Paul Vogt (1900 – 1984)

„Wir dĂŒrfen nicht Betonklötze der GleichgĂŒltigkeit bleiben, weder kalt noch warm. Wir mĂŒssen Feuermenschen werden. Wir mĂŒssen uns jetzt wirklich anzĂŒnden lassen von dem Feuer, das anzuzĂŒnden Christus auf Erden kam.

Paul Vogt

FlĂŒchtlingspfarrer Paul Vogt hat sich zeitlebens fĂŒr die benachteiligten Menschen eingesetzt. Er ist ohne Zweifel eine der prĂ€gendsten Gestalten des Schweizer Protestantismus in der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts.

Paul Vogts Vater stammte aus Görlitz. Er war Evangelist und Mitarbeiter der Zellerschen Anstalten in MĂ€nnedorf am ZĂŒrichsee, wo Sohn Paul 1900 das Licht der Welt erblickte. Paul studierte Theologie in Basel und TĂŒbingen. In TĂŒbingen trifft er viele innerlich verwahrloste Menschen und wird mit einem zunehmenden Antisemitismus konfrontiert.

Er heiratet und wird als Pfarrer nach Ellikon an der Thur berufen. Als Ortspfarrer dient er den Patienten der dortigen Trinkerheilanstalt. Bald ĂŒbernimmt er eine Pfarrstelle in Walzenhausen ĂŒber dem Bodensee.

Evang. Sozialheim Sonnenblick

Die Folgen der Wirtschaftskrise in der Stickereiindustrie mit den vielen Arbeitslosen erschĂŒttern ihn zutiefst. Gemeinsam mit anderen grĂŒndet er 1931 ein Hilfswerk fĂŒr Arbeitslose. 1933 erwirbt er in Walzenhausen ein ausgedientes Stickereilokal und baut es zum „Evangelischen Sozialheim Sonnenblick“ aus. Das Heim nimmt erholungsbedĂŒrftige Frauen und MĂŒtter auf, fĂŒhrt Schulungskurse fĂŒr Arbeitslose durch und wird mehr und mehr zum RĂŒckzugs- und Erholungsort fĂŒr Pfarrer der Bekennenden Kirche und ihren Familien. WĂ€hrend dem Zweiten Weltkrieg wird es zum temporĂ€ren Heim fĂŒr viele FlĂŒchtlinge.

Schon 1934 schreibt Paul Vogt: „Wir sehen und horchen mit ungeheurer Spannung ĂŒber die Grenze. Es ist uns ein BedĂŒrfnis, in dieser welt- und kirchengeschichtlich ausserordentlich entscheidungsreichen Stunde den unter Druck und Gewalt leidenden BrĂŒdern ĂŒber die Grenze hinaus die Hand zu drĂŒcken und zu sagen: Wir leiden mit Euch! Wir beten fĂŒr Euch! Wir denken an Euch! – Und es ist uns eine heilige Pflicht, der Kirche unserer Heimat zuzurufen: Schlafe nicht! Schweige nicht! Wach auf! Rede! Bekenne! Zeuge! Handle! Werde neu Werkzeug Jesu Christi!“

Paul Vogt scheut sich nicht, die ZurĂŒckweisung der Juden an der Schweizer Grenze öffentlich anzuprangern. „Die Judenfrage ist eine Christenfrage geworden. Da kommt es jetzt darauf an, ob unser Glaubensbekenntnis Lippenbekenntnis ist. Eigenliebe oder Christusliebe.“

Er klagt die Christen an, welche Forderungen an den Staat stellen ohne Bereitschaft zum persönlichen Opfer. Gleichzeitig mahnt er die staatlichen Behörden, FlĂŒchtlingen Zuflucht in unserem Land zu gewĂ€hren. Angesichts der wachsenden Arbeit kann Paul Vogt seinen Dienst an den FlĂŒchtlingen nicht mehr im Nebenamt erledigen. Er wird 1943 in ZĂŒrich offiziell zum FlĂŒchtlingspfarrer ernannt. Bei der Einsetzungsfeier waren viele der Anwesenden FlĂŒchtlinge jĂŒdischer Herkunft, die durch den mutigen Einsatz von Paul Vogt von den Schergen des Nationalsozialismus bewahrt wurden.

Paul Vogt und sein Mitarbeiterteam sehen es als ihre Aufgabe, fĂŒr arbeitsunfĂ€hige Personen PlĂ€tze bei Privatpersonen und in Heimen zu vermitteln. Durch die Freiplatzaktion konnten schon im ersten Jahr ĂŒber 500 FlĂŒchtlinge untergebracht werden. Das gemeinsame Ziel der BekĂ€mpfung der Not und die gewinnende Persönlichkeit von Paul Vogt haben eine Kooperation ĂŒber religiöse und ideologische Grenzen möglich gemacht.

Sohn Hanspeter grĂŒndete 1973 in Herisau das Therapiezentrum „Best Hope“ fĂŒr suchtkranke Menschen.

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter NĂŒesch, Kontaktiere den Autor per e-mail: hpnuesch7@gmail.com

Friedrich Traugott Wahlen (1899 – 1985)

„Wir sind heute dazu aufgerufen, unsere SolidaritĂ€t mit den ErdenbĂŒrgern aller Rassen und Farben ĂŒber die Grenzen der LĂ€nder und Kontinente auszudehnen.“

Friedrich Traugott Wahlen

Friedrich Traugott Wahlen ist sicher einer der bekanntesten BundesrĂ€te der Schweiz. Er war ĂŒber die Parteigrenzen hinaus sehr geschĂ€tzt als ein Landesvater, der allein seinem christlichen Gewissen verpflichtet war. 1961 diente er der Schweiz als BundesprĂ€sident.

Seine Kindheit verbringt er in Belp, nachdem sein Vater als Evangelist in den vollzeitlichen Dienst der Evangelischen Gesellschaft des Kantons Bern getreten war. FrĂŒh erwacht bei ihm die Liebe zum Bauern. Nach einem Aufenthalt in der französischen Schweiz beginnt er die Ausbildung in der landwirtschaftlichen Schule RĂŒtti. Er ist ein guter SchĂŒler, zugleich aber immer zu Streichen aufgelegt, sodass der Direktor prophezeit: „Friedel, entweder wirst du ein Vagant oder dann Bundesrat!“

Anschliessend studiert er an der ETH ZĂŒrich Agronomie und schliesst mit dem Doktortitel ab. Dann verbringt er drei Jahre in Kanada, wo er schliesslich fĂŒr sĂ€mtliche landwirtschaftlichen Versuchsanstalten verantwortlich ist. 1929 kehrt er in die Schweiz zurĂŒck und ĂŒbernimmt die Leitung der Eidgenössischen Versuchsanstalt in ZĂŒrich.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges arbeitet er als Beauftragter des Bundesrats einen Plan aus zur Selbstversorgung der Schweiz mit Grundnahrungsmitteln, den sogenannten „Plan Wahlen“. In einer „Anbauschlacht“ wurden selbst die GrĂŒnanlagen in StĂ€dten zur Anpflanzung von Kartoffeln und ZuckerrĂŒben genutzt.

1942 wird Wahlen in den StĂ€nderat des Kantons ZĂŒrich gewĂ€hlt und ein Jahr spĂ€ter als Professor fĂŒr Pflanzenbau an die ETH ZĂŒrich berufen. Nach dem Krieg richtet Wahlen seinen Blick erneut ĂŒber die Landesgrenzen hinaus. In der „Food and Agriculture Organization“ der UNO (FAO) dient er in verschiedenen leitenden Funktionen.

„Ausschlaggebend fĂŒr meinen Entschluss zur Mitarbeit in der FAO war die Möglichkeit, Millionen von Menschen helfen zu können, ein lebenswertes Dasein zu fĂŒhren.“

Friedrich Traugott Wahlen

1958 wird Wahlen zum Bundesrat gewĂ€hlt. Als Bundesrat setzt er sich unter anderem fĂŒr die Erhöhung der Entwicklungshilfe ein und fĂŒr die Abschaffung der noch aus den Sonderbundskriegen stammenden konfessionellen Ausnahmeartikel.

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Nach seinem RĂŒcktritt aus dem Bundesrat 1965 wirkt er als Leiter der Kommission „Totalrevision der Bundesverfassung“, setzt sich aktiv fĂŒr das Frauenstimmrecht ein und hilft im „Rat der vier Weisen“ eine Lösung der Jurafrage zu finden.

Friedrich Traugott Wahlen war aus Überzeugung Christ. Er betonte, dass Christus in der Bergpredigt die Christengemeinde auffordert, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein. Er bezeichnete einmal das Kreuz Christi, das auch die Schweizer Fahne und das Rote Kreuz ziert, als „tragendes Element und Fundament unserer Heimat“ und als „Ausdruck unserer ĂŒberzeitlichen Bindungen und Hoffnungen.“

Bis ins hohe Alter gab er seinen Rat und guten Namen, um christliche Inititiativen zu unterstĂŒtzen. So wirkte er im Patronatskomitee der Explo 85 und bei der IVCG mit. Typisch die Bemerkung von alt Bundesrat Wahlen: „Ich komme gerne an Ihre Veranstaltung, wenn dies fĂŒr andere Teilnehmer eine Ermutigung ist.“

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter NĂŒesch, Kontaktiere den Autor per e-mail: hpnuesch7@gmail.com

Buch “Übergangsweise“ von Heike Nagel

„Wieso sollte ich ein Buch ĂŒber ÜbergĂ€nge lesen?“ – Habe ich mir auch gedacht! Aber wĂ€hrend der LektĂŒre wurde mir klar, dass ÜbergĂ€nge so prĂ€sent und voller Potential sind und trotzdem viel zu wenig Beachtung bekommen. Darum: Endlich ein Buch zu diesem Thema! 

Unsere Gesellschaft schĂ€tzt ÜbergĂ€nge nicht, wir hetzen von Einem ins NĂ€chste!

Ja, die Phase die zwei Zeiten verbindet, empfinden wir sogar als störend oder wenigstens als ĂŒberflĂŒssig. Diese Haltung kann verheerende Folgen haben, auch wenn oft nicht sofort, sondern verzögert, vielleicht erst einige Jahre spĂ€ter.

Die Autorin erklĂ€rt anhand praktischer, lebensnaher Beispiele (die sie z.T. Aus der Wirtschaft ins Familienleben ĂŒbersetzt) verschiedene Arten von ÜbergĂ€ngen und wie wir ihr Potential entfalten können. Sie selbst ist nach der Geburt ihres vierten Kindes an einer schweren Krebsform erkrankt. Den Übergang nach der erfolgreichen Chemotherapie in ein „neues Leben“ hat sie als herausfordernd erlebt: Sie habe sich erst nach ca. Zwei Jahren ĂŒber ihre Heilung freuen können.

Die LektĂŒre ist interessant und lehrreich. Zum grössten Teil ist das Buch leicht und flĂŒssig zu lesen.

Alles in allem ein sehr empfehlenswertes Buch – egal, ob man sich grad in einem Übergang befindet oder nicht. Der nĂ€chste Übergang kommt bestimmt und darauf kannst du dich jetzt vorbereiten!

Übergangsweise – Wie wir den Prozess zwischen Lebensphasen gut gestalten und darin Gott finden von Heike Nagel
Predigt zum Thema ‚DER SEGEN VON ÜBERGÄNGEN‘

Duncan Campbell (1898 – 1972)

„Wir haben zu viel Zeit mit Methoden, kirchlicher Maschinerie und Ressourcen verbracht und zu wenig Zeit mit der Frage, wo die Quelle der Kraft liegt. O dass die Kirche zurĂŒckfinden möge zu einem Ort der Gegenwart Gottes!“

Duncan Campbell
Prediger, Duncan Campbell

Duncan Campbell ist das menschliche Werkzeug der letzten grösseren geistlichen Erweckung in Europa, die von 1949 – 1952 auf den schottischen Hebriden-Inseln stattfand und aus der schliesslich zahlreiche Missionare in aller Welt hervorgingen. Nach den eigentlichen Erweckungsjahren leitete Campbell das Bible College der schottischen Faith Mission. In spĂ€teren Jahren wurde er geistlicher Mentor von Jugend mit einer Mission. 1972 starb er, wĂ€hrend er an der Schule fĂŒr Evangelisation von JMEM in Lausanne lehrte. Seine letzten Worte waren: „KĂ€mpft nicht als jemand, der in die Luft schlĂ€gt!“ (1.Korinther 9,26)

Tochter Sheena, die mit ihrem Mann Carl Vischer wĂ€hrend Jahren das Bibelheim MĂ€nnedorf leitete, erzĂ€hlt von ihrem Vater, dass er „,von einer heiligen Unzufriedenheit, aber auch von einer tiefen Liebe zu den Menschen geprĂ€gt“ gewesen sei im Wissen, dass Erweckung immer Gottes Gnade sei und bei sich selber beginne. Sohn Archie beschreibt den Vater als „total fokussiert, 24 Stunden am Tage fokussiert.“ Tochter Margaret betont die Wichtigkeit ihrer Mutter Shona, die „der fröhliche Ausgleich zum eher introvertierten Vater“ gewesen sei.

Duncan Campbell stammt aus einer gottesfĂŒrchtigen Familie des schottischen Hochlands. Als er mit 15 Jahren zum Tanz aufspielte, zeigte ihm der Heilige Geist, was Jesus am Kreuz fĂŒr ihn getan hat. Er entschied, sich fortan hauptamtlich der VerkĂŒndigung des Evangeliums zu widmen. Nach einer Zeit als Missionar der Faith Mission ĂŒbernahm er ein Pfarramt in der United Free Church. Er verlor dabei „das Bewusstsein der unmittelbaren Gegenwart Gottes.“ Nach 23 Jahren im Pfarramt stellte er sich der Faith Mission neu zur VerfĂŒgung. Er sehnte sich nach Erweckung einer lau und kraftlos gewordenen Christenheit. „Können wir nachlĂ€ssig sein im Werk des Herrn – nachlĂ€ssig, wenn das Haus brennt und die Menschen in Gefahr sind, darin zu verbrennen?“

Erweckung auf den Hebriden

Campbell begann neu dem Gebet den ersten Platz in seinem Leben zu widmen. 1949 erhielt er mitten auf einer Konferenz in Edinburgh eine Einladung, sofort auf die Ă€ussere Hebrideninsel Lewis zu kommen. Zwei gebrechliche alte Schwestern hatten im Gebet gesehen, dass Gott Duncan Campbell gebrauchen wollte, um ihr Gebet um Erweckung zu erhören. Campbell folgte dem Ruf und predigte das Evangelium und rief zur Umkehr auf. Überall wurden von Gottes heiliger Gegenwart erfasst und brachten ihr Leben in Ordnung. Aus allen Teilen der Insel strömten Leute, um das Evangelium zu hören und ihre SĂŒndenlasten abzulegen.

Es konnte geschehen, dass Campbell kaum zum Predigen kam, weil Gottes Gegenwart so stark war. Auf der Polizeistation in Barvas sagte er „Vater“, worauf alle Anwesenden in TrĂ€nen ausbrachen, als Gottes erfahrbare Gegenwart das GebĂ€ude erfĂŒllte. Campbell beschreibt Erweckung als

„ein Gottesbewusstsein, das sich ĂŒber eine ganze Gegend legt, sodass es fĂŒr alle Teile sichtbar ist.“

Duncan Campbell

In normalen Zeiten sind Evangelisten auf der Suche nach busswilligen SĂŒndern, wĂ€hrend in Erweckungszeiten busswillige SĂŒnder auf der Suche nach Menschen sind, bei denen sie ihre SĂŒnden bekennen können und Vergebung erhalten.

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David Spleiss (1786-1854)

„Ich möchte einzig danach streben, eine lebendige Darstellung eines JĂŒngers Jesu zu sein.“

David Spleiss
David Spleiss

In den Jahren 1818 und 1819 strömten aus dem ganzen Kanton Schaffhausen, ja auch aus den Nachbarkantonen Thurgau und ZĂŒrich Menschen in das kleine Schweizer Dorf Buch, sodass die Kirche bald nicht mehr alle Menschen fassen konnte. Aussergewöhnliches hatte sich da ereignet. Menschen erfuhren die Gegenwart Gottes auf dramatische Weise. Kinder gerieten wĂ€hrend dem Religionsunterricht in EntzĂŒckung, sodass man Angst um ihre seelische Gesundheit hatte, bis sie quicklebendig und freudestahlend berichteten, sie seien dem Heiland begegnet.

Menschlicher Auslöser war der gebĂŒrtige Schaffhauser David Spleiss.

Dieser war zeitlebens auf der Suche nach der Wahrheit. Er suchte sie vorerst in den GesetzmĂ€ssigkeiten der Natur. Seine erste Stelle war die eines Mathematik- und Physikprofessors. In dieser Zeit erlebte er eine geistliche Erneuerung im Umfeld des erwecklichen Dienstes der Baronin Von KrĂŒdener. Fortan war es sein Wunsch, „ein Seelenhirt, ein Lehrer der christlichen Religion“ zu werden, hatte er doch in TĂŒbingen Theologie studiert. Er erhielt bald eine Berufung als Pfarrer ins kleine Schaffhauser Dorf Buch. Noch aber wurde er immer wieder von Einsamkeit und unerfĂŒlltem Wahrheitsdurst gepackt. Bei einer Wanderung zu einem Pfarrkollegen erblickte er im Toggenburg ein von der Sonne beschienenes grosses Kreuz. Gott sprach dadurch tief in sein Herz und beantwortete seine Fragen. Spleiss: ,,Was du ein Leben lang gesucht, Wahrheit und Liebe in einem, hier ist’s, in dem Gottessohne, der sich fĂŒr die Welt hat kreuzigen lassen.“ 1816 verheiratete er sich mit Friederike, einer Tochter aus gutem Hause. Sie war von David Spleiss angezogen, weil sie in ihm einen Fels sah, an dem sie sich „vertrauensvoll anklammern darf“. Spleissens Biograph schreibt, er sei ein „ausserordentlicher und gewaltiger Prediger gewesen. Bald sprach er ruhig wie ein Vater, dann brach er in ein Feuer aus, das ihn und alle Hörer mitriss.“ Die ersten Stunden des Tages und die stillen Stunden der Mitternacht waren stets dem Gebet geweiht. Beim Ertönen der Gebetsglocke verabschiedete sich Spleiss jeweils und zog sich in sein GebetskĂ€mmerlein zurĂŒck.

Mehr und mehr wuchs in ihm der Wunsch eines tiefen Geisteswirkens, bis er im Winter 1817 – 1818 ein erstes erweckliches Wirken unter den Konfirmandinnen erlebte. Diese wurden von einer tiefen SĂŒndenerkenntnis ergriffen und nahmen die Vergebung und das Heil in Christus dankbar an. Am 13. April 1818 predigte Spleiss ĂŒber MatthĂ€us 10,26. „Es is nichts verborgen, das nicht offenbar werde.“ Die Zuhörer waren tief ergriffen. Spleiss zu seiner Frau: „Jetzt ist dem Fass der Boden ausgedrĂŒckt!“ Das war der Anfang eines Geisteswirkens, der bald das ganze Dorf erfasste und schliesslich tiefe nachhaltige Auswirkungen weit ĂŒber Buch hinaus hatte. Ein konkretes Resultat war, dass die Erweckten in Buch die Rettungsherberge „Friedeck“ erbauten, um verwahrloste Kinder aufzunehmen und im Glauben zu unterrichten. Viele Personen wurden nach der Zeit in der Friedeck Missionare der Liebe Gottes, so u.a, auch der spĂ€tere Erweckungsprediger Markus Hauser. David Spleiss wurde spĂ€ter zum ersten Stadtpfarrer in Schaffhausen gewĂ€hlt und wirkte schliesslich wĂ€hrend vielen Jahren sowohl als Dekan fĂŒr die Pfarrerschaft wie als Leiter der Schaffhauser Kirche.

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Buch „MĂ€nnerschmerz“ von Richard Schneebauer

‚Schmerz entsteht durch Verletzungen. Verletzungen entstehen in Beziehungen, sie heilen aber auch in Beziehungen.‘

Diese Erkenntnis mĂŒssen wir MĂ€nner haben, um gesunde, lebendige und starke Persönlichkeiten zu werden. Richard Schneebauers Buch deckt die vielfĂ€ltigen Ursachen unseres (oft verborgenen) Schmerzes auf.

FĂŒr meinen Geschmack widmet der Autor am Anfang des Buches dem Thema „Geschlechterkampf“ etwas zu viel Aufmerksamkeit. Wer aber in die LektĂŒre eintaucht versteht mit der Zeit, warum er diese Thematik so intensiv behandelt, denn er widmet sich spĂ€ter schwierigen Tabuthemen. Er schreibt einfĂŒhlsam und gleichzeitig klar.

Jedes Kapitel steht unter dem Thema eines Songs, welcher sich der Leser zur Einstimmung anhören kann, z.B. auf YouTube.

Schneebauer hĂ€lt uns den Spiegel vor und macht deutlich, dass wir MĂ€nner gleichzeitig Opfer und TĂ€ter sind. Er erklĂ€rt einleuchtend, warum Schmerz nicht nur akzeptiert, sondern sogar wertgeschĂ€tzt werden sollte und wie wir MĂ€nner diesem gewinnbringend begegnen können. Seine Erfahrung aus ĂŒber 20 Jahren MĂ€nnerberatung und die praktischen Beispiele aus GesprĂ€chen mit Ratsuchenden gestalten diese LektĂŒre abwechslungsreich und fundiert.

Ein Empfehlenswertes Buch, dass von Kapitel zu Kapitel an Fahrt aufnimmt.

MĂ€nnerschmerz von Richard Schneebauer

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Das Buch wird im SCM Verlag erscheinen, Veröffentlichung ist im FrĂŒhjahr 2024 vorgesehen.

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Samuel Hebich (1803 – 1868)

Samuel Hebich

„Gottes Geist soll uns treiben; aber um ihn zu hören, muss man innerlich stille sein, sonst treibt uns unser eigener Geist.“

Samuel Hebich

Der aus dem WĂŒrttembergischen stammende Samuel Hebich war in mancher Hinsicht ein moderner Apostel Paulus. Nach der Ausbildung am Seminar der Basler Mission reiste er 1834 zusammen mit zwei weiteren Missionaren an die WestkĂŒste Indiens aus, in Gebiete, in denen zuvor noch nie eine christliche Mission tĂ€tig gewesen war.

Seine kaufmĂ€nnische Ausbildung kam ihm bei der GrĂŒndung von Katechetenschulen, Spinnereien und Ziegelbrennereien zu Hilfe. Dabei setzte er sich dafĂŒr ein, dass bei aller Sorge um die Verbesserung der LebensumstĂ€nde die VerkĂŒndigung des Evangeliums nicht zu kurz kam. Er selbst besuchte regelmĂ€ssig die Basare und hinduistischen Pilger-und Opferfeste, um vom einen wahren Gott zu reden, der sein Leben fĂŒr die Menschen gegeben hat. Er erlebte immer wieder, wie man ihn mit Steinen bewarf oder Elefanten auf ihn hetzte. Trotzdem liess er sich durch keine noch so widrigen UmstĂ€nde davon abhalten, die freimachende Botschaft von Jesus Christus weiterzugeben. Seine Haltung: „Ich tue das oft freudig, oft auch sehr niedergebeugt. Mein Satz ist aber der: je mehr die Leute toben, desto mehr muss ihnen gepredigt werden in der Kraft des Herrn…. Und eine Predigt, die nicht sticht, ist ohne den Heiligen Geist.“ Wo sah Hebich Gottes Geist am Wirken: „Die Gotteskraft besteht in der Liebe, die Liebe ist das Grosse: Gott lieben, Jesus lieben, die BrĂŒder lieben, eine ganz verlorene Welt lieben, und warum? Weil er uns zuerst geliebt hat.“

Weil Samuel Hebich mit Erfolg auch zu den in Indien stationierten englischen Garnisonen predigte, deren Soldaten nach einiger Zeit jeweils an andere Orte versetzt wurden, sprach man spĂ€ter von den „Hebich-Kindern“ in aller Welt. Samuel Hebich predigte das Evangelium furchtlos und ohne jede ZurĂŒckhaltung, indem er den einfachen wie gebildeten Menschen ihre SĂŒndhaftigkeit und die Möglichkeit der Vergebung aufzeigte. Hebich: „Wer den engen Weg weiter macht, verfĂ€lscht das Evangelium.“ Zentrale Begriffe waren fĂŒr ihn Umkehr und Heiligung angesichts des drohenden Gerichts Gottes. Sein Ziel war es, Menschen aus der Finsternis ins Licht Christi zu fĂŒhren. Er erlebte neben Widerstand auch immer wieder erweckliche AufbrĂŒche, wodurch ganze Gebiete grundlegend verĂ€ndert wurden.

Nach 25 jĂ€hrigem Dienst in Indien in die Schweiz zurĂŒckgekehrt predigte Hebich gegen eine lau geworden Christenheit und ein „Schaumchristentum“, das die Kraft Gottes verleugnete. „Eine fromme Welt, die nicht bekehrt ist, ist auch bloss tote Welt.. Über allem, was Gott tut, muss mir das Herz hĂŒpfen.“ Das trug ihm manche Anfeindungen nicht zuletzt aus kirchlichen Kreisen ein. Gleichzeitig wurden selbst einflussreiche Persönlichkeiten JĂŒnger/innen Jesu und öffneten dem Evangelium TĂŒr und Tor. Sein grösstes Verdienst ist, dass er mit seiner 25 jĂ€hrigen Missionsarbeit in Indien ein solides Fundament der indischen Kirche gelegt hat.

Von Samuel Hebich wird gesagt, dass er oft halbe NĂ€chte im Gebet und mit dem Lesen der Bibel verbrachte, „Wir mĂŒssen in Gottes Wort hineingehen, und zwar graben darin und suchen und forschen. Ein rechter Bibelleser hat keine Zeit, UnnĂŒtzes zu lesen – ein paar wichtige Sachen aus dem Reich Gottes und der Mission; aber das Wichtigste ist, das Buch zu lesen.“

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Christian Friedrich Spittler (1782 – 1867)

Christian Friedrich Spittler

„Was hilft’s, wenn wir beim warmen Ofen und einer Pfeife Tabak die NotstĂ€nde der Zeit bejammern; Hand anlegen mĂŒssen wir, und sei es auch ganz im Kleinen.“

Christian Friedrich Spittler

Zur Zeit der napoleonischen Wirren war Basel voller Soldaten, die zum Teil aus weit entfernten LĂ€ndern gekommen waren, um als Alliierte die Angriffe Napoleons abzuwehren. Spittler wurde 1805 zum SekretĂ€r der Christentumsgesellschaft berufen, die 1780 auf Initiative des Augsburger Pfarrers Johann August Urlsperger „zur Beförderung wahrer Gottseligkeit“ gegrĂŒndet worden war. Spittler wandte sich an die Basler Bevölkerung, ihre Herzen fĂŒr die Menschen aus allen Herren LĂ€nder zu öffnen und fĂŒr die Verwundeten freiwillige Krankenpfleger zu stellen. Viele der Fremden kamen aus muslimischen LĂ€ndern des Kaukasus und des Nahen Ostens. Spittler rief auf, praktisch Hand anzulegen. „Den Strom des Verderbens können wir zwar nicht aufhalten, aber unsere Sache ist es, Einzelnen aus demselben herauszuretten.“ Spittler war ein Beter. Pflegetochter Susette: „Wie oft traf man ihn auf den Knien liegend, wenn man unversehens ins Zimmer trat.“. Spittler: „Ich habe viele Posten, worĂŒber ich mit meinem Gott reden muss.“

Christian Friedrich Spittler war nicht nur ein Mann mit einer Glaubensvision und ein Beter, er war in gleichem Masse ein begabter Unternehmer, eine GrĂŒnderpersönlichkeit sondergleichen. In 60 Jahren grĂŒndete er ĂŒber 20 sozialdiakonische und missionarische Werke, so die Basler Bibelgesellschaft; die Basler Mission, die zu einer der bedeutendsten Missionswerke heranwachsen sollte; das Judenmissionswerk, spĂ€ter Verein der Freunde Israels; das Rettungshaus fĂŒr Kinder aus sozial prekĂ€ren VerhĂ€ltnissen in Beuggen; die Griechenanstalt spĂ€ter Taubstummenanstalt; die Pilgermission St. Chrischona „,damit aus Christen nicht wieder Heiden werden“; das Kinderspital Basel; das Riehener Diakonissenhaus; das Syrische Waisenhaus in Jerusalem. Noch in seinem Todesjahr grĂŒndete er eine Missionsschule fĂŒr FlĂŒchtlinge aus Abessinien, heute Äthiopien. Spitler sah sich als Handlanger Gottes, durch den Gottes Liebe sichtbar werden sollte. „Unser PrĂ€sident soll Jesus Christus sein. Der Herr gebe mir Gnade, dass ich mich stets als Ton seiner Barmherzigkeit formieren und gebrauchen lassen kann.“ Wo Not war, sah er sich von Gott gedrungen, Glaubensgeschwister zur Tat zu rufen. „Ach, wie viel Trauriges kommt hierbei zum Vorschein, wie wenig Liebe, Demut und wieviel Selbstsucht auch unter uns Christen! Jeder sucht das Seine.“

Bei allem Einsatz zur Linderung der praktischen Nöte, sah Spittler die Grenzen rein materieller Hile, „Wahrlich, kommen die Menschen nicht zu Gott und zu der Bibel zurĂŒck, so helfen alle menschlichen UnterstĂŒtzungen nichts.“ Spittler betonte, dass zuerst wir Christen selber immer neu VerĂ€nderung benötigen, um bereit zu sein, Opfer zu bringen. „Wie viele Opfer werden irdischen Zwecken gebracht und wie wenig eigentlich fĂŒr himmlische. Dies könnte uns einst reuen in der Ewigkeit. Drum lass uns wirken, solange es Tag ist. Ja er wirke in uns und allen seinen Kindern eine krĂ€ftige Erneuerung des Heiligen Geistes, damit wir in dieser letzten betrĂŒbten Zeit das tun können, was notwendig ist und was er von uns fordern wird, wenn er kommt, um Rechnung zu halten mit seinen Knechten.“

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Niklaus Wolf von Rippertschwand (1756 – 1832)

Niklaus Wolf von Rippertschwand

„Es gibt eine Armee, die mehr ausrichtet als Napoleon und seine Soldaten.“

Niklaus Wolf von Rippertschwand

Niklaus Wolf wuchs als katholischer Bauernsohn in Rippertschwand in der Zentralschweiz auf. Er ĂŒbernahm spĂ€ter den Hof und gab ihn mit 50 Jahren wieder an seinen Sohn weiter. Niklaus Wolf verband BodenstĂ€ndigkeit und Interesse am Weltgeschehen mit einem tiefen Glauben an die Macht Gottes. Sein Wahlspruch lautete: „Zur Ehre des heiligsten Namens Jesus, zur Errettung der Menschen und zum Sturz der Hölle.“ WĂ€hrend der französischen Revolution unter Napoleon diente er kurze Zeit im Luzerner Parlament und spĂ€ter als Gemeindevorsteher von Neuenkirch.

Er war ein starker Kritiker der „,Neuerer“ in Politik und Kirche. WĂ€hrend das alte Staatswesen auf Glaube und Moral aufgebaut gewesen sei, wollten die „Neuerer“ alles Heilige und BewĂ€hrte niederreissen und wĂŒrden Lebensgenuss ĂŒber Gewissenstrost und Schein ĂŒber Wahrheit erheben. Er empfand zunehmend, dass mit menschlichen Mitteln allein keine Wende erreicht werden kann. Niklaus Wolf rief zum ernsthaften Gebet auf: „Wir MĂ€nner mĂŒssen, anstatt nur zu politisieren, uns regelmĂ€ssig zum Gebet treffen. Mit Waffengewalt können wir nichts unternehmen. Aber es gibt geistige Waffen, die wollen wir ergreifen.“ Er grĂŒndete ĂŒberall MĂ€nnergebetsgruppen, „da die Frauen ja ohnehin leichter beten als die MĂ€nner.“ Zudem versammelte er seine Familie und die Mitarbeiter des Hofes jeden Abend zu einem Gottesdienst. Die Urchristen hĂ€tten sich ja auch in ihren HĂ€usern getroffen. Er fĂŒhrte Neuerungen in der Landwirtschaft ein und zog sich aus der Politik zurĂŒck, was ihm erlaubte, tĂ€glich drei Stunden in der FĂŒrbitte fĂŒr einzelne Menschen und fĂŒr das Land zu verbringen. Er war der Überzeugung, dass „wir vor Gott auf den Knien am Grössten sind“.

Nachdem er zweimal in persönlichen Krankheitsnöten den Namen Jesus um Hilfe angerufen hatte und jedes Mal auf der Stelle geheilt wurde, begann er auch fĂŒr andere Menschen um Heilung von Krankheit und Befreiung von dĂ€monischen ZwĂ€ngen zu beten. Dabei erlebte er zahlreiche zum Teil ausserordentliche Gebetserhörungen. Das sprach sich herum. Immer mehr Menschen besuchten „Vater Wolf“ in Rippertschwand und baten um Gebet. Dieser bezeugte allen, dass „der heiligste Name Jesus Macht hat ĂŒber alles im Himmel, auf Erden und in der Hölle.“ Wenn dadurch Gott verherrlicht wĂŒrde, warum sollte es dann nicht geschehen, dass Kranke auf Gebet hin gesund wĂŒrden. Es ging ihm nicht nur um körperliche Heilung, sondern dass Menschen als Folge der erlebten Gnade Gottes ihr Leben Jesus weihten und Werkzeuge seines Friedens wĂŒrden: „Oh, wenn wir Jesus recht lieben und mit ihm und in seinem Namen wider die Hölle streiten wĂŒrden, wie grosse Verherrlichung des heiligen Namens Jesu wĂŒrde geschehen, wie viele SĂŒnder bekehrt, wieviele Uneinigkeit wĂŒrde behoben.“

Niklaus Wolf war MitbegrĂŒnder und Förderer vieler Glaubenswerke, die zum Teil bis heute fortbestehen, so des Schwesterninstituts Baldegg, der InlĂ€ndischen Mission und des Vereins zur Glaubensverbreitung.

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