Niklaus von Flüe (1417-1487)

Quelle: wikipedia

Vorbilder sind „Lebensbilder“. Es sind Menschen, an denen wir uns orientieren können. Männer und Frauen, die uns inspirieren und ermutigen. Personen wie Du und ich: Durchschnittlich, z.T. erfolgreich und glücklich, manchmal niedergeschlagen und geplagt. Diese Lebensbilder geben uns Orientierung und zeigen uns Möglichkeiten. Sie öffnen neue Türen und erweitern unseren Horizont.

Dies ist der erste Artikel, einer 30 wöchigen Serie über bekannte und weniger bekannte Lebensbilder. Ich wünsche Dir viel Freude beim Lesen und freue mich immer über Kommentare und Rückmeldungen! Wenn Du keinen Beitrag verpassen willst, folge diesem Blog und Du wirst jeweils per E-Mail informiert.

God bless you,

„Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir. Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich führet zu dir. Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir.“

Niklaus von Flüe

Ende 1481 befand sich die junge Eidgenossenschaft in einer ihrer schwersten Krisen. Die Abgeordneten der acht alten Kantone hatten am Vormittag ihre Verhandlungen an der Tagsatzung von Stans erbittert abgebrochen. Der Streit sollte mit den Waffen entschieden werden. Die Schweiz stand unmittelbar vor einem Bürgerkrieg. Doch am Abend des gleichen Tages läuteten im ganzen Land die Friedensglocken. Was hatte zu einer so überraschenden Wendung der Dinge geführt?

Auf das eindringliche Bitten des Stanser Pfarrers Heimo am Grund hatten sich die Abgeordneten ein letztes Mal zusammengefunden, um den Rat des Einsiedlers Niklaus von Flüe anzuhören. Dieser warnte vor eigenstaatlichem Egoismus, vor Soldbündnissen und einer übermässigen Expansionspolitik. „Oh, liebe Freunde, machet den Zaun nicht zu weit, damit ihr in Friede, Ruh und Einigkeit in eurer sauer erworbenen löbliche Freiheit bleiben möget.“

Die Tagsatzungs abgeordneten hörten auf diesen Rat und schlossen darauf einen Kompromiss, der Dauer haben sollte. Über 300 Jahre bildete fortan das Stanser Verkommnis die Rechtsgrundlage der Schweizer Eidgenossenschaft. Warum haben die hartgesottenen Politiker auf den Rat dieses Einsiedlers gehört?

Niklaus von Flüe wuchs in Flüeli bei Sachseln in der Zentralschweiz auf einem Bauernhof auf und wurde selber Bauer. Im Militär bekleidete er den Rang eines Hauptmanns. Er betätigte sich aktiv in der Politik als Richter, als Gemeindepräsident, als Mitglied der kantonalen Regierung und als Tagsatzungsabgeordneter. Zwei seiner Söhne bekleideten später das Amt des Landammanns. Infolgeseines ausgesprochenen Gerechtigkeitssinnes belastete ihn die politische Arbeit stark.

Pfarrer am Grund riet ihm, täglich das Leben Christi zu betrachten und darüber nachzusinnen. Niklaus: „Darauf hielt ich Einkehr in mich und begann die Übung täglich zu erfüllen, in welcher ich durch die Barmherzigkeit meines Erlösers für meine Armut Fortschritte machte. Und weil ich in viele weltliche Geschäfte und Beamtungen verstrickt war, sah ich, dass ich dies in der Gesellschaft der Menschen weniger andächtig verbringen könne.“

Deshalb zog er sich mit 50 Jahren an einen Ort unweit seines Bauernhofs zurück. In einer einfachen Klause fastete er und widmete sich der Meditation und Fürbitte. Immer mehr einfache und hochgestellte Leute suchten bei ihm seelsorgerlichen Rat. Mehr und mehr begann er auch für sein Vaterland im Gebet einzustehen. Der Sieg im Burgunderkrieg war der Eidgenossenschaft in den Kopf gestiegen. Täglich habe er auf den Knien gelegen und in heissem Flehen um die Rettung seines Vaterlandes gebeten. 1481 holte dann Heimo am Grund den schon erwähnten entscheidenden Rat bei ihm und überbrachte ihn den Tagsatzungsabgeordneten in Stans.

Abschliessend ein Wort von Bundesrat Giuseppe Motta (t): „Niklaus von Flüe wurde in einer entscheidenden Stunde unserer Geschichte zum Retter der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Wäre er nicht gewesen, so dürften wir uns heute vielleicht nicht Schweizer nennen.“

Quelle: "30 kurze Lebensbilder" von Hanspeter Nüesch, Kontaktiere den Autor per e-mail: hpnuesch7(at)gmail.com

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