Dorothea Trudel (1813-1862)

„Wenn wir nicht nach der Bibel leben, haben die Ungläubigen recht, wenn sie sagen, in der Bibel seien Märchen; denn an uns sollen sie sehen, dass die Schrift Wahrheit ist.“

Dorothea Trudel

Neben Elenden und Kranken strömten Mitte des 19. Jahrhunderts neben einfachen Leuten immer mehr einflussreiche Personen des öffentlichen Lebens nach Männedorf am Zürichsee, um zu Füssen der ledigen Weberin und Floristin Dorothea Trudel zu sitzen, die viermal täglich Bibelstunden hielt und für die Kranken betete. Unter ihren Besuchern waren Personen wie Professor August Tholuck, der „,Kirchenvater des 19. Jahrhunderts“; Pfarrer Arnold Bovet, Mitbegründer des Blauen Kreuzes; sowie der bekannte Evangelist Elias Schrenk. Letzterem „tat sie gründlich den Rost herunter“, wie er selber einmal bekannte. Einem Gemeindehirten gegenüber meinte sie einmal: „Ich wollte lieber, dass ihr Schweinehirten wäret, als dass euch eine Gemeinde von unsterblichen Seelen übergeben sei, wenn ihr nicht die Liebe habt, die Paulus hatte.“

Dorothea Trudel litt an der Kraft- und Lieblosigkeit vieler Kinder Gottes und rief zu einer kompromisslosen Nachfolge Christi auf, die sich darin zeigen würde, dass nicht der eigene Geist sondern der Heilige Geist die Menschen treibt, und dass Gottes Licht durch ihr Leben zum Leuchten kommt und die Mitmenschen anzündet. „Sollten wir nicht das Pfingstfeuer über unsere tote Christenheit erflehen? Es ist schlimmer, wenn die Frommen von unnützen Dingen reden und von den Fehlern anderer, als wenn Weltleute ins Theater gehen. Es gibt Gefühlschristen, Barometerchristen, Launenchristen, Modechristen. Wir sollten aber Glaubenschristen, Bibelchristen, apostolische, nüchterne, echte ganze Christen sein.“

Bevor Dorothea Trudel für die Menschen mit Handauflegung um Heilung betete, vergewisserte sie sich, dass bei den Bittstellern „alles bekehrt ist: Auge, Ohren, Füsse, Zunge“, wie sie es ausdrückte. Schonungslos deckte sie Sünden auf, stellte aber immer das heilbringende Evangelium in den Mittelpunkt. Manche Kranken fanden erst Gesundung, nachdem sie ihre Sünden erkannt und bekannt hatten, wie das auch bei Samuel Zeller der Fall war. Andere blieben krank, gingen aber meist reich gesegnet nach Hause. Dorothea Trudel verband biblische Wahrheit und Direktheit mit einer heissen Liebe für ihre Mitmenschen. An ihrer Abdankung hiess es: „Sie hatte Schmerzenskinder, deren geistiges Wohl ihr oft Tränen ausgepresst hat. Die Sünden anderer hat sie mit so viel Innigkeit vor den Thron Jesu gelegt.“

Weil immer mehr kranke Menschen, darunter auch zahlreiche Geisteskranke, Dorothea Trudel aufsuchten und längere Zeiten der körperlichen, seelischen und geistlichen Erneuerung benötigten, wurde das Haus bald zu klein. Ein zweites grösseres Haus musste dazugekauft werden, um die Hilfesuchenden aufnehmen zu können. Unter der Leitung von Samuel Zeller und später dessen Neffen Alfred Zeller wurde der ganzheitliche Heilungsdienst in Form der „Zellerschen Anstalten“ in Männedorf weiter ausgebaut, deren Spuren sich heute im „Bibelheim Männedorf“ auch nach über 100 Jahren noch finden.

Quelle: „30 kurze Lebensbilder“ von Hanspeter Nüesch, Kontaktiere den Autor per e-mail: hpnuesch7@gmail.com

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