Ruth heiratet!

Noomi hat’s dick hinter den Ohren: Sie hat einen sicheren Plan, wie sie Boas mit ihrer Schwiegertochter verkuppeln kann. Sie kennt die Männer! Darum macht Noomi mit Ruth ein Wellness-Programm; salbt sie ein mit der besten Bodylotion, schminkt sie und gibt ihr das schönste Kleid. Für die Disco gestylt, legt sich Ruth in Boas’ Bett, als dieser schon fest schnarchte.


Um Mitternacht fuhr Boas aus dem Schlaf hoch. Er beugte sich vor und entdeckte eine Frau, die zu seinen Füßen lag. „Wer bist du?“, fragte er. „Ich bin Ruth“, antwortete sie. „Ich habe eine Bitte: Als naher Verwandter von mir bist du dafür verantwortlich, dass ich keine Not leide. Breite dein Gewand über mich aus als Zeichen dafür, dass du mich heiraten wirst.“ Ruth 3;8+9

„Komm Mädchen – zieh dich aus und lass es uns tun! Hier sieht uns niemand! Und später heirate ich dich dann.“ Hätte Boas die Situation ausnützen können. Aber er hat seine Hausaufgaben gemacht! Boas hat der Versuchung widerstanden  – er hat sich zu nichts hinreissen lassen, das er später bereut hätte.

Treue ist ein Lifestyle: Wer seiner (zukünftigen) Ehefrau treubleiben möchte, der muss schon VOR der Ehe treu leben! Wie geht das?

Ruth und Boas hatten einen solchen Lifestyle! Sie waren sich bewusst, dass die Ehe aus vier Ebenen besteht:

1. Standesamt (juristische Ebene)

Die Ehe hat eine juristische Ebene (Vertrag) und eine geistliche Ebene (Bund).

Ein Vertrag braucht Zeugen, damit er gültig ist.

Die juristische Ebene bezieht sich auf die rechtlichen Themen der Beziehung. Man könnte sie auch so zusammenfassen: “Wenn…, dann…. !”

Auch wenn keine zusätzlichen Vereinbarungen vertraglich abgeschlossen werden, so sind im schweizerischen Ehevertrag (ZGB) einige Rechte und Pflichten geregelt. Mit der Unterschrift beim Standesamt tritt der Ehevertrag in Kraft.

Die Ältesten und alle Männer auf dem Versammlungsplatz bestätigten: „Ja, wir bezeugen es! Ruth 4;11

2. Hochzeit (geistliche Ebene)

Gott hat die Ehe geschaffen. Er ist die dritte Person im Bund mit dem Ehepaar.

Mit der Heirat vor Gott, schliessen wir einen Bund. Ein Bund ist mehr als ein Vertrag. Er ist der Ausdruck des Verlangens, dem anderen einen Dienst zu erweisen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.

Mit dem “Ja, ich will!” Binden sich beide Ehepartner freiwillig aneinander, ohne dieses JA an irgendwelche Bedingungen zu knüpfen. Dies nennt man “bedingungslose Liebe”.

Auch Ruth hat mit Noomi einen Bund geschlossen:

„Aber Ruth erwiderte: »Besteh nicht darauf, dass ich dich verlasse! Ich will mich nicht von dir trennen. Wo du hingehst, da will auch ich hingehen. Wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, will ich auch sterben und begraben werden. Nur der Tod kann mich von dir trennen; wenn ich dieses Versprechen nicht halte, soll der Herr mich hart bestrafen!«“

‭‭Ruth‬ ‭1:16-17‬ ‭HFA‬‬

3. Flitterwochen (körperliche Ebene)

Sex ist die intimste Form von Zweisamkeit – zwei Personen werden zu einer.

So wurde Ruth Boas‘ Frau, er schlief mit ihr, und der Herr ließ sie schwanger werden. Ruth 3;13

“Darum verlässt ein Mann seine Eltern und verbindet sich so eng mit seiner Frau, dass die beiden eins sind mit Leib und Seele.” 1.Mose 2;24

4. Wohnung (seelische Ebene)

Durch die selbe Haustüre ein- und ausgehen ist ein deutlicheres Zeichen fürs verheiratet sein, als der Ehering.

Ich aber und mein Haus wollen dem HERRN dienen. Josua 24;15

„Mein Haus“ ist der biblische Begriff für eine Familie (mit oder ohne Kindern).

Boas und Ruth haben beim Thema Ehe nichts vorgezogen und nichts ausgelassen. Ihr gemeinsamer Sohn „Obed“ war ein direkter Vorfahre von Jesus Christus:

Abraham war der Vater Isaaks. Von Isaak stammten in direkter Linie ab: Jakob (der Vater von Juda und seinen Brüdern) – … Boas (Sohn der Rahab) – Obed (Sohn der Ruth) – … Mattan – Jakob. Jakob war der Vater Josefs. Josef war der Mann Marias. Sie brachte Jesus zur Welt, der Christus genannt wird. Matthäus 1;2-16

Die Ehe von Boas und Ruth war ein weiteres Puzzleteil im grossen Bild. Gott hat auch ihre Beziehung gebraucht, um (Heils-)Geschichte zu schreiben.

Was für ein Leben wählst du? Bist du bereit die Herausforderung anzunehmen und dein Gegenüber und Gott auf diese Weise zu ehren?

RUTH! – Gott schenkt Zufälle!

„Zu der Zeit, als das Volk Israel von Männern geführt wurde, die man „Richter“ nannte, …“ (Ruth 1;1)

Dies war die Zeit, als Ruth nach Israel gekommen ist. Die Zeit der Richter war geprägt von:

  • Unterdrückung
  • Ungehorsam gegenüber Gott
  • Krieg (Israel wurde angegriffen)

Die Phasen im Buch der Richter kann man kurz so zusammenfassen:

  1. Gottes Volk entfernt sich von ihm.
  2. Gott sendet Gericht.
  3. Die Menschen haben Einsicht und kehren um zu Gott
  4. Gott befreit sein Volk.

Dies war ein Kreislauf, der sich mehrmals wiederholt hat.

Es war nicht die Beste Zeit für Menschen, die ein Leben mit Gott führten.

Trotzdem hat sich Ruth entschieden, mit ihrer Schwiegermutter nach Israel zu ziehen. Sie wusste: Gott meint es gut mit mir! Er ist das Beste, was mir je passiert ist!

Ruth hat Gott mehr vertraut als der politischen und wirtschaftlichen Lage. Sie wusste: Wenn ich meinen Teil tue, tut Gott seinen!

So hat sie sich entschieden, ihre MÖGLICHKEITEN zu nutzen und auf dem Feld eines Fremden Ähren zu sammeln.

Gott hat sie nicht im Stich gelassen:

  • Sie hat per Zufall ein Feld ausgewählt, das Boas gehört!
  • Boas war per Zufall ein Verwandter von Ruths Schwiegermutter!
  • Boas war per Zufall reich!
  • Boas war per Zufall grosszügig!

Sie wusste: Wenn ich bete, schenkt Gott Zufälle. Wenn ich nicht bete, dann nicht.

Wenn er (der Mensch) zu essen und zu trinken hat und sich über die Früchte seiner Arbeit freuen kann, ist das allein Gottes Geschenk. (Prediger 3;13)

Zufall = Von Gott zugefallen.

RUTH – Du bist würdig!

Ruth kommt aus Moab nach Israel: Sie hat sich entschieden mit ihrer verbitterten Schwiegermutter in ein fremdes Land zu ziehen – ohne Elter, ohne Familie, ohne Geld und ohne Aussicht auf einen Mann (sie galt aufgrund ihrer Unfruchtbarkeit und ihres hohen Alters als unattraktiv).

In der Fremde angekommen ist sie gezwungen, etwas unwürdiges zu tun: Sie sucht sich während der Erntezeit ein Kornfeld, wo sie den Abfall sammeln will. Heute würde Ruth in den öffentlichen Abfalleimern nach Brauchbarem suchen. Das ist der letzte Schritt vor dem Verhungern!

Boas (der Besitzer des Feldes, das sich Ruth ausgesucht hat) interessiert sich für sie. Sein Angestellter sagt ihm: „Sie ist eine Moabiterin, die mit Noomi aus Moab zurückgekehrt ist“. Mit anderen Worten: „Sie ist Ausländerin!“. Vielleicht wollte er, dass Boas diese verschwitze Fremde mit den fettigen Haaren weg weist. Vielleicht dachte er: „Sie ist selber Schuld an ihrer Situation! Es hat ihr niemand gesagt, dass sie nach Israel kommen soll! Es war ihre Wahl, also soll sie es auch selber ausbaden! Elende Schmarotzerin – am besten wäre, wenn sie zurück geht, wo sie herkommt!“

Boas hätte sie herablassend und entwürdigend behandeln können. Aber er erlaubt ihr zu bleiben: „Sammle immer dort, wo die Arbeiter gerade das Korn abmähen. Ich habe ihnen verboten, dich zu belästigen. Wenn du Durst hast, dann geh ruhig zu den Krügen dort, und trink von dem Wasser, das meine Männer geschöpft haben!“

Er nimmt Ruths Schicksal persönlich! EINFACH SO! Er ist ihr Versorger: Sie muss sich nicht mit dem Abfall zufrieden geben, sondern sie darf die erntefrischen Ähren sammeln – soviel sie tragen kann! Boas Beschützt Ruth: Er verbietet seinen Arbeitern, Ruth zu belästigen oder sie mit Moabiter-Witzen fertig zu machen (z.B. „Warum hat eine Moabiterin immer eine Leere Flasche im Kühlschrank? Es könnte ein Überraschungsbesuch kommen, der keinen Durst hat.“) Boas gibt Ruth die Würde, die sie verdient als Mensch. Denn jeder Mensch ist von Gott gemacht, nach Gottes Vorlage – einmalig und unverwechselbar! Deine Würde ist dir von Gott gegeben, darum kann sie dir niemand nehmen!