7@gmail.com

Christian Friedrich Spittler (1782 – 1867)

Christian Friedrich Spittler

„Was hilft’s, wenn wir beim warmen Ofen und einer Pfeife Tabak die Notstände der Zeit bejammern; Hand anlegen müssen wir, und sei es auch ganz im Kleinen.“

Christian Friedrich Spittler

Zur Zeit der napoleonischen Wirren war Basel voller Soldaten, die zum Teil aus weit entfernten Ländern gekommen waren, um als Alliierte die Angriffe Napoleons abzuwehren. Spittler wurde 1805 zum Sekretär der Christentumsgesellschaft berufen, die 1780 auf Initiative des Augsburger Pfarrers Johann August Urlsperger „zur Beförderung wahrer Gottseligkeit“ gegründet worden war. Spittler wandte sich an die Basler Bevölkerung, ihre Herzen für die Menschen aus allen Herren Länder zu öffnen und für die Verwundeten freiwillige Krankenpfleger zu stellen. Viele der Fremden kamen aus muslimischen Ländern des Kaukasus und des Nahen Ostens. Spittler rief auf, praktisch Hand anzulegen. „Den Strom des Verderbens können wir zwar nicht aufhalten, aber unsere Sache ist es, Einzelnen aus demselben herauszuretten.“ Spittler war ein Beter. Pflegetochter Susette: „Wie oft traf man ihn auf den Knien liegend, wenn man unversehens ins Zimmer trat.“. Spittler: „Ich habe viele Posten, worüber ich mit meinem Gott reden muss.“

Christian Friedrich Spittler war nicht nur ein Mann mit einer Glaubensvision und ein Beter, er war in gleichem Masse ein begabter Unternehmer, eine Gründerpersönlichkeit sondergleichen. In 60 Jahren gründete er über 20 sozialdiakonische und missionarische Werke, so die Basler Bibelgesellschaft; die Basler Mission, die zu einer der bedeutendsten Missionswerke heranwachsen sollte; das Judenmissionswerk, später Verein der Freunde Israels; das Rettungshaus für Kinder aus sozial prekären Verhältnissen in Beuggen; die Griechenanstalt später Taubstummenanstalt; die Pilgermission St. Chrischona „,damit aus Christen nicht wieder Heiden werden“; das Kinderspital Basel; das Riehener Diakonissenhaus; das Syrische Waisenhaus in Jerusalem. Noch in seinem Todesjahr gründete er eine Missionsschule für Flüchtlinge aus Abessinien, heute Äthiopien. Spitler sah sich als Handlanger Gottes, durch den Gottes Liebe sichtbar werden sollte. „Unser Präsident soll Jesus Christus sein. Der Herr gebe mir Gnade, dass ich mich stets als Ton seiner Barmherzigkeit formieren und gebrauchen lassen kann.“ Wo Not war, sah er sich von Gott gedrungen, Glaubensgeschwister zur Tat zu rufen. „Ach, wie viel Trauriges kommt hierbei zum Vorschein, wie wenig Liebe, Demut und wieviel Selbstsucht auch unter uns Christen! Jeder sucht das Seine.“

Bei allem Einsatz zur Linderung der praktischen Nöte, sah Spittler die Grenzen rein materieller Hile, „Wahrlich, kommen die Menschen nicht zu Gott und zu der Bibel zurück, so helfen alle menschlichen Unterstützungen nichts.“ Spittler betonte, dass zuerst wir Christen selber immer neu Veränderung benötigen, um bereit zu sein, Opfer zu bringen. „Wie viele Opfer werden irdischen Zwecken gebracht und wie wenig eigentlich für himmlische. Dies könnte uns einst reuen in der Ewigkeit. Drum lass uns wirken, solange es Tag ist. Ja er wirke in uns und allen seinen Kindern eine kräftige Erneuerung des Heiligen Geistes, damit wir in dieser letzten betrübten Zeit das tun können, was notwendig ist und was er von uns fordern wird, wenn er kommt, um Rechnung zu halten mit seinen Knechten.“

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Niklaus Wolf von Rippertschwand (1756 – 1832)

Niklaus Wolf von Rippertschwand

„Es gibt eine Armee, die mehr ausrichtet als Napoleon und seine Soldaten.“

Niklaus Wolf von Rippertschwand

Niklaus Wolf wuchs als katholischer Bauernsohn in Rippertschwand in der Zentralschweiz auf. Er übernahm später den Hof und gab ihn mit 50 Jahren wieder an seinen Sohn weiter. Niklaus Wolf verband Bodenständigkeit und Interesse am Weltgeschehen mit einem tiefen Glauben an die Macht Gottes. Sein Wahlspruch lautete: „Zur Ehre des heiligsten Namens Jesus, zur Errettung der Menschen und zum Sturz der Hölle.“ Während der französischen Revolution unter Napoleon diente er kurze Zeit im Luzerner Parlament und später als Gemeindevorsteher von Neuenkirch.

Er war ein starker Kritiker der „,Neuerer“ in Politik und Kirche. Während das alte Staatswesen auf Glaube und Moral aufgebaut gewesen sei, wollten die „Neuerer“ alles Heilige und Bewährte niederreissen und würden Lebensgenuss über Gewissenstrost und Schein über Wahrheit erheben. Er empfand zunehmend, dass mit menschlichen Mitteln allein keine Wende erreicht werden kann. Niklaus Wolf rief zum ernsthaften Gebet auf: „Wir Männer müssen, anstatt nur zu politisieren, uns regelmässig zum Gebet treffen. Mit Waffengewalt können wir nichts unternehmen. Aber es gibt geistige Waffen, die wollen wir ergreifen.“ Er gründete überall Männergebetsgruppen, „da die Frauen ja ohnehin leichter beten als die Männer.“ Zudem versammelte er seine Familie und die Mitarbeiter des Hofes jeden Abend zu einem Gottesdienst. Die Urchristen hätten sich ja auch in ihren Häusern getroffen. Er führte Neuerungen in der Landwirtschaft ein und zog sich aus der Politik zurück, was ihm erlaubte, täglich drei Stunden in der Fürbitte für einzelne Menschen und für das Land zu verbringen. Er war der Überzeugung, dass „wir vor Gott auf den Knien am Grössten sind“.

Nachdem er zweimal in persönlichen Krankheitsnöten den Namen Jesus um Hilfe angerufen hatte und jedes Mal auf der Stelle geheilt wurde, begann er auch für andere Menschen um Heilung von Krankheit und Befreiung von dämonischen Zwängen zu beten. Dabei erlebte er zahlreiche zum Teil ausserordentliche Gebetserhörungen. Das sprach sich herum. Immer mehr Menschen besuchten „Vater Wolf“ in Rippertschwand und baten um Gebet. Dieser bezeugte allen, dass „der heiligste Name Jesus Macht hat über alles im Himmel, auf Erden und in der Hölle.“ Wenn dadurch Gott verherrlicht würde, warum sollte es dann nicht geschehen, dass Kranke auf Gebet hin gesund würden. Es ging ihm nicht nur um körperliche Heilung, sondern dass Menschen als Folge der erlebten Gnade Gottes ihr Leben Jesus weihten und Werkzeuge seines Friedens würden: „Oh, wenn wir Jesus recht lieben und mit ihm und in seinem Namen wider die Hölle streiten würden, wie grosse Verherrlichung des heiligen Namens Jesu würde geschehen, wie viele Sünder bekehrt, wieviele Uneinigkeit würde behoben.“

Niklaus Wolf war Mitbegründer und Förderer vieler Glaubenswerke, die zum Teil bis heute fortbestehen, so des Schwesterninstituts Baldegg, der Inländischen Mission und des Vereins zur Glaubensverbreitung.

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Huldrych Zwingli (1484-1531)

„Die Mehrheit macht nicht die Wahrheit. Gottes Wort muss Widerstand haben, damit man seine Kraft sieht.“

Huldrych Zwingli

Huldrych Zwingli wurde 1484 in Wildhaus geboren. Seine erste Bildung erhielt er von seinem Onkel, dem Pfarrer in Weesen. Dann besuchte er Schulen in Basel und Bern, um dann in Wien Latein zu studieren. Schliesslich studierte er an der Universität in Basel Theologie. 1506 wurde er als Pfarrer nach Glarus berufen. Daneben begleitete er seine Pfarrkinder auf Feldzügen nach Oberitalien. Er wird dabei mit den negativen Seiten des Söldnertums konfrontiert. Die Welt scheint ihm als ein Labyrinth voller List und Untreue. Es sei eine Schande, dass die Christen wie die Heiden seien und kein gutes Bild für Christus abgäben.

1516 wechselte Zwingli als Seelsorger nach Einsiedeln. Zwingli pflegte fortan seinen Predigten die Bibel zugrundezulegen. Seine praktischen Bibelauslegungen machten ihn bekannt, sodass er 1519 in das ehrenvolle Amt des Leutpriesters am Grossmünster in Zürich berufen wurde: Hier begann er mit der täglichen fortlaufenden Auslegung des Matthäusevangeliums. Er verlegte das Schwergewicht von den Sakramenten auf die Predigt.

Unter der Lektüre von Paulus und Augustinus bekam er ein neues Verständnis der Bibel. „Hier hör das Evangelium, es ist eine gewisse Botschaft“, rief er den Zuhörern zu. „Christus steht mit offenen Armen vor dir und lädt dich ein – was für eine fröhliche Botschaft!“ 1523 verfasste er 67 Thesen, in denen er „Solus Christus, Sola Scriptura“ (allein Christus, allein die Schrift) als alleinige Richtschnur postulierte. Der Zürcher Rat entschied sich in der (ersten) Zürcher Disputation für die Thesen Zwinglis und setzte in den Zürcher Kirchen das reformatorische Schriftprinzip ein, was den eigentlichen Beginn der Reformation markierte. Fortan war es Zwinglis Bestreben, Kirche und Gesellschaft vom Evangelium her neu zu gestalten. Er wandte sich gegen soziale Ausbeutung durch Wucherzinse.

Er rang um ein bibelgemässes Verständnis von Taufe, Abendmahl und Ehe. 1524 heiratete er. Zur Schulung der Pfarrer gründete er die „Prophezei“. Und er nahm die grosse Arbeit an der „Zürcher Bibel“ in Angriff. Zu seinem Charakter meinte er einmal: „Ich muss zugeben, dass ich zu der Sorte Menschen gehöre, die nur mit viel Nachsicht erträglich sind.“ Gegenüber seinen Gegnern legte er eine grosse Härte an den Tag. Ein dunkles Kapitel in Zwinglis Biographie ist, wie unerbittlich er die Wiedertäufer verfolgte. Schliesslich sah er keinen anderen Weg mehr, als die Reformation mit militärischen Mitteln zu verteidigen.

Die letzten Lebensjahre Zwinglis waren von Tragik überschattet. 1531 fiel Zwingli als Feldprediger der Zürcher Truppen in der Schlacht bei Kappel am Albis. Zwingli wollte nie als „,Reformator“ bezeichnet werden: „Ich will keinen andern Namen tragen als den meines Hauptmannes Christus, dessen Reiser (angeworbener Soldat) ich bin. Mein einziger Kampf gilt der Ausbreitung des Evangeliums.“ Zwingli betonte unermüdlich den zentralen Stellenwert der Bibel: „Das Wort Gottes ist nichts anderes als der Herr Jesus Christus, der zu uns spricht. Der Geist Jesu Christi führt uns in alle Wahrheit, Traget dem heiligen Gotteswort so Sorge, dass es getreulich und ohne Zusatz gepredigt wird.“

Letztlich blieb Zwingli in seinem Herzen ein Evangelist:

„Einem Menschen kann kein grösseres Glück zuteil werden, als wenn er das Netz des Herrn ausspannen darf und im Weltenmeer unermesslich viele grosse Fische fangen und in das Schiff Christi ziehen kann“

Huldrych Zwingli

Zwingli: „Bätted füreinandren! Mit trüwem Bätten werdend wir alles überwinden.“

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Dorothea Trudel (1813-1862)

„Wenn wir nicht nach der Bibel leben, haben die Ungläubigen recht, wenn sie sagen, in der Bibel seien Märchen; denn an uns sollen sie sehen, dass die Schrift Wahrheit ist.“

Dorothea Trudel

Neben Elenden und Kranken strömten Mitte des 19. Jahrhunderts neben einfachen Leuten immer mehr einflussreiche Personen des öffentlichen Lebens nach Männedorf am Zürichsee, um zu Füssen der ledigen Weberin und Floristin Dorothea Trudel zu sitzen, die viermal täglich Bibelstunden hielt und für die Kranken betete. Unter ihren Besuchern waren Personen wie Professor August Tholuck, der „,Kirchenvater des 19. Jahrhunderts“; Pfarrer Arnold Bovet, Mitbegründer des Blauen Kreuzes; sowie der bekannte Evangelist Elias Schrenk. Letzterem „tat sie gründlich den Rost herunter“, wie er selber einmal bekannte. Einem Gemeindehirten gegenüber meinte sie einmal: „Ich wollte lieber, dass ihr Schweinehirten wäret, als dass euch eine Gemeinde von unsterblichen Seelen übergeben sei, wenn ihr nicht die Liebe habt, die Paulus hatte.“

Dorothea Trudel litt an der Kraft- und Lieblosigkeit vieler Kinder Gottes und rief zu einer kompromisslosen Nachfolge Christi auf, die sich darin zeigen würde, dass nicht der eigene Geist sondern der Heilige Geist die Menschen treibt, und dass Gottes Licht durch ihr Leben zum Leuchten kommt und die Mitmenschen anzündet. „Sollten wir nicht das Pfingstfeuer über unsere tote Christenheit erflehen? Es ist schlimmer, wenn die Frommen von unnützen Dingen reden und von den Fehlern anderer, als wenn Weltleute ins Theater gehen. Es gibt Gefühlschristen, Barometerchristen, Launenchristen, Modechristen. Wir sollten aber Glaubenschristen, Bibelchristen, apostolische, nüchterne, echte ganze Christen sein.“

Bevor Dorothea Trudel für die Menschen mit Handauflegung um Heilung betete, vergewisserte sie sich, dass bei den Bittstellern „alles bekehrt ist: Auge, Ohren, Füsse, Zunge“, wie sie es ausdrückte. Schonungslos deckte sie Sünden auf, stellte aber immer das heilbringende Evangelium in den Mittelpunkt. Manche Kranken fanden erst Gesundung, nachdem sie ihre Sünden erkannt und bekannt hatten, wie das auch bei Samuel Zeller der Fall war. Andere blieben krank, gingen aber meist reich gesegnet nach Hause. Dorothea Trudel verband biblische Wahrheit und Direktheit mit einer heissen Liebe für ihre Mitmenschen. An ihrer Abdankung hiess es: „Sie hatte Schmerzenskinder, deren geistiges Wohl ihr oft Tränen ausgepresst hat. Die Sünden anderer hat sie mit so viel Innigkeit vor den Thron Jesu gelegt.“

Weil immer mehr kranke Menschen, darunter auch zahlreiche Geisteskranke, Dorothea Trudel aufsuchten und längere Zeiten der körperlichen, seelischen und geistlichen Erneuerung benötigten, wurde das Haus bald zu klein. Ein zweites grösseres Haus musste dazugekauft werden, um die Hilfesuchenden aufnehmen zu können. Unter der Leitung von Samuel Zeller und später dessen Neffen Alfred Zeller wurde der ganzheitliche Heilungsdienst in Form der „Zellerschen Anstalten“ in Männedorf weiter ausgebaut, deren Spuren sich heute im „Bibelheim Männedorf“ auch nach über 100 Jahren noch finden.

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Samuel Gobat (1799 – 1879)

„Ich habe mein ganzes Leben an meinem Geistesauge vorüberziehen lassen und ich finde darin nichts als eine ganze Kette von Barmherzigkeiten meines Gottes.“

Samuel Gobat

Samuel Gobat ist im Berner Jura aufgewachsen. Bis heute weist ein nach ihm benannter Platz in seinem Geburtsort Crémines darauf hin, dass hier der spätere „,Bischof von Jerusalem“ aufgewachsen ist. Gobat wirkte nach der Ausbildung im Missionsseminar der Basler Mission vorerst in Paris und London, um dann im Dienste der Londoner Church Mission Society als Missionar in Ägypten zu wirken.

Samuel Gobat

Nach drei Jahren in Kairo wirkte er als Missionar im damaligen Abessinien, dem heutigen Äthiopien. Noch heute spricht man angesichts Gobats opferbereitem Dienst inmitten widrigster Umstände in christlichen Kreisen Äthiopiens mit Hochachtung vom „Vater unseres Volkes“. Samuel Gobat arbeitete eng mit der Pilgermission St. Chrischona zusammen, die ihm Absolventen sandte, die er in seinen Dienst aktiv miteinbezog und so gewissermassen „On the Job-Training“ durchführte. Bei seinem Weggang von Abessinien legte er die angefangene Arbeit in die Hände der Pilgerrmission St. Chrischona.

Nach seiner Zeit in Abessinien nahm Samuel Gobat 1846 eine Berufung der anglikanischen Kirche zum Leiter des Evangelischen Bistums Jerusalem an, das einige Jahre zuvor auf Anregung des preussischen Königs Friedrich Wilhelm IV ins Leben gerufen worden war. Als Bischof der Anglikaner, aber in gleicher Weise auch der Lutheraner und Reformierten, gründete er christliche Gemeinden und nahm sich der sozialen Nöte Palästinas an. Unter dem Dach des „,Jerusalemvereins“ gründete er in Jerusalem, Bethlehem, Nazareth, Jaffa und Nablus Waisen- und Krankenhäuser sowie mehr als ein Dutzend Schulen. Gobat war ein begnadeter Brückenbauer. Bei seinem 25. Amtsjubiläum bekundeten selbst Muslime ihre Hochachtung gegenüber dessen väterlicher Hilfsbereitschaft gegenüber Armen und Bedürftigen. Gobat entwickelte eine besondere Evangelisationsmethode. Er bildete Geschichtenerzähler aus und entsandte diese bis in die entlegensten Gebiete. Ihre Arbeit bestand darin, die biblischen Geschichten in arabischer Sprache vorzulesen. Um die gläubiggewordenen Araber im Glauben zu vertiefen, setzte er arabische Pfarrer ein.

Der vor allem in jüngeren Jahren oft kränkliche Gobat hatte in seiner Ehefrau Marie Zeller, der Tochter des Beuggener Christian Heinrich Zeller, eine starke Partnerin gefunden, die auch in den schwierigsten Zeiten ihre Hoffnung nie aufgab. Ihr Gebet war: „O Herr, lass mich sein eine Mutter in Israel, eine Priesterin in diesem Hause und in meiner Familie!“ Ihre gemeinsame Tochter Dora wurde später die Ehefrau des Chrischona-Direktors Carl Heinrich Rappard und „Mutter von St. Chrischona“.

Samuel Gobat war ein sprachbegabter und weltgewandter Akademiker. Von 1839 – 1842 wirkte er auf der Insel Malta als Supervisor einer Bibelübersetzung ins Arabische. Gobat war aber auch ein Mann des Volkes, der wie ein Hirte für die Seinen sorgte und sich für sie in Liebe aufopferte. Das trug ihm die Gunst der einfachen wie gebildeten Menschen ein. Und er war ein Beter und liebte Gott und sein Wort über alles. Von ihrem Vater berichtete Dora Rappard-Gobat, dass er oft auf den Knien liegend Teile der Bibel durchgebetet habe. „Ich habe nie wieder jemanden gesehen, der die Bibel so Gut kannte wie er.“ Gobats letzte Worte: „Christus ist mein Leben: Ich gehe heim in Vaters Haus“

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Dwight L. Moody (1837-1899)

Dwight L. Moody

„Wenn Verlorene gerettet werden sollen, muss man sie in ihren Winkeln suchen, wo sie sich versteckt halten vor dem Licht Jesu.“

Dwight L. Moody

Dwight L. Moody war unzweifelhaft der gesegnetste Evangelist in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Darauf hatte lange nichts hingedeutet. Seine Eltern waren arm, seine Schulbildung mangelhaft. Seine Manieren rüpelhaft. Aber er hatte eine grosse Gabe: Er war leidenschaftlich und konnte andere mit seiner Leidenschaft anstecken.

Bald war er der beste Schuhverkäufer Bostons. Da kommt eines Tages sein Sonntagsschullehrer in sein Schuhgeschäft, legte ihm die Hand auf die Schulter und fragte ihn mitten bei der Arbeit, ob er nicht mit Jesus ernst machen wolle. Moody sprach ein lautes Ja für Jesus aus. Mit 18 Jahren zog Moody nach Boston, um auch dort Schuhe zu verkaufen. Daneben versuchte er es als Helfer in der Sonntagsschule. Die Leitung hatte wegen seiner ungestümen, ungeschliffenen Art Bedenken. Als er dann aber am Sonntag mit 18 barfüssigen und zerlumpten Jungen aufkreuzte, die er von der Strasse aufgelesen hatte, änderten sie ihre Meinung. Moody hatte ein Pony gemietet und durchzog mit diesem die Strassen, um sich die Kinder zusammenzuholen. Bald war der Mann mit dem Pony der populärste Mann weit und breit. Der Dienst Moodys wuchs und wuchs, sodass er sich entschloss, seine Arbeit als Schuhverkäufer aufzugeben und sich ganz der Verkündigung der Frohen Botschaft von Jesus zu widmen. Moody: „Wenn wir die Welt nur fühlen lassen, dass wir sie liebhaben, so wird es bald weniger leere Kirchen geben.“ Sein Wirkungsfeld weitete sich von Jahr zu Jahr aus.

Seine Predigten blieben einfach und verständlich auf das Zentrum des christlichen Glaubens ausgerichtet. Moody: „Wenn ich aufhöre, Jesu Christi stellvertretendes Opfer zu predigen, weiss ich nicht mehr, was ich reden soll.“ Er gab sich immer selbst hinein. Wenn er von der Hölle sprach, dann tat er es nie ohne Tränen in der Stimme. Wo immer er eine Not sah, versuchte er zu helfen. Im amerikanischen Bürgerkrieg half er den Verwundeten durch Tat und Wort. Durch Moody wurden in Chicago Scharen von Samaritern mobilgemacht, um der schreienden Not auf den Kriegsschauplätzen abzuhelfen. Bald erhielt er Einladungen von überall her. Dreimal führte er auch evangelistische Kampagnen in Grossbritannien durch. Nach schwierigem Anfang brach in Newcastle eine Erweckung aus, die sich in der Folge über ganz Schottland und England ausbreitete. Nach Chicago zurückgekehrt errichtete er das Moody Bible Institut. Moody, „Was wir heute brauchen, sind Menschen, die vom Scheitel bis zur Fusssohle an die Bibel glauben, sowohl an das, was sie verstehen, als an das, was sie nicht verstehen. Studiert die Bibel sorgfältig und mit Gebet!“ Gemäss dem Leiter der Bibelschule, R.A. Torrey, war Moody ein grösserer Beter als Evangelist.

Als Höhepunkt seines evangelistischen Dienstes predigte Moody 1893 an der Weltausstellung in Chicago jeden Tag während sechs Monaten an zentralen Orten. Täglich wollten tausende von Menschen aus aller Welt Moody hören. Neidisch sagten Zirkusleute: „Bei unseren Künsten bleibt der Zirkus halb leer, und der da drinnen füllt die grössten Hallen und hat doch nur ein Buch in der Hand.“ Moody blieb zeitlebens der Mann eines Buches, der Bibel.

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter Nüesch

Emil Nigg (1885 – 1973)

„Das, was vor 2’000 Jahren in Palästina geschehen war, kann heute und jetzt noch erlebt werden.“

Emil Nigg

Keine Person hat die Heilsarmee in der Schweiz so nachhaltig geprägt, wie der Heilsarmeeoberst Emil Nigg. Er leitete nicht nur während 16 Jahren die Musik der Heilsarmee und gab ein Musikbuch heraus mit Klavierstimmen zur Begleitung der Heilsarmeelieder. Mindestens so stark prägte Nigg aber die Heilsarmee durch seine vollmächtige Seelsorge und seinen gesegneten Heilungsdienst an kranken und gebundenen Menschen.

Emil Nigg wurde 1885 in Liestal bei Basel geboren. Seine Mutter war eine gläubige Katholikin. Von früh auf begeisterte ihn die Musik. Bald gründete er ein kleines Orchester, mit welchem er oft nächtelang zum Tanz aufspielte. Im Militär leitete er ein Bataillons-Musikkorps. Drei Salutisten beteten nach einem Konzert für den Musikwachtmeister, dass er sich bekehre, um darnach ihr Musikchef zu werden. Bald war es so weit. Nigg: „Ich konnte dem Anruf Gottes nicht länger widerstehen.“ An einer Evangelisation von General von Viehbahn im Volkshaus Basel machte er seinen Entscheid fest und übergab die Leitung seines Lebens Jesus Christus. „Gott wies mich ganz deutlich den Weg in die Heilsarmee.“

Emil Nigg wurde die Leitung der Offiziersmusik übertragen. Neben seinem Dienst vervollständigte er seine musikalische Ausbildung, wobei seinen Dozenten Niggs ausserordentliche Kompositionsgabe auffiel. Da das Musikwesen der Heilsarmee damals auf einem niederen Niveau stand, gab er ein Liederbuch mit Noten heraus. Nigg: „Es war mir ein ernstes Anliegen, dass die Heilsarmeemusik ein wirksames Mittel wurde, Menschen für die Botschaft des Heils empfänglich zu machen. Was könnte geschehen, wenn alle Musikanten der Heilsarmee betend spielen würden! Welch eine Kraft würde von ihrem Spiel ausgehen!“

Nigg führte Dirigentenkurse durch und wies dabei immer auf den Heiligen Geist hin, der lebendig macht, auch die Musik. „Wir brauchen den Heiligen Geist, wenn unser Leben nicht arm, leer und fruchtlos bleiben soll.“ Als Divisionschef setzte er sich sehr für die Jugend ein und baute mit ihnen zusammen ein Jugendhaus in Stäfa über dem Zürichsee, wo in der Folge Kinder- und Jugendfreizeiten durchgeführt wurden. Er war überzeugt, dass Ferien nur dann wirklich genossen werden können, wenn Gott dabei ist. „Vor den Ferien nahm ich mir stets vor: Jeden Morgen eine Stunde für Bibellesen und Gebet! Jeden Nachmittag eine Stunde auf die Knie, um zu loben und zu danken.“ Er nahm auch oft allein oder mit Geschwistern zusammen das Abendmahl ein. Dann führte ihn Gott in den Heilungsdienst.

Nigg: „Es war mir angesichts einer besonderen Not einfach nicht möglich, zu schweigen, was der Herr in anderen Fällen getan hat.“ Immer mehr Menschen nahmen seinen Heilungs- und Befreiungsdienst in Anspruch, wobei Emil Nigg immer darauf hinwies, dass allein Jesus heilen kann. Unser Beitrag sei, auf das zu vertrauen, was im Wort Gottes geschrieben steht.

Zum Schluss ein Wort von Lily Obrist, die in ihrem biographischen Werk über Emil Nigg ihn als ihren persönlichen Berater und Seelsorger bezeichnete: „Viele von uns kannten Emil Nigg als einen Mann des Glaubens, der Liebe zu Gott und den Menschen. Sein ,Allein auf Jesus und sein Blut vertrauen“, gab Oberst Nigg jene gleichbleibende Heiterkeit, die allen, welche ihn kannten, so wohltat. Er hatte nur die Jesus-Fahne, und diese hielt er unentwegt hoch mit Loben und Danken.“

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter Nüesch, Kontaktiere den Autor per e-mail: hpnuesch7@gmail.com

Samuel Zeller (1834-1912)

„Gott hat nicht nur eine Sanitätsabteilung, sondern auch eine Erziehungsabteilung.“

Samuel Zeller

Der norwegische Theologieprofessor Ole Hallesby berichtet in seinem Buch ,,Vom Beten“:

„Ich entschloss mich in die Schweiz zu reisen, um den alten Patriarchen Samuel Zeller in Männedorf zu besuchen. Er unterhielt dort ein geistliches Sanatorium für Menschen, die nicht nur für ihren Leib, sondern auch für ihre Seele Ruhe suchten. Als Verkündiger des Wortes Gottes war Zeller unübertroffen. Ihm gelang die eigentliche Aufgabe der Verkündigung: die Zuhörer durch das Wort vor Gottes Angesicht zu stellen. Ausserdem war er ein einzigartiger Seelsorger: Ich habe jedenfalls keinen Menschen getroffen, bei dem tiefe Menschenkenntnis mit so viel Barmherzigkeit und mitfühlender Liebe verbunden war. Den stärksten Eindruck bekam ich von Zeller im Gebet. Er erzählte Gott nur, woran es fehlte, und dann wusste er, Gott würde es in Ordnung bringen. Sein Gebet war ein ehrerbietiges aber natürliches Gespräch mit Gott, ungefähr so, als sässe Gott vor ihm auf der ersten Bank. In der kurzen Zeit, die ich dort war, kamen Briefe aus allen Ländern Europas. Oft bat er um Wunder, aber nie ohne hinzuzufügen, ‚wenn es deinen Namen verherrlicht.‘ Dabei scheute er sich nicht, um eine augenblickliche Heilung zu bitten. Im Grunde betete er ja nur ein einziges Gebet, dass Gottes Name verherrlicht werde.“

Samuel Zeller war ein Sohn von Heinrich Zeller, dem Leiter der Erziehungsanstalt Schloss Beuggen. Samuel war ein friedloser junger Mann bis er in Männedorf von Dorothea Trudel konfrontiert wurde. „Was, ein Sohn von Inspektor Zeller in Beugen und so ein finsteres Gesicht.“ Als er ihr von seiner Krankheit einer fressenden Flechte erzählte, tröstet sie ihn freundlich; „Wenn einmal der Aussatz der Sünde weg ist, wird wohl diese Krankheit auch verschwinden.“ Samuel Zeller bekannte daraufhin eine bisher verborgene Sünde. Als Folge des Gebets mit Handauflegung wird ihm darauf auch die äussere Heilung geschenkt.

1860 berief Dorothea Trudel Samuel Zeller als Assistent nach Männedorf. Sie fand Gefallen an den praktischen, ins Leben sprechenden Bibelstunden ihres geistlichen Sohnes. Kurz vor ihrem Tod vermachte sie auf eine Weisung Gottes hin Samuel Zeller die Häuser schenkungsweise. Dieser leitete in der Folge während 50 Jahren die sich laufend vergrössernde Erholungsanstalt, wobei darauf geachtet wurde, dass mit dem äusseren Wachstum auch das innere Wachstum Schritt hielt.

Samuel Zeller hielt jeden Tag zwei Bibelstunden und betete für unzählige notleidende Menschen unter Handauflegung. Er erlebte dabei, dass viele, aber beileibe nicht alle leiblichen und seelischen Störungen mit verdrängten Sünden zusammenhingen, die man nicht wahrhaben wollte. Oft verschwanden mit deren Bekenntnis auch die körperlichen und seelischen Gebrechen. Samuel Zeller: „Wie bittet man doch oft so armselig, und doch hätte Gott Ströme bereit. Was ist aber aller äussere Segen an irdischen Gütern gegenüber dem Segen, der uns durch Jesum zuteil wird.“ Noch heute besteht in Männedorf ein Bibelheim für Menschen, die an Leib und Seele Erholung und Kräftigung suchen.

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter Nüesch

Emil Rupflin (1885 – 1966)

Wie sollen wir weiter von Glaube, Hoffnung, Liebe predigen, wenn niemand sein Christenleben mit der Tat beweisen will.“

Emil Rupflin

Geboren wurde Emil Rupflin im malerischen Lindau am Bodensee als Sohn eines armen Pflastersteinsetzers. Weil er zu den weniger Bemittelten gehörte, wurde er oft wegen Kleinigkeiten von den Lehrern bestraft. In Emil wuchs dadurch ein Gerechtigkeitssinn und ein Zug zu den mancherlei benachteiligten Menschen, der für seinen weiteren Werdegang von Bedeutung werden sollte. Bald zog er nach Zürich um, wo Emil inzwischen zwanzigjährig an einer Veranstaltung der Heilsarmee zum Glauben fand. Er besuchte in der Folge die Offiziersschule der Heilsarmee in Bern, heiratete und diente mit seiner Frau zusammen auf verschiedenen Stationen der Heilsarmee. 1916 führte sie ihr Dienst nach Chur. Ergriffen von der Not heimatloser Kinder während dem Ersten Weltkrieg, die ohne einen Sonnenstrahl der Liebe aufwachsen mussten, gab Emil Rupflin seine sichere Stellung bei der Heilsarmee auf und gründete mit seiner Frau zusammen ein Werk für heimatlose Kinder.

Ihr erstes Kinderheim gründeten sie in einer ehemaligen Glockengiesserei in Felsberg. Später zogen sie in ein grösseres Patrizierhaus in Trimmis. Immer mehr heimatlose Kinder wurden ihnen von Staat und Kirche vermittelt. Zahlreiche weitere Heime sollten folgen. Kurz vor seinem Ableben war es ihm 1965 vergönnt, dem Gott hilft – Werk in Zizers eine Heimerzieherschule (heute „,Höhere Fachschule für Sozialarbeit“) einzuweihen, um „eine fachliche Ausbildung und biblische Vertiefung für eine verantwortliche Mitarbeit in der Heimerziehung zu vermitteln.“

Emil und Babette Rupflin in den ersten Jahren in Felsberg ca. 1920. Foto: zvg

1916 schreibt Rupflin angesichts der offenen Frage, ob die Zeit reif sei, ein Werk für heimatlose Kinder zu gründen, in sein Tagebuch: „Möge der Herr uns auf dem Glaubensboden bewahren! Ich glaube, dass auf seiner Seite alles bereit ist. Aber ob wir für seine Pläne bereit sind.“ Rupflin entscheidet sich, im Glauben auf Gottes Versorgung zu handeln. Schon am Tag darauf kommt Gottes Bestätigung durch ein Telegramm, in dem um die Aufnahme von fünf Kindern gebeten wurde.

Rupflin arbeitete mit der Reformierten Landeskirche zusammen, weil er die Weite der Evangelisationsmöglichkeit auf dem Boden der Kirche erkannte. Landauf landab sollte er in den folgenden Jahren durch seine lebendige Erzählgabe davon Zeugnis ablegen, dass Gott hilft. Rupflin betonte immer, es gehe nur um unseren Glaubensgehorsam. Alles andere würde Gott machen. Als sichtbares Bekenntnis gab Rupflin dem Werk den Namen „Gott hilft“.

Er schreibt 1917 in sein Tagebuch: „Ich fühle in den letzten Tagen ganz besonders die grosse Verantwortung für die Sache. Doch der Herr wird hinaus- und hindurchhelfen. Der Name des Werks soll uns stets daran erinnern: „Gott hilft.“ Rupflin erlebte so manche schwierige Zeiten, in denen sein Glaube auf dem Prüfstand war. Sein Motto war: „Dennoch unverzagt! Gott wird uns Hilfe senden, um seinem Namen Ehre einzulegen.“ Und Gott hat tatsächlich geholfen. Unter der Leitung von Dr. Heinz Zindel und später dessen Sohnes, Pfr. Daniel Zindel, ist das inzwischen weitverzweigte Werk nicht nur eine Heimat für unzählige sozial handicapierte Menschen geworden, sondern auch ein nicht übersehbares Zeugnis, dass Christen einen Gott haben, auf dessen Hilfe sie in jeder Lage zählen können.

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter Nüesch, Kontaktiere den Autor per e-mail: hpnuesch7@gmail.com