Flasche leer – 500 Jahre Reinheitsgebot

Mein Schwager hat einen entscheidenden Vorteil: Er arbeitet in einem Getränkemarkt und „segnet“ mich immer wieder mit exklusivem Bier. Wenn ich ein spezielles Bier bekomme oder eine Bierflasche mich an einen einmaligen Abend erinnert, erhält sie einen Platz auf meinem Regal im Geräteschuppen. Das Regal ist nicht groß, deshalb sind es wenige Flaschen, dafür umso exklusivere Exemplare. Erinnerungen! Niemals würde ich auf die Idee kommen, eine leere Falsche zu kaufen um ihr diesen Ehrenplatz zu geben. Niemand kauft leere Bierflaschen… Denn der Inhalt ist entscheidend, darauf kommt es an: Kühles Blondes, Weizen, Ale, etc. Und bald heißt es „Flasche leer!“.

Manchmal fühle ich mich wie eine Flasche im Altglas (falls Flaschen überhaupt Gefühle haben).

Nicht „doof“ sondern „leer“. Schlechtes Gefühl! Dann muss etwas her, um diese Leere wieder zu füllen! Nur was? Jede Flasche hat ihre Füllung, was füllt mich? Vieles füllt, hält aber nicht lange hin. Nur etwas ist wirklich nachhaltig. Oder treffender ausgedrückt „nur jemand“. Nur „einer“ kann mich auf diese eine Weise erfüllen, dass mein Inneres sich in allen Situationen geborgen weiß, definitiver Frieden einkehrt und ich das Gefühl habe, endlich zu Hause zu sein!

Gott hat „die Ewigkeit in unsere Herzen gelegt“ (Prediger Kapitel 3, Vers 11). Wir alle haben eine tiefe Sehnsucht nach Erfüllung und gelangen ständig an unsere Grenzen, beim Versuch diese zu stillen. In anderen Worten: Uns fehlt Gott, ähnlich einer leeren Bierflasche das Bier. Unvollständig! Ist dieser Vergleich daneben?

Uns ist klar, dass Bier nur die Blase und nicht das Herz füllt!

Ich möchte mit diesem Vergleich etwas Tieferliegendes aufzeigen:

Gott ist der einzige, der unserer tiefen Sehnsucht nach Frieden und Erfüllung begegnen kann. Er ist der Urheber dieser Sehnsucht und kennt somit auch die Lösung. Er selbst ist die Lösung. Wenn Gott mit seiner Kraft in einem Menschen wohnt, ist dieser Mensch vollständig. Nun stellt sich die Frage: Kann Gott auch mich erfüllen? Und wenn JA, wie geht das? Genauso wie wir Menschen uns nach Gott sehnen, sehnt er sich nach uns! Gott wünscht sich nichts mehr, als der Mittelpunkt unseres Lebens zu sein. Da sich echte Liebe nicht aufzwingen kann, hat er diese Sehnsucht in uns gelegt. Mit dem Ziel, uns zu sich zu ziehen. Wenn wir Menschen darauf antworten und uns Gott zuwenden, werden auf einen Schlag zwei Sehnsüchte gestillt: Gottes Sehnsucht nach uns und unsere Sehnsucht nach ihm.

 

Zurück zum Gerstensaft: Bier, nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut, wird in saubere Flaschen abgefüllt. Entweder sind es neue oder sonst sauber gereinigte Flaschen. Nie würde ein Brauer sein edles Gebräu in schmutzige Flaschen füllen. Genauso unmöglich ist, dass Gottes Kraft in einem unreinen Menschen wohnt. So sehr sich Gott die Nähe zu uns wünscht; es ist nicht möglich, dass ein reiner, heiliger Gott mit einem unreinen Menschen Gemeinschaft haben kann. Sicher hat David darum folgende Zeilen geschrieben:

«Reinige mich von meiner Schuld, dann bin ich wirklich rein; wasche meine Sünde ab, und mein Gewissen ist wieder weiß wie Schnee!» Psalmen 51,9

David war sich bewusst, dass etwas zwischen ihm und Gott gestanden hat. Er wusste, dass seine Fehler ihn von Gott getrennt haben. Doch er ließ sich nicht davon abhalten, Gottes Nähe zu suchen!

„Ich aber darf dir immer nahe sein, mein Herr und Gott; das ist mein ganzes Glück!“ Psalm 73,28

Er kannte Gott. Er wusste, dass auch Gott bei ihm sein wollte. Und er wusste, dass Gott alles unternehmen würde, um diese Hürde zu überwinden. Gott würde sein Bestes geben, um David zu reinigen, damit sie sich wieder nahe sein könnten!

Genau das hat Gott getan! Wie? In der Bibel lesen wir viel zum Thema Reinheit. Bereits im alten Testament wird die reinigende Kraft Gottes sichtbar. So wird zum Beispiel beschrieben, was man zu tun hatte, wenn man von Aussatz geheilt (gereinigt) wurde. Mit Aussatz sind verschiedene Hauterkrankungen gemeint. Im übertragenen Sinn kann man Aussatz auch als Symbol für Sünde deuten, denn der Aussatz verunreinigte den Betroffenen. Dadurch wurde er von der Gesellschaft ausgeschlossen. Erst wer „gereinigt“ war, durfte wieder Teil der Gesellschaft werden. Die Reinheit musste von einem Priester bestätigt werden. Dann führte dieser ein Ritual mit dem Geheilten durch, das schon dazumal auf Jesus hingewiesen hat. Im 3. Mose, Kapitel 14 wird beschrieben, dass der Priester zwei reine Vögel für das Reinigungsritual braucht: Den einen hat er getötet und den anderen fliegen lassen. Ein eindrückliches Bild für den kommenden Tod und die darauffolgende Auferstehung Jesu. Ein früher Wegweiser, der auf die endgültig reinigende Tat unseres Superheroes gezeigt hat! Jesus hat sein Blut vergossen, dass wir rein sein können. Jesus ist gestorben, damit wir leben können. Er wurde einsam, damit wir ihm nahe sein können.

«Darum wollen wir uns Gott nähern mit aufrichtigem Herzen und im festen Glauben; denn das Blut Jesu Christi hat uns von unserem schlechten Gewissen befreit, und unser Körper wurde mit reinem Wasser von aller Schuld reingewaschen.» Hebräer 10:22

Was einen Menschen verunreinigt, ist also die Schuld. Viele haben die Überzeugung, dass mit „Sünde“ einzelne Taten gemeint sind. Das ist falsch, denn Sünde ist viel eher das Verfehlen des Ziels. Gott hat uns als seine Söhne geschaffen. Wer nicht in dieser Identität lebt, verfehlt das Ziel und lebt in der Sünde. Wer zu Gott als Vater „JA“ sagt, der lebt im Plan Gottes. Die Sünde kann ihm den Weg zum Ziel nicht länger blockieren, auch wenn er immer wieder Fehler begeht. Jesus hat für seine Fehler bezahlt und wird ihm alles was er bereut vergeben.

Jesus antwortete: »Wer gebadet hat, der ist ganz rein. Ihm braucht man nur noch den Straßenstaub von den Füßen zu waschen. Ihr seid alle rein.« Johannes 13:10

Hier versichert Jesus seinen Jüngern, dass sie einzig durch das Vertrauen auf ihn, den Sohn Gottes, rein sind. Und dass einzelne Taten nicht mehr das Potential haben, sie aus der Gemeinschaft mit Gott zu reißen.

Ich bin also nicht die Summe meiner Taten.

Sonst wäre ich Gott fern, wenn ich einen Fehler mache oder eine falsche Entscheidung treffe. Und ich könnte ihm durch richtiges Verhalten nahe sein. Nein, meine Identität definiert sich nicht durch meine Taten. Sondern ich bin gereinigt, versöhnt mit Gott. Ich bin, was Gott über mich sagt: Sein Sohn! Und wer selber Kinder hat, der weiß: Einmal Kinder, immer Kinder. Auch wenn sie sich mal daneben benehmen, sie bleiben meine Kinder! Auch wenn sie erwachsen werden, sie bleiben meine Nachkommen! Und das ist gut so.

Ich erinnere mich an diese eine Fahrt ins Herbstcamp unserer Kirche. Alleine mit drei meiner Jungs bin ich nach Südspanien gefahren. Meine Frau und das Baby haben den Flieger genommen. Während der 14 stündigen Fahrt haben meine Söhne gesungen, gelesen, aus dem Fenster geschaut, Fragen gestellt. Aber je länger die Fahrt dauerte, desto ungeduldiger wurden die Testosteron gepumpten Jungs. Wir alle waren mal Jungs und wir alle wissen wie es ist, wenn man sich bewegen will, aber nicht kann. So hat mich die Fahrt ins Ferienparadies je länger je mehr überfordert. Und ich hab mich gefragt, was ich mir um alles in der Welt dabei gedacht habe, mich alleine mit diesen jungen Wilden auf den Weg zu machen.

Wäre mir Neil Armstrong in diesen Momenten begegnet und hätte er mir drei Einwegtickets zum Mond angeboten… – ich hätte angenommen und wäre alleine weitergereist!

Als wir am nächsten Tag zusammen am Strand spielten, waren die Strapazen der Reise schnell vergessen: Jetzt war ich erleichtert, dass uns kein Astronaut begegnet ist! Aus diesen Strapazen habe ich gelernt, und plane unsere gemeinsamen Reisen seit da anders. Keine Angst; meine Jungs kommen auch in Zukunft mit in die Ferien! Auch nach diesem Erlebnis möchte ich mit ihnen zusammen sein. Denn ich liebe sie über alles! Wenn schon wir menschlichen Väter unsere Kinder so gerne haben, wie viel mehr liebt der himmlische Vater seine Kinder? Gott, dein Vater, möchte nie mehr ohne dich sein! Denn du bist einer seiner Söhne und gehörst für immer zu seiner Familie!

„Denn ich bin ganz sicher: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Dämonen, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch irgendwelche Gewalten weder Hohes noch Tiefes oder sonst irgendetwas können uns von der Liebe Gottes trennen, die er uns in Jesus Christus, unserem Herrn, schenkt.“ Römer 8, 38&39

 

Jedermann kann Gott nahe sein und hat so Zugang zu einem erfüllten Leben. Erfüllt mit Gottes bedingungsloser Liebe. Das ist, was du wirklich brauchst!

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